ganz Langen 

Der Kochbuch-Oscar geht  an ...

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Das Langener Kochbuch macht international Karriere. Autor Evert Kornmayer (links) und Bürgermeister Frieder Gebhardt nahmen gestern von Thierry Bertman den „Gourmand World Cookbook Award“ entgegen.

Langen - Das hat es in der langen Geschichte des „Gourmand World Cookbook Awards“ noch nicht gegeben: Erstmals vergibt die mit weltweiter Kochkompetenz gesegnete Jury eine ihrer hoch angesehenen und folglich heiß begehrten Auszeichnungen an eine komplette Stadt – und die heißt wahrhaftig Langen! „Schuld“ daran sind das Ende 2017 veröffentlichte Langener Kochbuch und seine Macher. Von Holger Borchard

Joachim Bentrup hat die Idee zum Langener Kochbuch gehabt. Er stand diese Woche mit Evert Kornmayer vor der Kamera des Hessenfernsehens, das am 1. Dezember einen Film zum Thema ausstrahlen wird.

Irgendwann im Sommer gab ein Park im chinesischen Yantai, es liegt gar nicht weit weg von Peking, die großzügig-grandiose Freiluftkulisse für eine Zeremonie, die Jahr für Jahr Feinschmecker und Sterneköche aus aller Welt anzieht – um nicht zu sagen: in Ekstase versetzt. Die Prämierung der Gewinner des „Gourmand World Cookbook Awards“ durch den gleichnamigen Fachverband um den schillernden Gründer und Präsidenten Edouard Cointreau gilt als Ritterschlag, als Verleihung des Adelstitels im Koch-Kosmos. Und mit Blick auf die alljährliche Flut neuer Publikationen darf man konstatieren: Das Koch-Genre dehnt sich aus wie das reale All.

Dass im weit entfernten Reich der Mitte vor Branchengrößen aus geschätzt 150 Nationen – kraft Mitgliedschaft bei den Welt-Gourmanden hätten es maximal 215 Landesvertreter sein können – ausgerechnet das kleine Langen einen großen Auftritt hinlegt, ist dem (Koch-)Buchautor und -verleger Evert Kornmayer sowie Joachim Bentrup, Inhaber des Geschäfts Bentrup Tee & mehr in der Bahnstraße, zu verdanken. Das Duo hatte im Frühjahr 2017 sein Buchprojekt über die Langener Küche gestartet. Die Bitte an alle Bürger, zu treuen Händen überlieferte Rezepte, Kochbücher, kulinarische Anekdoten sowie Memorabilien aller Art im Laden an der Bahnstraße abzugeben, mündete in mehrere Kisten wertvollen Rohmaterials. Dieses formte Kornmayer zu einer mehr als 300 Seiten und 250 Rezepte umfassenden Sammlung, die nicht nur zur Herstellung regionaler Küchenklassiker anleitet, sondern das Ganze in Geschichte und locker-flockige Geschichtchen hüllt, auf dass es wunderbar nach Lokalkolorit duften möge.

Das Buch ist so gut gelungen und bei den Langener angekommen, dass seit Erscheinen im November schon annähernd 1 000 Exemplare verkauft worden sind und somit auch die zweite, leicht überarbeitete und erweiterte Auflage bereits so gut wie vergriffen ist. Dass man sogar international darüber stolpert und bei Rezipienten unterschiedlichster Kulturkreise bloße Neugier in blanke Begeisterung umschlägt, erklärt die Preiswürdigkeit. „So etwas haben wir vorher noch nicht in den Händen gehalten“, gibt Thierry Bertman, Mitglied der Jury um Edouard Cointreau, die ersten Reaktionen wieder. „Die Jury hat sich daraufhin entschlossen, einen Sonderpreis zu vergeben für die famose Idee, so einen Schatz zu schaffen, der das Kochwissen vieler Generationen einer Stadt von der Vergangenheit bis in die Moderne abbildet.“ Letztlich schäle das Langener Kompendium auf diese Weise den Kern des Kochens heraus, „die Quintessenz, die Menschen über Landesgrenzen hinweg verbindet“, wie Bertman formuliert. „Da wirkt dann die Ur-Weisheit: Wer gut kocht, kann ein so schlechter Mensch nicht sein.“

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Gestern hat Bertman die Siegerurkunde, die er zunächst stellvertretend in China entgegengenommen hat, offiziell im Rathaus an Bürgermeister Frieder Gebhardt überreicht. „Wir werden ihr einen Ehrenplatz freiräumen – alle Langener können sie ab sofort im Rathausfoyer bewundern“, verspricht Gebhardt.

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