Begrenzten Spielraum maximal nutzen

Arztpraxen: Aktueller Lagebericht soll zielgerichtete Weichenstellung möglich machen

Die Asklepios Klinik und das benachbarte Fachärztezentrum sind die zentralen Bausteine der medizinischen Infrastruktur Langens. Foto: Asklepios KLINIK
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Die Asklepios Klinik und das benachbarte Fachärztezentrum sind die zentralen Bausteine der medizinischen Infrastruktur Langens.

Langen – Wegweisende Antworten auf aktueller Datenbasis erhoffen sich die Stadtverordneten von einem Bericht, mit dessen Anfertigung sie noch im alten Jahr den Magistrat beziehungsweise die städtische Wirtschaftsförderung beauftragt haben.

Wie ist Langen bei der ärztlichen Versorgung aufgestellt? Welche Weichen können kommunale Akteure im Rahmen ihres definitiv beschränkten Handlungsspielraums stellen, um auf lange Sicht qualitativ hochwertige Medizin in voller Bandbreite in der Stadt zu halten?  Die Ausarbeitung liegt nun vor – sie wird Thema in der ersten Sitzung des Ausschusses für Soziales, Kultur und Sport am Donnerstag, 23. Januar (Rathaus, 20 Uhr) sein. .

„Arztsitze werden von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen vergeben – innerhalb eines engen Spielraums nach festgelegtem Schlüssel“, steckt Bürgermeister Frieder Gebhardt das Feld ab, auf dem die Stadtverwaltung gefordert ist, das Optimum herauszuholen. In dem Wissen, dass medizinische Betreuung als wichtiger Faktor bei der Wahl des Wohn- und Unternehmensstandorts gilt, müsse man akzeptieren, dass bei der ambulanten ärztlichen Versorgung die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung (KVH) das Maß aller Dinge ist. „Sie macht strikte Vorgaben für den Bestand von Haus-, Allgemein- und Fachärzten und ermittelt die sogenannten regional notwendigen Arztzahlen, die mit den Budgets der Krankenkassen auskommen müssen“, präzisiert Gebhardt. Weitere Faktoren seien der finanzielle Spielraum der Krankenkassen und Vergütungsverträge.

Die aktuell für Langen gültige Vorgabe wurde 2017 von der KVH, den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen beschlossen und ist drei Jahre gültig. Demnach wird es im Laufe dieses Jahres eine Neuauflage geben. Im Verfahren sieht der Verwaltungschef „schon die erste erhebliche Schwachstelle“: Die Einwohnerzahlen – neben den zur Verfügung stehenden Budgets maßgebliche Grundlage der Bedarfsplanung – hinkten der Realität gut zwei Jahre hinterher. „In einer dynamisch wachsenden Stadt wie Langen ist das natürlich besonders kritisch.“

Grundlage für den Bericht der Wirtschaftsförderung sind die Zahlen und Daten der KVH – siehe Infokasten. Der Bürgermeister will mit diesem Papier an der Hand das Gespräch mit den Ärztevertretern suchen. „Dabei wird es auch darum gehen, wie die Stadt bei einer Ansiedlung weiterer Mediziner helfen kann.“ Im Fokus stehen insbesondere Allgemeinmediziner, denn für sie gibt es im Plangebiet Neu-Isenburg/Dreieich/Langen schon jetzt 6,5 freie Arztsitze, die von der Kassenärztlichen Vereinigung direkt zu vergeben wären. Mit Blick auf räumliche Entwicklungsperspektiven von Arztpraxen bereitet die Wirtschaftsförderung mit dem Ärztenetzwerk Langen/Dreieich für das Frühjahr eine Befragung sämtlicher Ärzte in Langen vor. Ziel ist, ein Anforderungsprofil für optimale räumliche und infrastrukturelle Bedingungen für Arztpraxen zu erhalten.

„Die Ergebnisse könnten für Investoren und Hauseigentümer äußerst hilfreich sein, um zielgerichtet Projekte zu realisieren“, blickt Gebhardt voraus. Im Rathaus gehe man davon aus, dass heute aus Kostengründen vor allem Gemeinschaftspraxen, die auch Job-Sharing ermöglichen, in der Medizinwelt gefragt seien – am besten zentral im Stadtgebiet gelegen und barrierefrei zu erreichen.

Apropos: Die meisten Praxen der aktuellen Bestandsaufnahme sind zentral in der Innenstadt (und somit per Stadtbus erreichbar). Im Neurott, im Norden und am Steinberg finden sich allerdings so gut wie null Adressen. Ähnlich ist es bei den 20 Zahnärzten, die überwiegend in der Kernstadt behandeln.

Wer die medizinische Versorgung in Langen beurteilen will, kommt freilich nicht um die „Trumpfkarte“ Asklepios Klinik umhin. Als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung ist das Klinikum für die Akutversorgung von Patienten aus dem ganzen Kreis Offenbach zuständig. In der Klinik waren im Oktober insgesamt 36 Ärzte beschäftigt, von denen zwölf als ambulante Kräfte in der KVH-Liste geführt werden. Das benachbarte Fachärztezentrum beherbergt zehn Praxen mit 31 Fachmedizinern unterschiedlicher Sparten – sie alle stehen im KVH-Verzeichnis. Unbestreitbar gelten darf, dass beide Häuser enormen Anteil am Niveau der medizinischen Versorgung in Langen haben.

VON HOLGER BORCHARD

Eingesperrt in der Notaufnahme: Dieses Szenario war Programm in der Asklepios Klinik in Langen – sie wurde zum Escape-Room.

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