Strafbare Dateien nicht absichtlich abgespeichert

Kinderpornos aus Versehen heruntergeladen

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Langen - Ein Langener lädt aus Langeweile riesige Datenmengen im Internet herunter – darunter auch kinderpornografisches Material. Vor Gericht beteuert er nun, diese strafbaren Clips nicht bewusst auf seinen PC geladen zu haben. Richter Volker Horn meldet daran zwar gewisse Zweifel an, belässt es aber bei einer Geldstrafe. Von Cora Werwitzke 

53 Mediendateien mit kinder- oder jugendpornografischem Inhalt finden die Ermittler auf PC und Festplatten des 49-jährigen Angeklagten. Zwischen der Beschlagnahmung dieser Geräte und der Hauptverhandlung liegen gut vier Jahre – ein Anhaltspunkt, wie lange es gedauert hat, die tausenden Daten im digitalen Speicher-Fundus des Angeklagten zu sichten. Der gibt sich geläutert: Er habe unter „Sammelwut“ gelitten, wusste mit seinem Leben seinerzeit nichts anzufangen und habe „extrem viel“ Musik, Filme und mehr heruntergeladen – vieles davon freilich nie abgerufen. Dass er bewusst nach kinderpornografischem Material gesucht haben soll, bestreitet er.

Schon eingangs des Prozesses wird deutlich, dass für den Angeklagten einiges auf dem Spiel steht. Sein gut bezahlter Job stünde bei einer Verurteilung ab einem gewissen Grad auf der Kippe. Der verheiratete Angestellte betont, dass das seit Jahren schwebende Verfahren ihn dazu motiviert habe, einen Lebenswandel zu vollziehen, „gar nichts mehr im Internet herunterzuladen“ und sich Hobbys zu suchen, um seine Zeit sinnvoll zu nutzen.

Amtsrichter Horn hakt beim „unbeabsichtigten Herunterladen“ der Kinderpornos ein. Wie man sich das denn vorzustellen habe?, fragt er. Der Angeklagte schildert daraufhin, wie er mit so genannten Filesharing-Programmen per Stichwortsuche große Datenpakete ungefiltert herunterlud. „Sammeln ohne Hirn und Verstand“ nennt er das heute. Auch legales pornografisches Material war nach seinen Worten darunter. Zum Verhängnis sei ihm geworden, so der Angeklagte, dass Suchbegriffe teils Dateien zutage fördern, die dann ganz andere Inhalte haben.

Was bedeutet eigentlich Sicherungsverwahrung?

Sowohl die Staatsanwältin als auch Richter Horn bleiben skeptisch, gestehen dem Angeklagten aber zu, dass er sein Verhalten in der langen Zeit des schwebenden Verfahrens reflektiert zu haben scheint. „Dennoch sind 53 strafbare Dateien eine Menge“, konstatiert die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Ebenso wie ihr verteidigender Gegenpart beziffert sie eine Geldstrafe von knapp 6000 Euro als angemessen. Ein Straflevel, bei dem das Führungszeugnis sauber bleibt. Richter Horn urteilt, dass der 49-Jährige sein „bedingt vorsätzliches Handeln“ nicht abstreiten könne. Aber sein Geständnis, die gute Prognose und die bis dato weiße Weste des Angeklagten bewahren ihn vor einer höheren Sanktion. Neben der Geldstrafe in genannter Höhe hat der Langener auch die Verfahrenskosten zu tragen.

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