Korbjagd im Frauenknast als Herausforderung

Langen ‐ Ab in den „Frauenknast“: Dieser Gang steht den Bundesliga-Basketballerinnen der Rhein-Main Baskets demnächst bevor. Allerdings hat er weder mit einer Gefängnis-Seifenoper zu tun noch ist er als Drohung zu verstehen, falls die Hofheim-Langener Spielgemeinschaft die angepeilte Erstliga-Playoffrunde verpassen sollte. Von Holger Borchard

Vielmehr lässt die Mannschaft sich aus freien Stücken auf ein nicht alltägliches Experiment ein, das sie direkt nach Preungesheim in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Frankfurt III führen wird. Hintergrund ist eine neue strategische Kooperation mit Lotto Hessen, die nicht zuletzt auf soziales Engagement abzielt.

Regelmäßige Trainingseinheiten im Rahmen des JVA-Sportprogramms, gemeinsame Sportaktionen und eine Podiumsdiskussion rund um die Themen Schule, Ausbildung und Leistungssport: Diese konkreten Inhalte der „Knastbesuche“ sind bereits fix vereinbart worden. „Wir sind natürlich gespannt, was uns erwartet, denn wir betreten absolutes Neuland“, bekennt Mannschaftsführerin Nelli Dietrich. „Aber wir freuen uns schon drauf.“ Von dem Projekt, das in erster Linie Insassinnen im Alter von 17 bis 24 Jahren erreichen soll, erwarten Dietrich & Co, „dass wir jungen Frauen in unserem Alter positive Denkanstöße vermitteln können“.

Ein Weilchen Zeit wird allerdings noch vergehen, bis es so weit ist, schließlich beginnt für die Rhein-Main Baskets nun die heiße Zeit ihres „Hauptgeschäfts“ – des Liga-Spielbetriebs. Die Planung zielt darauf ab, dass es Mitte oder Ende März losgeht“, verrät Konrad Delp, Präsident der Rhein-Main Baskets und Leiter der TVL-Basketballabteilung. Seitens der JVA werde die Idee jedenfalls sehr begrüßt. „Das verspricht Abwechslung, die von den Insassinnen gerne angenommen wird“, hat Delp bei einem ersten Besuch vor Ort erfahren. „Es gibt dort feste Stundenpläne, in die wir den Basketball einfügen werden. Als Erstes wird unsere Athletiktrainerin Gaby Lange ein regelmäßiges, den Körper stabilisierendes Training leiten, das bereits mit den Sportlehrern der JVA abgestimmt worden ist.“

Für die weiteren Aktionen bis hin zur Podiumsdiskussion müssen die Weichen erst noch gestellt werden, doch Konrad Delp unterstreicht bereits heute: „Wenn es nach uns geht, möchten wir mit unserem neuen strategischen Partner, der ja vielfältig den Sport in Hessen fördert, länger zusammenarbeiten als die zunächst vereinbarten vier Monate.“ Das Projekt mit Lotto und der JVA sei aus Sicht der Rhein-Main Baskets weit mehr als ein Werbegag. „Wir hoffen, da gemeinsam richtig was in Bewegung bringen zu können“, erklärt der Präsident, wohl wissend, dass zunächst hüben wie drüben gilt: „Das ist alles neu. Wir müssen jetzt einfach erst mal unsere Erfahrungen sammeln.“

Wie es laufen kann, zeigt das Vorbild der bereits seit 2007 bestehenden Kooperation zwischen der Lottogesellschaft und den Skyliners. Die Bundesliga-Basketballer aus Frankfurt setzen sich unter dem Motto „Eine Sprache, viele Chancen“ für Migranten ein. Das Ziel lautet: bessere Integration durch Förderung der Deutschkenntnisse.

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