Verschönerung geglückt

Keßlerbrunnen: Eine Wohltat für durstige Kehlen

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Ein bisschen Ente, etwas Drache, teils Fisch: das neue Rohr des Keßlerbrunnens in der oberen Bahnstraße.

Langen - „Willst Du trinken, trinke hier – zahlst Du keinen Zins dafür. “ Diese Worte bilden die Inschrift am Keßlerbrunnen an der Kreuzung von Bahn- und Friedrichstraße.

Doch das mit dem Trinken war lange Zeit nicht möglich: Der frühere Auslauf des Brunnens war immer wieder Zielscheibe von Vandalismus gewesen und vor einigen Jahren ganz verschwunden. Nun endlich dient der Brunnen wieder seiner ursprünglichen Bestimmung: Per Knopfdruck läuft Trinkwasser aus einem kunstvoll gestalteten Rohr, für das der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) in die Vereinskasse gegriffen hat. Die Messingarbeit kostete rund 700 Euro.

Zur Inbetriebnahme probierte Bürgermeister Frieder Gebhardt gleich einen Schluck Langener Wasser aus dem neuen Auslauf. „Ich freue mich, dass dieses schöne Wahrzeichen den Bürgern eine kleine Erfrischung spendet. Der reparierte Brunnen zeigt, wie stark der VVV mit unserer Stadt verbunden ist.“

Wasserspeier mit Gesicht

Das Rohr besteht aus einem Wasserspeier, der das Gesicht eines Fantasiewesens – teils Ente, teils Drache, teils Fisch – trägt. Peter Müller, Leiter des Bauhofs der Kommunalen Betriebe (KBL), hofft, dass Vandalen künftig dem Brunnen fernbleiben. „Sicherheitshalber haben wir das stabilste Material ausgewählt. Außerdem haben unsere Mitarbeiter unter tatkräftiger Mithilfe von Auszubildenden der Pittler ProRegion den Auslauf noch einmal besonders gut gesichert.“

Der gibt jetzt noch ein glänzendes Bild ab, aber schon bald wird das Material – dank Wind und Wetter – Patina annehmen. In der kalten Jahreszeit, wenn der Brunnen nicht in Betrieb ist, soll das gute Stück im Lager des Bauhofs überwintern.

Der ursprüngliche Brunnen stammte aus dem Jahre 1927. Der VVV veranstaltete eigens einen „Heimatopfertag“, um den jetzigen Keßlerplatz (damals Friedrichplatz) mit Blumen und einem Wasserspender zu verschönern. Der kostete damals gerade mal 280 Mark und wurde anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Vereins in Betrieb genommen. Er bestand aus Kunststein und war im Stil des Art déco gestaltet. Nach starker Verwitterung wurde er in den neunziger Jahren durch eine Replik aus Naturstein ersetzt.

Ohne Keßler wäre VVV vielleicht nie entstanden

Der Brunnen erinnert an Friedrich Keßler (1843 bis 1917), den Gründer des VVV. Er hatte ein bewegtes Soldaten- und Abenteurerleben geführt, bevor er sich in Langen niederließ. Unter anderem kämpfte er in der Fremdenlegion in Algerien und im Krieg von 1870/71. Dabei wechselte er mehrfach die Seiten und wäre beinahe als Deserteur exekutiert worden. Glücklicherweise überlebte er, sonst wäre 1877 der VVV, der sich um die Verschönerung und das Erscheinungsbild Langens kümmert, vielleicht gar nicht entstanden.

ble

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