Richard Williams macht auf Zustände in der Karibik aufmerksam

Mit Kunst gegen Gefühllosigkeit

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Richard Williams mit „Defrosting Democracy“.

Langen/Frankfurt - Mit seiner politisch motivierten Kunst hat Richard Williams beim Performance Day im Frankfurter Ost-Stern einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Mit seiner Flux Us Experimental Group und der Performance „Defrosting Democracy“ eröffnete der Langener Künstler das Festival, das eine spannende Reise durch die aktuelle Performance-Kunstwelt mit Darbietenden aus Deutschland, Polen, Italien, Schweiz, Rumänien, Frankreich, China und Taiwan bot. Williams ist bekannt dafür, den Finger in die Wunden sozialer, umwelt- und politischer Probleme seiner Heimat Trinidad und Tobago zu legen und künstlerisch auf diese aufmerksam zu machen. Bereits mehrfach verarbeitete er in seinen Darstellungen die immer höher werdende Mordrate an unschuldigen Bürgern, die in die Welle der Gewalt in seiner Heimat gezogen werden. Diesmal prangerte er die bereits eingetretene Gewöhnung und dadurch entstehende Gleichgültigkeit der Menschen an.

„Mord und Tötung sind alltäglich geworden und ein Symbol für das gestörte Gleichgewicht unserer modernen Gesellschaft“, sagt der Künstler. „Soziale Netzwerke verbreiten die Nachrichten in Windeseile und glorifizieren dadurch fast das Geschehene.“ Durch die anfangs noch geschockten, nun bereits eingefrorenen Emotionen sei eine demokratische Lösung dieser Problematik nicht mehr möglich. „Den Medien bleibt nichts anderes übrig, als täglich über mehr und mehr Opfer zu berichten. Die gesamte Menschheit ist diesbezüglich bereits unbeweglich geworden“, beklagt Williams.

Für seine Performance hatte er die Flagge von Trinidad und Tobago eingefrorenen. Den Eisblock platzierte er dann auf ein mit betenden Händen beklebtes Holzbrett – als Bitte und Flehen, diese Situation zu ändern. Auch bezog Williams die Zuschauer, die eigentlichen Performer, ein. Sie alle sollten, stellvertretend für den Rest der Welt, mit ihrer Körperwärme und in Zusammenarbeit das Eis zum Schmelzen bringen und die Flagge befreien. Obwohl diese Aktion mit erheblichen Mühen verbunden war, gelang es am Ende, die Flagge zu hissen. Seine Arbeit wird Williams im Sommer in seiner Heimat weiterführen. (ble)

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