Status quo nach der Hauptvergabe

Kita-Plätze: Stadt kann nur begrenzt Hoffnung machen

Langen - Die erste Vergaberunde 2016 für Kitaplätze ist gelaufen. 370 Zusagen hat die Stadtverwaltung dieser Tage versendet. Von Cora Werwitzke

Der reguläre Wechsel nach den Sommerferien, wenn durch den Schulantritt der ältesten Kita-Kinder neuer Platz entsteht, kann aber nicht darüber hinweg helfen, dass auch im Verlauf dieses Jahres wieder viele Familien ohne Krippen- und Kitaplatz dastehen werden. „Gut die Hälfte der wartenden Eltern erhält dieser Tage einen positiven Bescheid“, lautet die Nachricht aus dem Rathaus. Der Fachdienst Kinderbetreuung hat 55 Zusagen für Ein- bis Dreijährige und 315 für Kindergarten-Plätze verschickt. Sollten alle Familien die Angebote annehmen, rechnen die Verantwortlichen vor, „reduzieren sich die Voranmeldungen um mehr als 50 Prozent“.

Die schlechte Nachricht ist, dass diese Rechnung in erster Linie den regulären Wechsel im Sommer abbildet: Wenn der älteste Kita-Jahrgang nach den großen Ferien in die Schule geht, entstehen bis in die Krippen hinein wieder Kapazitäten. Die Anzahl von Familien, die durch diesen Automatismus einen Platz bekommen, ist aus der viel zitierten Warteliste aber schon von vornherein herausgerechnet. Nach Angaben der Verwaltungsspitze warten deshalb weiterhin „etwa 120 Krippen-Kinder und 160 Jungen und Mädchen im Alter von drei bis sechs Jahren auf positive Nachrichten aus dem Rathaus“.

Das Wörtchen „warten“ bedarf in diesem Zusammenhang allerdings ebenfalls einer Einordnung. Aus Sicht von Bürgermeister Frieder Gebhardt sei es sinnvoller, von einer Voranmelde- als von einer Warteliste zu sprechen. „Denn unter den aufgeführten Namen sind etliche Kinder, die frühzeitig angemeldet worden sind, aber das entsprechende Alter noch gar nicht erreicht haben.“ Fachdienstleiterin Sandra Wettlaufer ergänzt, dass dies daran ersichtlich wird, dass angebotene Plätze von Eltern häufiger abgelehnt werden. „Die Zahl der wirklich Wartenden relativiert sich in diesem Zusammenhang“, vergegenwärtigt Gebhardt.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Für einen Vater, dessen Familie im zweiten Jahr zum zweiten Mal leer ausgegangen ist, ein schwacher Trost: 2015 konnte Fredi Ruths mit der Absage für seine Tochter noch leben, schließlich wurde sie erst im Dezember drei Jahre alt. Aber bleibt’s bei der Abfuhr dieses Jahr, sieht der Vater schwarz: „Meine Tochter hat das Pech, in eine Familie hineingeboren zu sein, die mit mir als Rentner und meiner nicht berufstätigen Frau eine extrem niedrige Punktzahl im Vergabesystem bekommt. Sie wird auch 2017, mit gut viereinhalb Jahren, keine Chance haben.“ Ohne Zweifel ein Extremfall – das weiß man auch im Rathaus: „Leider müssen wir an dieser Stelle Familien mit höherem Betreuungsbedarf bevorzugen“, beruft sich Gebhardt auf die Vergabekriterien.

Mit der aktuellen Hauptrunde ist das Jahr allerdings noch nicht gelaufen: Nachdem die nun angeschriebenen Eltern Rückmeldung gegeben haben, werden Ende April nicht angenommene Plätze vergeben. Im Mai/Juni lässt sich ferner abschätzen, wie viele zusätzliche Plätze durch den Schulantritt von „Kann-Kindern“ entstehen. Wie vielfach berichtet, ist vor allem der Erziehermangel Auslöser des Langener Kita-Engpasses. Etwas Entlastung soll der Betriebsstart einer privaten Kita schaffen, die der Verein „nanus“ mit Unterstützung der Stadt eröffnet. Dort werden 48 Ü3-Kinder unterkommen. Die Betreuung soll noch dieses Jahr in der Robert-Bosch-Straße losgehen.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare