Kinoeröffnung am 3. Oktober

In der Lichtburg den Turbo zünden

Blockbuster und Kunst – die Mischung macht’s
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Bruno Ugazio ist der neue Betreiber des Lichtburg-Kinos. Am 3. Oktober ist Wiedereröffnung.

Langen - Er ist – wie er sagt – von einer unheilbaren Krankheit befallen: „Ich bin cinephil“, sprich der Filmkunst verfallen. Nun hat Bruno Ugazio die Lichtburg übernommen. Und er sorgt dafür, dass in Langen nach nur fünf Wochen ohne Kino wieder Filme über die Leinwand flimmern.  Von Markus Schaible

Den Auftakt macht – und das zeigt schon, wo der Schweizer das Kino positionieren will – ein Familienfilm: Am Donnerstag, 3. Oktober, geht es um 11.15 Uhr los mit „Turbo – Kleine Schnecke, großer Traum“, dem neuesten Hit aus der Animationsschmiede Dreamworks („Shrek“, „Madagascar“). Am Abend des Tags der Deutschen Einheit läuft dann „Feuchtgebiete“, die Verfilmung des Skandal-Bestsellers von Charlotte Roche. Blockbuster und Kunst, diese Mischung soll die Langener in das Kino in der Bahnstraße 73b ziehen.

Der 59-Jährige ist dem Kino verfallen, seit er als 14-Jähriger eine Kamera geschenkt bekam. Eigentlich wollte er auch Kameramann werden, doch dann zog es ihn in die Kinobranche. Von 1986 führte er das Kino Sputnik in Liestal (Kanton Basel-Land) mit 42 Plätzen, wechselte dann in einen Großbetrieb, in dem er sich vom Vorführer zum stellvertretenden Geschäftsführer hocharbeitete. Nach dem Aufbau des Liberty Cinemas in Weinfelden (Thurgau) kam Ugazio 2003 nach Deutschland, leitete verschiedene Kinos, ehe er in Kitzingen bei Würzburg ein kleines Haus übernahm, nach dem Tod des Immobilienbesitzers aber aufgeben musste.

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Doch der Wunsch, wieder ein Kino zu führen, blieb – und so wurde der Schweizer hellhörig, als er in einem Filmvorführerforum im Internet den Link zu einem Artikel unserer Zeitung über die Schließung der Langener Kinos fand. Er nahm Kontakt mit den Besitzern beider Kinoimmobilien auf – mit den Eigentümern der Lichtburg (eine Erbengemeinschaft) wurde er sich recht schnell einig. „Es ist durch die zwei Säle auch das interessantere Haus.“

Natürlich sei der Zustand des Hauses „nicht optimal“, aber Ugazio ist sich sicher: „Das bekommen wir hin.“ Die Eigentümer stehen voll hinter dem Projekt, betont er: „Das ist einzigartig, das habe ich so noch nie erlebt. Sie wollten von Beginn an, dass es ein Kino bleibt.“ So habe die Erbengemeinschaft seinem Vorgänger die Einrichtung abgekauft, habe ihm ein Darlehen gewährt und sei ihm mit der Miete entgegengekommen.

Das Kino könne erfolgreich betrieben werden, ist er sich sicher: „Ich habe verbindliche Angaben über die Zuschauerzahlen von 2012“, berichtet Ugazio: „Man kann dieses Haus führen.“ Dass er dies selbst macht, ist für den Eidgenossen klar: „Ich werde jeden Abend an der Kasse stehen.“ Vorerst wird in der Lichtburg nur der große Saal in Betrieb gehen, im kleinen sind noch Sanierungsarbeiten erforderlich. Und vorläufig flimmern auch noch analoge Filme über die Leinwand, doch die Zuschussanträge bei der Filmförderung für die Umstellung auf Digitaltechnik sind gestellt. „Ich hoffe, dass noch im Oktober eine Entscheidung fällt.“

Mit im Boot sind übrigens etliche Mitarbeiter, die schon früher im Kino tätig waren. Ab Sonntag wird gemeinsam „geputzt und dekoriert“, damit am Vorabend des Eröffnungstags eine „Re-Opening-Party“ mit geladenen Gästen aus Wirtschaft und Vereinsleben steigen kann. Die Preise werden sich auf dem bisherigen Niveau bewegen, kündigt Ugazio an: Erwachsene zahlen montags bis donnerstags fünf, freitags bis sonntags sieben Euro, Kinder drei/fünf, Schüler (ab 13), Studenten, Azubis, Rentner und Behinderte vier/sechs. Sobald digital gespielt wird, erhöht sich der Eintritt jeweils um einen Euro.

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Große Erwartungen setzt der Schweizer auch auf die Zusammenarbeit mit der Stadt. Er habe schon „ein gutes Gespräch“ mit Langens Kulturmanager Joachim Kolbe geführt, berichtet er. Wobei er als erstes einen kleinen Wunsch an die Stadt hat: Um eine Schankerlaubnis für alkoholische Flaschengetränke zu erhalten, benötigt er ein Führungszeugnis – bis das aus der Schweiz in Langen vorliegt, wird es noch etwas dauern. „Eine Übergangsgenehmigung wäre gut“, sagt Ugazio. Und dann hofft er natürlich, dass die Langener sein Angebot auch nutzen. Wobei es langsam anlaufen werde. Sein Ziel: „Wir wollen ein Erlebniskino sein mit vielen Aktionen.“

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