Prozess vor dem Amtsgericht

Körperverletzung und antisemitische Beleidigung: Angeklagter und fünf von sieben Zeugen schwänzen

Zum zweiten Mal geplatzt ist am gestrigen Montag ein mit Spannung erwarteter Prozess vor dem Amtsgericht Darmstadt. (Symbolbild)
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Zum zweiten Mal geplatzt ist am gestrigen Montag ein mit Spannung erwarteter Prozess vor dem Amtsgericht Darmstadt. (Symbolbild)

Zum zweiten Mal geplatzt ist am gestrigen Montag ein mit Spannung erwarteter Prozess vor dem Amtsgericht Darmstadt: Ein gebürtiger Kameruner muss sich vor dem Schöffengericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Langen –  Das an sich stellt noch keine ungewöhnliche Straftat dar – aber die Angelegenheit steht in Zusammenhang mit einem antisemitischen Hintergrund.

Im September war der Verteidiger verhindert, gestern wartete Richter Mathias Siebertz vergeblich auf den 27-jährigen Angeklagten aus Langen. So aktivierte Siebertz erneut den Haftbefehl, der im Juni nach einem halben Jahr Untersuchungshaft außer Vollzug gesetzt worden war. Damit nicht genug: Neben dem Angeklagten fehlten auch noch fünf der sieben geladenen Zeugen – drei von ihnen unentschuldigt. Der Richter ahndete es mit je 150 Euro Ordnungsgeld.

Langen: Auseinandersetzung am Bahnhof im Januar 2019

Verhandelt werden sollte eine Auseinandersetzung am Langener Bahnhof vom Januar 2019. Dort soll der – zu diesem Zeitpunkt erheblich alkoholisierte und bekiffte – Angeklagte einen älteren Mann, vom Erscheinungsbild her orthodoxer Jude oder jüdischer Geistlicher, mit „Scheiß Jude“ und „Hurensohn“ massiv beleidigt haben. Mehrere Zeugen mischen sich ein, der Betrunkene lässt von dem Fremden ab, dieser geht unerkannt seiner Wege.

Für den Provokateur ist die Sache nicht erledigt: Nun beleidigt er die Zeugen, von denen einer die Polizei verständigt. Das lässt sich der Unruhestifter nicht gefallen. Er verpasst dem Anrufer mit voller Wucht eine „Kopfnuss“. Jener geht zu Boden und wird im Liegen weiter mit Tritten und Fäusten gegen den Kopf traktiert. Der Geschädigte, der als Nebenkläger vor Gericht auftritt, erleidet Knochenbrüche im Gesicht und an der Hand. Außerdem geht seine Brille zu Bruch; Glassplitter verletzen ihn am Auge.

Langen: Noch kein neuer Sitzungstermin vor Gericht

Das Amtsgericht hat gestern noch keinen neuen Sitzungstermin anberaumt. Der nun wieder zur Festnahme ausgeschriebene Angeklagte ist bereits 2016 und im September 2019 verurteilt worden – ebenfalls wegen Körperverletzung in alkoholisiertem Zustand. Beim Prozess vor vier Monaten legte er Berufung ein und verzögerte so die verhängten 15 Monate Haft ohne Bewährung.

VON SILKE GELHAUSEN

In Langen ist vor einer Shisha-Bar ein Streit in der Silvesternacht eskaliert: Es kam zu einer Massenschlägerei, während der auch eine Rakete in die Menschenmenge geschossen wurde.

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