Frustrierte Eltern demonstrieren auf dem Jahn-Platz

Krach machen für Kitaplätze in Langen

Mächtig was los auf dem Jahn-Platz: Rund 100 Teilnehmer verzeichneten die Organisatoren der Kitalos-Demo.
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Mächtig was los auf dem Jahn-Platz: Rund 100 Teilnehmer verzeichneten die Organisatoren der Kitalos-Demo.

In Langen haben sich am Donnerstagabend rund 100 Menschen bei einer Demonstration der neu gegründeten Elterninitiative „Kitalos Langen" für mehr Betreuungsplätze stark gemacht.

Langen – „Kitalos = Arbeitslos“, „Langen, jetzt langt’s!“ und „Tut mir leid, Schatz, aber ein Kitaplatz ist Luxus“ steht auf den Schildern, die Eltern hochhalten. Viele haben ihren Nachwuchs mitgebracht, der in der Mitte zwischen den kreisförmig stehenden Teilnehmern herumtobt, trötet und rasselt. Manche Kids tragen auch Plakate, die ihre Eltern geschrieben haben. „500 Kinder auf der Warteliste? Peinlich!“, steht auf dem Pappschild, das ein kleines, blondes Mädchen in die Höhe reckt – und sich damit direkt vor Bürgermeister Jan Werner postiert.

Der hat teilweise Mühe, gegen den Krach anzureden. Denn nach kurzer Einführung durch Stephanie Pinke von der Elterninitiative Kitalos, die die Demo auf dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Platz organisiert hat – unmittelbar vor der Stadtverordnetenversammlung, die am Donnerstagabend in der TV-Halle tagt –, redet erst mal der Bürgermeister. „Wir können das Problem nur gemeinsam lösen und nur mit Transparenz“, sagt Jan Werner. Passend zu diesem Stichwort verteilt der unabhängige Verwaltungschef Lesestoff: einen Überblick über die Entwicklung der Voranmelde-Zahlen – aktuell sind demnach 198 Krippen- und 271 Kitakinder ohne Betreuungsplatz – und einen dreiseitigen Sachstandsbericht zu geplanten und möglichen Projekten. „Fast 500 Kinder auf der Warteliste, das ist natürlich eine Schande!“, betont Werner. Aber die über viele Jahre aufgebaute Liste sei nun mal nicht innerhalb von ein bis zwei Jahren abgearbeitet.

Viele Eltern hatten ihre Kinder und bunte Schilder zur Demonstration mitgebracht. 

Ein Demonstrant ruft, die Verwaltung hänge dem Bevölkerungswachstum immer hinterher. „Die Stadt hat sich damit selbst in Geiselhaft genommen!“, meint der Mann. Darauf Werner: „Wir haben natürlich das Problem, dass wir Baugebiete ausgewiesen haben, ohne ausreichend Betreuungsplätze zu schaffen.“ Doch in der Vergangenheit zu bohren – diese Entscheidungen hätten ja seine Amtsvorgänger getroffen – bringe nichts mehr. „Wir müssen jetzt in die Zukunft sehen!“, so der Bürgermeister.

75 neue Plätze politisch auf den Weg gebracht

Daher habe der Magistrat den Stadtverordneten mehrere Optionen vorgelegt. „Wenn die politischen Mehrheiten dafür zustande kommen, haben wir im Herbst 75 neue Plätze“, so Werner. Auch bereits Geplantes gehe gut voran, wie die Kita „Terminal for Kids“ an der Klinik, die wohl zum Herbst 2021 den Betrieb aufnehmen könne, und die Kita Altes Forsthaus, die kurz vor dem Start stehe. Kapazitätserweiterungen prüfe der Fachdienst stetig, auch für weitere Waldgruppen. Generell sei es aber nicht leicht, ein passendes Grundstück für eine Kita zu finden – und dann bleibe die Träger- und Personalsuche, beschreibt Werner Hürden.

Zum Schluss ergreift noch einmal Stephanie Pinke von der Elterninitiative das Wort: „Wir wünschen uns von den Abgeordneten, dass sie der Betreuungssituation eine große Priorität geben“, sagt die Langenerin in Hinblick auf die anschließende Parlamentssitzung. Die Elterninitiative solle Sprachrohr für die Kinder sein und Netzwerk für die Eltern. „Wir haben nach der Gründung gemerkt, dass wir nicht allein sind mit dem Betreuungsproblem“, so die Mutter. Einen konkreten Wunsch an die Politiker formuliert sie auch: „Wir wollen, dass bestehende Konzepte für neue Kitas schnellsmöglich umgesetzt und Gruppen ausgebaut werden“, sagt Pinke, bevor der Jahn-Platz noch einmal vom Lärm der Rasseln, Tröten und Ratschen erfüllt ist – während die letzten Stadtverordneten zur Sitzung in die Halle eilen.

Von Julia Radgen

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