Keine Alternative zur Motorsäge

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Mein Freund der Baum ist tot, er fiel im frühen Morgenrot. Okay, noch ist es nicht so weit, doch die Tage der drei Linden am Tarsusplatz sind gezählt. Nach Aussagen des städtischen Umweltreferats drohen die Bäume umzustürzen. Um dieser Gefahr vorzubeugen, sollen sie in den kommenden Tagen gefällt werden. Als Ersatz sollen wieder Linden gepflanzt werden, dann aber mit einer neuen Methode, damit sich das Problem nicht wiederholt. Ebenfalls in Kürze sollen an dem Platz die Verkehrsleitelemente entfernt werden.

Langen (ble) ‐ Bäume in den Innenstädten haben es häufig nicht leicht. Die Bedingungen für sie sind ungleich schwieriger als für Pflanzen in freier Natur – das wird nun an mehreren Bäumen auf dem Tarsusplatz und an der Robert-Bosch-Straße deutlich.

Die Bäume sind zu Stolperfallen geworden, drohen umzustürzen, gefährden die Sicherheit von Fußgängern und Verkehrsteilnehmern und müssen deshalb von den Kommunalen Betrieben (KBL) gefällt werden. „Die Wurzeln finden im verdichteten Erdreich unter Straßen und Wegen keinen Platz. Da schafft sich der Baum Raum nach oben“, erläutert Heike Gollnow vom städtischen Umweltreferat. Dieses Phänomen sei bei den drei Linden auf dem Tarsusplatz (die Rückbenennung in Taunusplatz soll noch im ersten Quartal erfolgen) deutlich zu sehen: Die Wurzeln drücken die Bäume nach oben. „Sie verlieren ihren Halt und drohen umzustürzen“, sagt Gollnow. Deshalb werden sie vor dem Beginn der Vegetationsperiode am 1. März gefällt und die Wurzelstöcke entfernt. An gleicher Stelle sollen dann neue Linden gepflanzt werden. Kosten pro Baum: 1500 Euro.

Mittels einer besonderen Technik will die Stadt verhindern, dass auch die neuen Bäume über kurz oder lang das gleiche Schicksal ereilt. „Mit einem Nährsubstrat und deutlich mehr Platz im Boden können auch Straßenbäume kräftig genug wachsen, um mit den Wurzeln nach unten ins tiefe Erdreich vorzustoßen und dort Halt zu finden“, weiß Gollnow. Dieses Verfahren sei schon seit einigen Jahren im Einsatz.

Einheimische Bäume bieten Vorteile

Die 29 Platanen an der nördlichen Robert-Bosch-Straße wurden allerdings vor mehr als 20 Jahren mit der damals gängigen Technik eingepflanzt. Nun drücken sie mit ihren Wurzeln die Gehwegplatten und die Bordsteine der Pflanzbeete immer weiter nach oben. Fußgänger könnten dadurch leicht ins Stolpern geraten, das Pflaster werde zerstört, so Gollnow.

Zunächst fallen deshalb fünf Bäume der Säge zum Opfer. Die restlichen Exemplare müssen in den kommenden Jahren ebenfalls gefällt werden. „Leider gibt es keine Alternative“, erklärt die Fachfrau.

Als Ersatz wird eine Bergahornsorte gepflanzt, die eine schmale Krone ausbildet. Der einheimische Baum habe gegenüber der Platane den Vorteil, dass er den Tieren Nahrung biete. An der Robert-Bosch-Straße liegen die Kosten ebenfalls bei 1500 Euro pro ersetztem Baum. Die KBL behalten auch die 14 Platanen in der Heinrich-Hertz-Straße im Auge. „Wir fürchten, dass dort künftig die gleichen Probleme auftauchen werden“, sagt Gollnow.

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