21-Jähriger will Flüchtlingsheim verlassen

Kein Raum zum Lesen und Lernen

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Tewodros Fiseha teilt sich mit einem weiteren Mann ein Zimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft. Er strebt einen Hauptschulabschluss und eine Ausbildung als Elektroniker an.

Langen -  Tewodros Fiseha ist 21 Jahre alt und stammt aus Eritrea. „Meine Mutter ist in Äthiopien geblieben“, erzählt er.

Seine Stationen in Deutschland: Dortmund, Gießen, Frankfurt (bei einem Onkel) und schließlich eine Langener Gemeinschaftsunterkunft, die er sich seit zwei Jahren mit 30 weiteren Bewohnern teilt. „Ich finde, dass dort viel zu viele Leute leben“, sagt der junge Mann. Die Eritreer wohnen oben, Afghanen und Syrer unten.

Dem Flüchtling, der unter ein Abschiebeverbot fällt, ist es in dem Heim zu dreckig. Es werde zu viel getrunken und es gebe immer wieder Streit. „Ich kann hier nur schlafen und selbst da stört jemand.“ Kein Wunder, dass der Lerndruck steigt, die Lehrer seien unzufrieden. „Aber Lernen ist nur sehr schwer möglich“, sagt der Eritreer.

Dabei geht er eigentlich gerne in die Sprachschule, anfangs habe er sehr viel gelesen und viel Spaß gehabt, erzählt der 21-Jährige. Doch da er in der Unterkunft ständig gestört werde, habe er aufgehört zu lesen: „Ich würde mir einen Raum wünschen, in den ich nach der Schule gehen kann, um zu lesen und zu lernen“, sagt der Flüchtling, der einst zu Fuß und mit dem Auto aus Äthiopien über Eritrea, Sudan, Libyen und Italien ins Land kam.

Eigentlich war er davon ausgegangen, nur sechs Monate in der Gemeinschaftsunterkunft wohnen zu müssen und dann in eine Wohnung ziehen zu können. Doch alle Versuche, eine solche zu finden, sind bislang fehlgeschlagen. „Vermieter wollen keine Schüler, sie wollen Arbeitnehmer, aber ich kann nicht arbeiten, da ich keine Arbeitserlaubnis habe.“

Fiseha hat im Internet gesucht, auch seine Lehrer haben ihm geholfen. „Ich habe über zehn Wohnungen angefragt“, berichtet er. „Wir wollten auch zusammen wohnen und eine WG gründen, aber auch da wurden wir direkt abgelehnt, da wir nicht arbeiten.“ Bislang habe er sich nicht einmal eine Wohnung ansehen dürfen. „Im Moment habe ich aufgegeben“, sagt er.

Und so geraten seine ehrgeizigen Ziele in Gefahr. „Wenn ich meinen Hauptschulabschluss bestanden habe, würde ich gerne eine Ausbildung als Elektroniker beginnen“, sagt Fiseha. Doch bis dahin wartet noch viel Arbeit auf ihn. „Ich muss viel lernen, um die Prüfung zu bestehen“, weiß er um die Voraussetzungen. Vielleicht gelingt es ihm, sobald er eine Ausbildung begonnen hat, seinen Traum zu verwirklichen, in eine eigene Wohnung oder eine WG zu ziehen. (cz)

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