Zeiten der Dürre

Klimawandel? Kaum noch Wasser aus der Sterzbachquelle

Da sprudelte die Quelle noch: Vor fünf Jahren flossen 20 Kubikmeter Wasser pro Stunde in den Sterzbach.
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Da sprudelte die Quelle noch: Vor fünf Jahren flossen 20 Kubikmeter Wasser pro Stunde in den Sterzbach.

Aus der Sterzbachquelle fließt nur noch ein Zwanzigstel so viel Wasser wie vor wenigen Jahren. Allerdings: Solche Trockenzeiten gab es auch schon in früheren Jahrhunderten. Das hat der Heimatkundige Reinhold Werner herausgefunden.

Langen – Der Zustand der Teiche im Mühltal, allen voran des Paddelteichs, hat Bevölkerung und Kommunalpolitiker alarmiert (unsere Zeitung berichtete). Der Wasserstand ist deutlich niedriger als noch vor zwei oder drei Jahren; aus dem Paddelteich fließt gar kein Wasser mehr durch den Überlauf in den Sterzbach, der in der Folge in der Altstadt nur nach Regenfällen etwas stehendes Wasser beinhaltet.

Sterzbachquelle Langen: Ausfluss ist deutlich geringer als früher

Reinhold Werner forschte nach und stellte an der Sterzbachquelle fest: Der Ausfluss ist deutlich geringer als früher. Seine Nachfrage bei den Stadtwerken ergab: aktuell sind es noch zwei Kubikmeter Wasser pro Stunde. Früher waren es 40. Die Hälfte davon diente bis vor einigen Jahren der Trinkwasserversorgung; es blieben damit aber immer noch 20 Kubikmeter pro Stunde, die in den Sterzbach flossen.

Am Springenteich oberhalb der Merzenmühle ist dies noch nicht so stark zu bemerken, da dort noch Wasser ankommt. Aber schon von dort fließt nichts mehr weiter Richtung Paddelteich; dessen Zulauf ist trocken. Und in der Folge sinkt der Wasserspiegel immer weiter.

Während die Kommunalpolitiker in die Zukunft schauen und Maßnahmen angeschoben haben, um den Paddelteich zu retten, blickt der Heimatkundige in die Vergangenheit: „Ich frage mich: Gab es das auch schon früher? Denn eine solche Trockenheit hatte ja Auswirkungen auf den Betrieb der Mühlen. Und der war lebensnotwendig. Heute geht man zu Aldi und holt sich das Mehl aus dem Regal, aber wenn früher die Mühlen nicht betrieben werden konnten, gab es kein Brot.“

Rinnsal: Der Auslass der Sterzbachquelle ist 2019 deutlich zugewachsen, das Wasser erheblich weniger.

Beim hessischen und beim deutschen Mühlenverband gibt es keine Unterlagen, erfuhr Werner. Etwas mehr Erfolg hatte er beim Deutschen Wetterdienst und bei der Goethe-Universität Frankfurt, wo sich eine Studienstelle mit Wetterauswirkungen und Geschichte befasst. Einiges könne man auch aus den alten Pfarrbüchern herauslesen. Seine Heimatforscher-Kollegin Gaby Klein konnte zudem mit dem Hinweis auf eine Internetseite dienen, die sich mit den Auswirkungen von Trockenperioden in der Vergangenheit befasst.

Trockenphasen an der Sterzbachquelle

Die ganzen Erkenntnisse muss Werner nun noch im Detail auswerten. Klar ist aber bereits: „Es gab schon früher solche Perioden. Und das Leben hast sich in diesen Zeiten als sehr schwierig dargestellt.“ Nicht nur im Sommer, auch zur Winterzeit habe es Trockenphasen an der Sterzbachquelle gegeben.

Dass sich die Menge des ausfließenden Wassers auf absehbare Zeit aber wieder signifikant erhöht, darf angesichts des Klimawandels bezweifelt werden. Damit wird die Frage nach der Zukunft des Paddelteichs drängender …

VON MARKUS SCHAIBLE

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