Neu strukturierte Theater-IG der Dreieichschule

Klassiker erfolgreich entstaubt

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Julia (Tess Maurus, links) und Romea (Jessica Spelten, rechts) begegnen sich beim Maskenball zu ersten Mal. Die Variante mit zwei weiblichen Hauptfiguren ist nur eine der Neuerungen, die die Theater-IG dem Shakespeare-Klassiker verpasst hat.

Langen - Keine Nachtigall, keine Lerche, ja, nicht einmal ein Romeo – und trotzdem ist das auf der Bühne zweifelsohne Shakespeares berühmter Klassiker um das tragische Liebespaar. Von Sina Beck 

Die Theater-IG der Dreieichschule hat sich den Fünfakter zur Brust genommen und daraus die Komödie „Romea und Julia“ gemacht, die sich nur sehr frei an ihrer dramatischen Vorlage orientiert. Zugegeben, bei abendlichen Temperaturen von 30 Grad Celsius ist das Petrus-Gemeindehaus nicht unbedingt die erste Anlaufstelle an diesem Mittwoch. Dennoch ist der Anblick der menschenleeren letzten Reihen einer Theater-IG-Aufführung für gewöhnlich nicht würdig. Vielleicht ist es der ungewohnte Veranstaltungsort, der aus Terminschwierigkeiten eben ausnahmsweise nicht die Stadthalle ist. An der neuen Struktur des Schülertheaters sollte es jedenfalls nicht liegen. Nachdem er vergangenes Jahr in den Ruhestand ging, stand es in den Sternen, ob Thomas Sturmfels als Herzstück der Theater-IG weitermacht. Aber wie sagt man so schön: Er kann’s nicht lassen und hat sich mit TikS-Kollegin Sylvia Hofrock zusammengetan, um sein 1979 gegründetes Projekt fortzuführen. Neben den beiden Regisseuren stehen nun nicht nur jetzige Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums auf der Bühne, sondern haben sich auch Ehemalige für die jüngste Produktion angeschlossen.

Diese wartet neben der geschlechterspezifischen Umgestaltung der einst männlichen Hauptfigur noch mit anderen Überraschungen auf, denn neben dem Sprung in ein anderes Genre wurde der Klassiker entstaubt und modernisiert. Schmachtende Liebesszenen werden überspitzt ad absurdum geführt – die schicksalhafte Begegnung zwischen Romea (Jessica Spelten) und Julia (Tess Maurus) wird übertrieben kitschig mit Céline Dions „My Heart Will Go On“ musikalisch unterlegt – oder es kommen gleich ganz frische, neue Dialoge zum Tragen, die augenzwinkernd mit der Historie des Textes spielen („Jetzt benehmt euch mal nicht so als lebten wir noch im Mittelalter!“).

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Die 16-köpfige Theatergruppe harmoniert dabei wunderbar und die bereits gesammelte Schauspielerfahrung manches Jungdarstellers lässt keine Unsicherheiten aufkommen. Roya Hadji gibt eine erfrischend vorlaute Amme, Tim Bischoff einen wunderbar schmierigen und wehleidigen Graf Paris („Stirbt sie mir einfach weg. Immer hab ich so ein Pech!“) und Katrin Greschner mimt souverän die Nonne Lorena – als Pendant zum Mönch Lorenzo. Gerade die dramatischen Auseinandersetzungen und amourösen Elemente werden mit Vorliebe durch den Kakao gezogen: So wird das Scharmützel zwischen Theodora (Katrin Wildemann) alias Tybalt und Mercutia (Jessica Nörtemann) alias Mercutio nicht mit Schwertern, sondern Fingernägeln ausgetragen. Und in ihrer Hochzeitsnacht macht sich Julia nur über eines Gedanken: „Hoffentlich gefällt ihr meine Unterwäsche.“

Einen Klassiker zu modernisieren ist heutzutage zwar nichts Ungewöhnliches mehr, doch einen weiblichen Romeo sieht man definitiv nicht alle Tage. Der gewagte Schritt, die Figur konsequent als Frau anzulegen statt einfach eine Darstellerin als Mann zu verkleiden, ist der Theater-IG gut gelungen. Und siehe da: Keine Verwirrung, kein voreilig geschlucktes Gift – bei den Frauen klappt es dann auch mit dem Happy End.

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