Der rasante Wachstum hat seinen Preis

Kinderbetreuung in Langen: „Ausbau alternativlos“ - Stadt stellt Bedarfs- und Entwicklungsplan vor

Die Schaffung von Plätzen in der Kinderbetreuung hat in Langen höchste Priorität. Den Fahrplan dazu liefert der Bedarfs- und Entwicklungsplan Kinderbetreuung 2021-2028, den der Magistrat jetzt vorgelegt hat. Er wird nun in den zuständigen Ausschüssen diskutiert und soll anschließend im Stadtparlament beschlossen werden.

Langen - Langen wächst rasant. Etliche Bauvorhaben schaffen Wohnraum, sodass mit weiteren Zuzügen gerade auch von jungen Paaren und Familien zu rechnen ist. Daneben findet aufgrund des demografischen Wandels insbesondere in den Wohngebieten aus den 1960er und 70er Jahren ein Generationenaustausch statt. Im Zuge des Nutzerwechsels werden dort ebenfalls vermehrt Familien mit Kindern einziehen.

Nach aktuellen Berechnungen wird die Einwohnerzahl von aktuell gut 39 000 auf mehr als 44 000 im Jahr 2028 steigen. Und natürlich steigen auch die Zahlen in den für die Kinderbetreuung relevanten Altersgruppen. Lebten 2020 in Langen 2 693 Kinder unter sechs Jahren, werden für 2028 knapp 3 100 prognostiziert. Die Zahl der Kinder zwischen sechs und zehn Jahren dürfte in diesem Zeitraum von 1 500 im vergangenen Jahr auf gut 2 200 steigen.

Da die Entwicklung bei den Grundschulen in Richtung Ganztagsschule geht, richtet sich der Blick der Stadt speziell auf die Betreuung in den Bereichen U3 (ein bis drei Jahre) sowie Ü3 (drei bis sechs Jahre). Aktuell stehen für U3 insgesamt 377 Plätze (Einrichtungen von Stadt, freien und kirchlichen Trägern sowie Tagespflegeplätze) zur Verfügung, der Versorgungsgrad liegt bei 43,3 Prozent. Ü3-Plätze gibt es insgesamt 1 382, was einem Versorgungsgrad von 93,5 Prozent entspricht.

Dies alles sind aber nur theoretische Werte, denn gleich mehrere Faktoren beeinflussen die Kapazitäten nachhaltig. Sind Kinder mit besonderem Förderbedarf in einer Gruppe, reduziert sich gemäß den rechtlichen Bestimmungen in dieser die Zahl der Plätze. Zum Jahresende 2020 konnten allein dadurch in der Stadt Langen 122 Krippen- und Kitaplätze nicht vergeben werden. Neue Standards oder aktualisierte Einschätzungen der Fachaufsicht des Kreises Offenbach führen in einigen Fällen zu Angebotsreduzierungen. Und schließlich sorgt wie allerorten fehlendes Fachpersonal dafür, dass Plätze nicht besetzt werden können. „Auf all das hat die Stadt Langen keinen oder nur geringen Einfluss“, sagt Erster Stadtrat Stefan Löbig. Aber es führt dazu, dass der tatsächliche Belegungsgrad Ende 2020 nur bei 84,9 Prozent (Ü3) beziehungsweise 40,5 Prozent (U3) lag.

Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz sei eine große finanzielle Herausforderung für die Stadt, sagt Bürgermeister Jan Werner. Lag das finanzielle Defizit der Stadt im Kita-Bereich nach Zahlung der Elternbeiträge und Landeszuschüsse im Jahr 2018 bei etwa zwölf Millionen Euro, so plant die Stadt für 2022 bereits mit einem Minus von 16,6 Millionen Euro und für 2025 mit rund 24 Millionen Euro. „Angesichts der Voranmeldeliste ist der geplante Ausbau der Kinderbetreuung dennoch alternativlos“, verdeutlicht der Bürgermeister die Lage. Schließlich richte sich der Rechtsanspruch der Eltern nicht nach der finanziellen Leistungsfähigkeit der Stadt.

Die Stadtverordnetenversammlung hat für etliche Maßnahmen zur Kapazitätserweiterung bereits Beschlüsse gefasst oder wird das demnächst tun. „Das zeigt, dass sich die Kommunalpolitiker den Herausforderungen, denen wir uns als wachsende Mittelstadt stellen müssen, sehr bewusst sind“, betont Werner. „Das alles wird uns viel Geld kosten, sowohl einmalig für den Bau neuer Kitas als auch dauerhaft für den Betrieb. Aber Kinderbetreuung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Gleichzeitig fordert der Bürgermeister jedoch eine deutlich höhere Beteiligung des Landes an den Betriebskosten. „Wenn uns die Landesregierung für die Schaffung von im Rhein-Main-Gebiet so dringend benötigtem Wohnraum lobt, darf sie uns bei den Folgekosten nicht alleine lassen. Die Kommunen in Hessen können das nicht länger stemmen“, macht Jan Werner klar.  red

Im Parlament

Der Bedarfs- und Entwicklungsplan Kinderbetreuung 2021-2028 steht am Donnerstag, 28. Oktober, zur Beschlussfassung im Stadtparlament an.

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