Konrektorin Martina Beuth-Dudek geht nach 24 Jahren in den Ruhestand

Verfechterin des grünen Schulhofs

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Für Martina Beuth-Dudek war ihr Job mehr als das Organisieren des Stunden- und Vertretungsplans: Der Konrektorin der Albert-Schweitzer-Schule in Oberlinden liegen vor allem die Kooperation mit der Korczak-Schule und der Schulgarten am Herzen.

Langen - Ob das Inklusionsprojekt mit der Korczak-Schule, spannende Projektwochen oder Verschönerungen auf dem Schulhof – Martina Beuth-Dudek hat die Albert-Schweitzer-Schule entscheidend mitgeprägt. Nun geht die Konrektorin nach 24 Jahren in den Ruhestand. Von Julia Radgen 

„Ich wollte nie an eine andere Schule gehen“, sagt Martina Beuth-Dudek über die Albert-Schweitzer-Schule (ASS). Für die scheidende Konrektorin ist die Grundschule in Oberlinden eine „außergewöhnliche“ Bildungseinrichtung. „Das liegt vor allem am Miteinander hier.“ Sowohl den Zusammenhalt im Kollegium als auch mit den Eltern erachtet die 62-Jährige als besonders gut. „Wir haben engagierte Eltern, die wir auch mit ins Boot holen.“
Zum Beispiel für die Rechte und Pflichten von Kindern, Eltern und Lehrern, die im Schulflur hängen und teils als Holzkunstwerken am Schulzaun angebracht sind. Sie wurden im Rahmen des Projekts „Demokratie lernen und leben“ der Bund-Länder-Kommission gemeinsam erarbeitet, das 2003 an fünf hessischen Grundschulen eingerichtet wurde. „Wir wollten keine typische Schulordnung mit Verboten“, erklärt Beuth-Dudek. Es sei ein langer Prozess gewesen, bis der Katalog erstellt war. „Aber wir sind damit immer gut gefahren, weil die Regeln von allen getragen werden“, sagt die Konrektorin.

Ebenfalls ein langer Prozess war die Entwicklung der Schweitzer-Schule zur Ganztagsschule, die 1994 begonnen hat – in dem Jahr, in dem Beuth-Dudek an die Schule kam. Damals wollte sie, von Haus aus Gymnasiallehrerin, Englisch und Politik unterrichten. Aber an der ASS wurde gerade jemand gesucht, der Kindern von Spätaussiedlern aus Kasachstan Deutsch beibringt. „Sie waren acht, neun Jahre alt, aber noch nie in der Schule gewesen“, erinnert sich Beuth-Dudek. Sie übernahm die Aufgabe zunächst freiberuflich und half danach jahrelang aus. Schnell wurde ihr klar, dass sie „am richtigen Platz“ ist.

Als dann die Konrektorenstelle ausgeschrieben wurde, witterte Beuth-Dudek ihre Chance. Doch im Gegensatz zu heute – da Gymnasiallehrer sogar ermutigt werden, auf die Grundschule zu wechseln – gab es früher Hürden beim Wechsel ins andere Schulsystem. Weil sich die damalige Rektorin Wulfhild Schwietzer aber für sie einsetzte, wurde es etwas mit der festen Stelle.

Schließlich arbeitete Beuth-Dudek ab 2005 als Konrektorin mit Schwietzer und seit 2011 mit Rektorin Barbara Busch zusammen. 2009/2010 war sie sogar kommissarische Leiterin. „Eine anstrengende Zeit“, bekennt Beuth-Dudek, in der aber ihr Lieblingsprojekt entstand: Seither hat eine Klasse der Janusz-Korczak-Schule ihren Platz an der Grundschule. „Was immer an gemeinsamem Lernen möglich ist, machen wir“, sagt sie. Im Gegensatz zu „von oben“ verordneter Inklusion sollen sich die Schüler selbstverständlich begegnen. „Wir haben mit dieser Kooperation tolle Erfahrungen gemacht.“ Die geistig-behinderten Kinder schauen sich etwas von den Schweitzer-Schülern ab, die von klein auf das Miteinander lernen. Eine weitere Kooperation unterhält die ASS mit der Seniorenhilfe: 24 Langener werden mit Schülern kreativ oder lesen ihnen vor.

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Neben den Stunden- und Vertretungsplänen organisierte Beuth-Dudek, die am Mittwoch offiziell verabschiedet wird, auch die Projektwochen, rund um Comics, Star Wars oder Miethühner. „Das sind besonders schöne Erinnerungen“, sagt sie. Besonders am Herzen liegen ihr aber der Schulhof und die Bepflanzung. „Ich habe immer für das Schulgelände gekämpft und dafür, dass nicht alles sinnlos abrasiert wird.“ Jüngstes Beispiel dafür ist der Dino, der im Sommer aus einem „geretteten“ Kirschbaum gestaltet wurde. Der grüne Außenbereich kommt auch der Garten-AG zugute. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen erachtet die Pädagogin diese – genauso wie Textiles Gestalten und Werken – als wichtig für die Schüler. „Einige haben sich nicht mal getraut, Erbsen aus dem Garten zu essen“, sagt sie. So hinterlässt die Ruheständlerin auf dem Schulhof ihre deutlichsten Spuren. „Was hier an Blumen blüht, ist garantiert von mir“, sagt sie schmunzelnd.

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