Kreativ für die Stadt, den guten Zweck und vieles mehr

Künstler aus sieben Nationen sind die Art People 

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Bunter Haufen mit Auszeichnung: Die jährliche Art-Promenade in der Romorantin-Anlage ist ihr Aushängeschild, darüber hinaus belebt die Langener Künstlergrupper Art People die Kunstszene der Sterzbachstadt auf vielfältige Weise. 2016 erhielt sie dafür den kulturellen Förderpreis der Stadt.  

Langen - Sie selbst nennen sich schlichtweg einen „bunten Haufen“. Und tatsächlich: von hierarchischen Strukturen keine Spur. Von Sina Beck 

Dass die dynamische Gruppe dennoch funktioniert, davon zeugt das künstlerisch geprägte Stadtbild ebenso wie der kulturelle Förderpreis der Stadt, der 2016 an sie vergeben wurde. Die Rede ist natürlich von der Künstlergruppe Art People.
Zuletzt waren es die bunt bemalten Holzstelen zur Osterzeit, doch auch mit winterlichen Eisblumen in der Bahnstraße oder kreativ gestalteten Stromverteilerkästen verschönern sie die Stadt und sind längst über deren Grenzen bekannt. Aber ihr Aushängeschild ist und bleibt die jährliche Art Promenade, die bald zum sechsten Mal in der Romorantin-Anlage zum Flanieren einladen wird – natürlich wie jedes Jahr mit neuem Motto. „Das machen wir so nebenbei“, wird augenzwinkernd gescherzt, schließlich dauern die Vorbereitungen, darunter neue und alte Künstler aus der Umgebung zu gewinnen, ein halbes Jahr.

„Nebenbei“ läuft die Organisation, weil die Art People auch sonst sehr umtriebig sind: Art Brunch in der Stadthalle, Langener Salon der Kunst in der Schererhalle und im Alten Rathaus oder die ungewöhnliche Gruppenausstellung im Rewe Center Egelsbach – „Wir wollen auch die Leute ansprechen, die sonst nicht in eine Galerie gehen würden“, erläutert Andrea Penndorf ein Ziel der Künstlergruppe. Zudem haben die Art People sich „Kunst für den guten Zweck“ auf die Fahne geschrieben. Mit dem Verkauf der Stelen etwa unterstützten sie karitative Einrichtungen wie die Langener Tafel.

Die Aufgaben, die sich die kreativen Köpfe selbst stellen, sind mit der Zeit gewachsen. Die Gruppe hat sich seit ihrer Gründung im März 2011 nur geringfügig vergrößert: „Manche verlassen uns, neue kommen hinzu – da herrscht schon eine Fluktuation“, stellt Martina Retzdorff fest. Derzeit sind es 18 Künstler aus sieben Nationen, darunter Kolumbien, Israel, Rumänien, England und Italien, die mit unterschiedlichsten Materialien und Techniken arbeiten. Ob Acryl- oder Ölmalerei, Skulpturen oder Fotografie, Recycling- oder Aktionskunst: Von Aquarell über Kohle bis Rötel ist alles vertreten. Grenzen scheint es keine zu geben. Oder doch?

„Wir legen Wert auf die Vielfalt an Techniken, achten aber sehr auf Qualität“, sagt Herbert Richtarsky und betont: „Wir machen kein Kunsthandwerk, sondern Kunst.“ Und genau die steht seit der Gründung im Vordergrund. Denn die Art People haben sich seinerzeit zusammengeschlossen, weil sie miteinander gestalten und sich über das gemeinsame Malen und Schaffen austauschen wollen – auch wenn genau das nur schwer umsetzbar ist. Dabei sollten gerade die Nachwuchskünstler – seinerzeit war das jüngste Gründungsmitglied 14 Jahre alt – von den Erfahrungen der Älteren profitieren. Aber so, wie sich die drei Generationen umfassende Künstlergruppe das vorstellte, war es kaum möglich.

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Denn allein aus Platzgründen ist es eigentlich ein Vorteil, dass sie nie vollzählig sind, wenn sie sich Dienstagabends im Pavillon der Ludwig-Erk-Schule in der Bahnstraße treffen. Zwar können die Art People dort Workshops veranstalten oder für Organisationsbesprechungen und Projektplanungen zusammenfinden, aber um gemeinsam künstlerisch tätig zu werden, fehlt der Platz. „Das schwebt wie ein Damoklesschwert über uns“, bringt es Richtarsky auf den Punkt. Auch wenn die Künstler froh sind, den Pavillon nutzen zu dürfen, ist und bleibt es eine „Duldung“. Ein eigener Raum – und vor allem auch entsprechende Lagermöglichkeiten – wären insofern dringend nötig.

Unterkriegen lassen sich die Art People davon nicht: Zwar arbeiten die Künstler zumeist allein, aber Inspiration sind sie sich trotzdem. „Jeder bringt seine Fähigkeiten ein. Wichtig ist, dass wir immer Freude und Spaß an der Arbeit haben“, meint Gründungsmitglied Brigitte Grausam-Tynan. Bereichernd ist der Zusammenschluss der Kreativlinge allein schon daher, weil er die Neugier weckt und die Techniken des anderen einfach mal ausprobiert werden können. Besonders für Nachwuchskünstler gibt es ein wichtiges Argument: „Es fällt in der Gruppe viel leichter, den Schritt an die Öffentlichkeit zu gehen“, weiß Penndorf.

„Jeder darf, keiner muss“ ist eine der Devisen, die den Charme der Art People ausmacht, die bewusst von strikten Vereinsstrukturen Abstand nehmen. Das hat seine Vor- und Nachteile: In der lockeren Atmosphäre ist es leichter, Ideen einzubringen, doch wenn es an Abstimmungen geht, entwickelt sich schon mal ein offenes Wortgefecht. „Wir sind so unterschiedliche Menschen, da streiten wir schon mal. Aber am Ende vertragen wir uns wieder“, sieht Richtarsky das gelassen. „Sich aneinander reiben schweißt zusammen.“

Die Zeitung stellt die Art People und deren künstlerisches Wirken im Laufe der nächsten Wochen in loser Folge in Einzelporträts vor.

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