Zerstörte Verkehrsinsel an Mörfelder Landstraße in Langen

Nach Kreisel-Unfall: Angeklagter wird freigesprochen

Bei dem Unfall im Januar 2020 wurden an dem Kreisel in Langen eine der sechs Glasstein-Stelen und ein Teil der Grünfläche zerstört. (Symbolbild)
+
Bei dem Unfall im Januar 2020 wurden an dem Kreisel in Langen eine der sechs Glasstein-Stelen und ein Teil der Grünfläche zerstört. (Symbolbild)

So richtig gelohnt hat sich der Einspruch eines 38-jährigen Langeners gegen den gegen ihn verhängten Strafbefehl. Anstatt 4000 Euro zahlen zu müssen, wurde er vor dem Amtsgericht Langen freigesprochen. Wieder einmal wurde der Gabionen-Kreisel an der Mörfelder Landstraße zum „Verkehrsopfer“, der Unfallfahrer floh unerkannt.

Langen – Am 25. Januar 2020 hört ein Anwohner um halb drei Uhr morgens ein lautes Geräusch und eilt zum Fenster. Der Außendienstler erkennt in 200 Meter Entfernung einen Mann zu einem dunklen Auto rennen und wegfahren. Und den kaputten Kreiselaufbau. Eine der sechs Glasstein-Stelen und ein Teil der Grünfläche ist zerstört, Steine verteilen sich auf der Fahrbahn. Er ruft die Polizei.

Der 28-jährige Polizeikommissar, der zum Unfallort beordert wird, erzählt: „Wir sind sofort mit zwei Streifen hingefahren. Die Schlagmarken und Schleifspuren führten zu einem Audi, der rund 80 Meter entfernt am Straßenrand stand.“ Ein Reifen sei geplatzt gewesen, im Fahrzeug fanden sich Wohnungsschlüssel und eine Briefadresse.

Der vermeintliche Fahrer ist also scheinbar schnell ausgemacht, sodass DNA-Untersuchungen oder eine Sitzvermessung nicht in Erwägung gezogen werden. Halter des Wagens ist eine Kasseler Großhandelsgesellschaft. Der Regionalleiter aus Marburg erklärt vor Gericht die Vertragskonditionen, so zum Beispiel, dass auch andere Haushaltsangehörige das Firmenfahrzeug nutzen dürfen. Der Zeuge erklärt abschließend: „Der kaputte Wagen wurde abgeschleppt und verkauft.“ Richterin Frauke Honemann gibt sich damit nicht zufrieden: „Wie hat der Angeklagte denn den Schaden erklärt?“ - „Er sagte nur, es habe einen Unfall gegeben und der Audi sei kaputt. Mehr weiß ich nicht.“ Ob der Mitarbeiter selbst gefahren sei, habe er nicht gefragt: „Ich bin einfach davon ausgegangen!“

Jetzt kommt es auf den vierten Zeugen an, der angeblich den Unfall beobachtet hat. Der zieht es aber vor, die Vorladung sausen zu lassen. Die Richterin verhängt ein Ordnungsgeld über 150 Euro. Die Verhandlung wird vertagt. Beim zweiten Sitzungstermin kann der Zeuge jedoch die Beweislast nicht erhöhen, im Gegenteil: „Ich habe zwei Personen am Kreisel gesehen, die sprachen in irgendeiner fremden Sprache.“ Was wiederum nicht so richtig zum deutschen Angeklagten passt. Vor Gericht identifizieren kann der Zeuge diesen ebenfalls nicht.

Der Niederlassungsleiter selbst hat sich mit ADAC-Verkehrsrechtsanwalt Peer Mönch Unterstützung geholt und schweigt sich vor Gericht aus. Da er nicht eindeutig als Unfallfahrer überführt werden kann, bleibt Amtsanwältin Elena Grein nichts anderes übrig, als die Anklage wegen Fahrerflucht fallen zu lassen. Laut Mönch steht der Stadt Langen jedoch ein Anspruch auf Entschädigung in voller Höhe (6343 Euro) gegen die Haftpflichtversicherung des Fahrzeughalters zu. „Dabei kommt es nicht darauf an, wer das Fahrzeug zur Tatzeit führte oder ob der Fahrer überhaupt ermittelt werden kann.“ (Silke Gelhausen)

Hinweis: In einer älteren Version dieses Artikels hieß es fälschlicherweise, die Stadt Langen bleibe auf dem Schaden in Höhe von 6343 Euro sitzen. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare