In kleinen Schritten zum großen Ziel

Langen - Bürgerversammlung zum Stadtumbau

Langen Es war gegen Ende der Veranstaltung, als Jörg Wehrmann von der Frankfurter Planergruppe ASL die schwer zu widerlegende Schlussfolgerung zog: „Es allen zu jeder Zeit recht zu machen ist leider unmöglich.“ Fast 180 Langener waren am Dienstagabend ins Rathaus gekommen, um zu erfahren, wie Langens Stadtmitte fit für die Zukunft werden soll. Über allem steht, das machten Planer und Fachleute aus der Verwaltung deutlich, die Steigerung der Aufenthaltsqualität. Das Echo aus den Reihen der Zuhörer fiel überwiegend positiv aus.

Weniger Autos und mehr Raum für Geschäfte, Fußgänger und Radfahrer in der oberen Bahnstraße, ein Einkaufszentrum als Magnet, der Lutherplatz ohne Kreisel als Fläche mit hoher Aufenthaltsqualität, eine aufgepeppte Romorantin-Anlage für Feste und als Standort für den Wochenmarkt – mit Mitteln aus dem Förderprogramm „Stadtumbau in Hessen“ hat Langen die Chance, seine Haupteinkaufsstraße für die nächsten Jahrzehnte konkurrenzfähig zu machen.

„Das ist ein schmerzhafter Prozess, denn man muss den Finger in die Wunde legen“, sagte Wehrmann. Und Defizite, so der Planer, gebe es in Langen genügend. Als Beispiele nannte er die Leerstände, zu kleine Verkaufsflächen und zu geringe Umsätze im Einzelhandel. Damit die Langener nicht länger einen Teil ihres Geldes in anderen Kommunen ausgeben, soll die „geheime Einkaufsstraße für Auswärtige“ (Wehrmann) attraktiver werden. Das Büro ASL hat ein Fünf-Stufen-Konzept entworfen, dessen erster Schritt die Beseitigung der Parkplätze in der oberen Bahnstraße ist – von einer Handvoll Behindertenparkplätze abgesehen. Das lässt vor allem den Adrenalinausstoß von Einzelhändlern steigen. „Wir wissen, dass es riesige Widerstände gibt. Diese Ängste müssen wir ernst nehmen“, sagte Wehrmann. Alle in erster Reihe wegfallenden Parkplätze würden kompensiert, zum Beispiel in der Taunusstraße. Durch die geplanten Parkspangen in den Höfen sollen sogar zusätzliche Stellplätze entstehen. Dazu müssen die Eigentümer mitspielen und ihre Höfe zur Verfügung stellen.

Statt suchend hoch und runter zu fahren, sollen die Kunden „gezielt“ parken. Dadurch könnten die Kfz-Bewegungen erheblich reduziert werden. „Im Moment haben wir einfach zu viele Autos dort. Das macht es unmöglich, gute Ideen zu realisieren“, ergänzte Wehrmann.

Von den Besuchern, die sich zu Wort meldeten, waren die meisten durchaus angetan. „Die Vorplanung beeindruckt mich positiv, weil sie die Lebensqualität erhöht“, lobte Ernst Ehrenberg und regte die Einführung von umweltfreundlichen Pendelbussen an. „Ich bin leidenschaftliche Radfahrerin und dafür, dass es wieder einen Radweg geben sollte“, erklärte Regine Hoppe. Die Gestaltung des Straßenraums sei noch völlig offen. Man favorisiere aber ein gleichberechtigtes Nebeneinander aller Verkehrsteilnehmer, antwortete Wehrmann.

Zustimmend äußerte sich Jürgen Stahl, den das Zeitfenster interessierte. Stadtplaner Hajo Wystrach wollte sich nicht exakt festlegen, auch weil das Ministerium erst im Herbst über den Langener Antrag entscheiden werde. „Wenn alles gut geht, könnte im Sommer 2010 abschnittsweise mit dem Umbau der Straße begonnen werden.“ Einzelne Maßnahmen könnten nämlich vorab genehmigt werden.

Dass die Parkplatzfrage vielleicht gar nicht so entscheidend ist, machte der Beitrag von Gerhard Armer deutlich. „Wenn man nach Frankfurt fährt, muss man auch zentral parken und dann laufen. Man macht’s aber, weil man in Langen das Angebot nicht findet.“

Von einem „interessanten“ Konzept sprach Wolfgang Ott, der die Ist-Situation als „katastrophal“ bezeichnete, auch weil es keinen Lebensmittelmarkt mehr in der oberen Bahnstraße gibt. Paul Kletzka, früherer Stadtplaner im Rathaus, findet die Ideen zwar gut, „aber für Langen zwei Nummern zu groß.“ „Das ist eine große Nummer“, räumte Hajo Wystrach ein. „Aber in der Bahnstraße kann es nicht schlechter werden als bisher.“

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