Liebevolle Herberge am Lebensende

Kreis-Hospizprojekt: Erster Spatenstich für Ende März geplant

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Das Kreis-Hospiz soll ab April gebaut werden, Lothar Mark (rechts) vom Stiftungskuratorium brachte Bürgermeister Frieder Gebhardt auf den aktuellen Stand.

Langen – Der Kreis Offenbach zählt rund 350. 000 Einwohner, aber ein stationäres Hospiz zur Sterbebegleitung gibt es weit und breit nicht; Einrichtungen in der Umgebung, etwa in Frankfurt, Darmstadt, Hanau oder Alzenau führen Wartelisten. Von Holger Borchard  

Zeit also, dass sich in der hiesigen Kante etwas tut – eben dafür ist die Hospiz-Stiftung Rotary Rodgau angetreten.  Das im Sommer 2014 mit einem Stiftungskapital von 56. 000 Euro angeschobene Projekt hat seither jede Menge Unterstützung von großzügigen Zustiftern und den Kommunen des Kreises erfahren, sodass die Rotarier ihr Millionenbudget für den Bau zusammenbekamen und die Planung konkretisieren konnten. Standort der Einrichtung wird Rodgau sein – mit rund 45. 000 Einwohnern die größte Kreiskommune. Zu Füßen des Jügesheimer Wasserturms soll am 30. März der obligatorische erste Spatenstich gefeiert werden.

Sowohl die Stadt Langen als auch die Gemeinde Egelsbach haben sich mit jeweils 20. 000 Euro an dem Hospiz-Projekt beteiligt und es damit den übrigen Kommunen des Kreises gleich getan. Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt besuchte kürzlich Lothar Mark, der dem Stiftungskuratorium angehört, und ließ sich von diesem über den Stand der Planung in Kenntnis setzen. Der Rathauschef erfuhr, dass die Organisatoren für die Fertigstellung einen Zeitraum von anderthalb Jahren ansetzen. „Das komplette Vorhaben schlägt mit ungefähr 3,6 Millionen Euro zu Buche, von daher sind weitere Zustiftungen herzlich willkommen,“ stellt Lothar Mark fest.

Das Hospiz (lateinisch: hospitium = Herberge) wird unheilbar kranke Menschen aufnehmen, die in Krankenhäusern nicht mehr versorgt werden können und deren häusliche Pflege ebenfalls nicht gesichert ist. Geplant ist eine Kapazität von zwölf Plätzen. Unabhängig von Alter, Geschlecht, sozialem Stand, Konfession und Nationalität erhalten die Patienten dort eine palliative Versorgung in fürsorglicher und liebevoller Umgebung. Das Angebot richtet sich an Frauen und Männer mit fortgeschrittenen Erkrankungen wie Krebs oder Aids.

Erstes Mehrgenerationen-Hospiz in Deutschland eröffnet

Das Hospiz wird auf einem von der Stadt Rodgau erworbenen 4000 Quadratmeter großen Grundstück errichtet und von der Mission Leben betrieben. Derzeit liegt die Nachfrage im Kreisgebiet bei statistisch rund 20 Betten im Jahr, wobei bereits acht im stationären Hospiz Fanny de la Roche im Offenbacher Ketteler-Krankenhaus bereitstehen. Im Kreis Offenbach sterben jährlich rund 3 000 Menschen. Eine Zahl, die sich nach Meinung von Experten in Zukunft durch den Bevölkerungszuwachs weiter erhöhen wird und den dringenden Bedarf verdeutlicht, zumal von Darmstadt über Frankfurt bis Hanau keinerlei Entlastungsfunktion zu erwarten sein dürfte.

Bürgermeister Frieder Gebhardt begrüßt denn auch explizit die Idee dieses neuen stationären Hauses auf halbem Weg zwischen Langen und Seligenstadt. „Dort wird ein würdevoller Ort für die letzten Lebenstage von Menschen geschaffen. Das Projekt ist ausgesprochen sinnvoll und verdient weitere finanzielle Unterstützung.“

Neben dem Kreis Offenbach und den Kommunen fördern zahlreiche institutionelle und private Spender das Hospiz-Projekt. Wer es ebenfalls unterstützen möchte, kann sich per E-Mail an Lothar Mark wenden: lothar@themarks.de.

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