Käfer, Kies und Klimawandel

Aktionsbündnis Langener Bannwald und Forstamt informieren Schüler vor Ort

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Profunde Erläuterungen: Fachleute von Forst, Naturschutz und Naturfreunden führten die Schüler durch den Wald.

Um jungen Menschen die Bedeutung des heimischen Forsts für die Umwelt vor Augen zu führen, hat das Aktionsbündnis Langener Bannwald zwei Berufsschulklassen aus Groß-Gerau zu einer Begehung eingeladen. 

Langen – Als Fachleute bei der Führung durch den Stadtwald und zur Kiesabbaufläche dabei waren Revierförster Stefan Neubrandt, Günther Lange von den Naturfreunden Egelsbach-Erzhausen und Thomas Norgall, Naturschutzreferent des BUND Hessen. Dabei ging es nicht nur um den Waldverlust durch den Rohstoff-Abbau.

„Früher gab es in diesem Wald rund 15 Prozent Fichten, die sind jetzt weg“, sagt Neubrandt. Die Trockenheit habe den Bäumen so zugesetzt, dass sie leichte Opfer für Borkenkäfer wurden, erklärt der Fachmann. Er führt die Gruppe zu drei abgestorbenen Fichten, deren Rinde übersät ist mit Löchern, die die Insekten hinterlassen haben.

Langen: Viele Menschen sind vom Klimawandel überrascht

Viele Menschen seien überrascht davon, dass der Klimawandel schon da sei, meint Thomas Norgall. Doch die Erwärmung sei keine kontinuierliche Angelegenheit, die uns erst irgendwann in vielen Jahren erreiche. „Der Klimawandel kommt in Extremen“, sagt er. Dass daher auch mal wieder ein paar kühlere Jahre folgen könnten, sei normal, ändere aber nichts an den Tatsachen.

Weiter geht es in Richtung Waldsee, deutlich sichtbar sind rechts und links der Wege die vor ein paar Wochen entstandenen Sturmschäden sowie allenthalben trockene Bäume. Am Ende der Strecke versperrt ein Wall aus Kies nicht nur den weiteren Weg, sondern auch die Sicht. Bis vor Kurzem ging es hier noch weiter in den Wald hinein.

Nicht zu retten: Der Borkenkäfer setzt den geschädigten Fichten zu.

Norgall führt differenziert die Argumente für und gegen den Kiesabbau in der Region und die damit verbundenen Rodungen aus. Jeder solle sich dazu seine eigene Meinung bilden, sagt er, lässt aber auch keinen Zweifel daran, wie sich der BUND, der derzeit gegen den Kiesabbau klagt, entschieden habe. Auf der einen Seite stünden die unternehmerischen Interessen des Kieswerkbetreibers und der gesellschaftliche Bedarf an Rohstoffen. Demgegenüber gebe es die wichtigen Funktionen des Waldes unter anderem als Lebensraum und CO2-Speicher. „Ein Hektar Wald speichert durchschnittlich 13 Tonnen Kohlendioxid im Jahr“, führt Günther Lange dazu aus.

Langen: Rodung wegen des Frankfurter Flughafens

Warum ein Bannwald überhaupt gerodet werden dürfe, will einer der Berufsschüler wissen. Das hänge mit dem Frankfurter Flughafen zusammen, für den einst die Gesetzeslage so geändert wurde, dass für den Ausbau auch auf eigentliche geschützte Waldgebiete zugegriffen werden kann, erklärt Thomas Norgall.

Natürlich würden Sand und Kies benötigt. Aber: Das Rohstoffproblem werde durch das jetzige Vorgehen nur ein wenig verschoben und sei bald wieder da, so Norgall. Der über viele Jahrzehnte gewachsene Wald sei dann freilich weg.

Einen ganzen Vormittag verbringen die jungen Leute im Wald, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Matthias Rohrbach vom Aktionsbündnis schließt nicht aus, solche Veranstaltungen künftig öfter anzubieten.

VON MARC STROHFELDT

Der städtische Fachdienst Bauwesen, Stadt- und Umweltplanung im Rathaus Langen hat erstmals eine Chefin: Petra Wagner ist Nachfolgerin von Robert Ahrnt.

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