Ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll

Baugebiet Liebigstraße: Fernwärme soll für alle Neubauten zum Standard werden

Mittendrin: Auf dem Gelände der Stadtwerke neben dem markanten Turm des Versorgungsunternehmens soll das neue Blockheizkraftwerk für das Wohngebiet Liebigstraße entstehen. Foto: Häsler
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Mittendrin: Auf dem Gelände der Stadtwerke neben dem markanten Turm des Versorgungsunternehmens soll das neue Blockheizkraftwerk für das Wohngebiet Liebigstraße entstehen. Foto: Häsler

Im Neubaugebiet an der Liebigstraße soll Fernwärme zum Standard werden. Sie gilt als besonders effizient und klimafreundlich – ganz im Sinne des Klimaschutzkonzepts der Stadt. Eine Satzung soll sicherstellen, dass der Plan des Magistrats auch umgesetzt wird.

Langen –  Ziel ist es, durch den Einsatz von moderner Blockheizkraftwerk-Technologie den Ausstoß von Schadstoffen einschließlich klimaschädlichen CO2-Emissionen im Vergleich zu einer Wärmeversorgung mit herkömmlichen Heizungen zu verringern. An der Liebigstraße sind bis zur Hans-Kreiling-Allee auf 28 Hektar Land Wohneinheiten für etwa 3 300 Einwohner geplant.

Die Satzung über die Fernwärmeversorgung sieht vor, dass grundsätzlich alle Häuser in dem Viertel ausschließlich mit Fernwärme beliefert werden. Nur wenn nachgewiesen werden kann, dass die Wärmeversorgung durch emissionsfrei erzeugte erneuerbare Energien sichergestellt ist, kann auf diesen Anschluss- und Benutzungszwang verzichtet werden. Gleiches gilt für sogenannte „Null-Energie-Häuser“. Tabu sind auf jeden Fall Kohle-, Koks-, Holz-, Gas- und Ölheizungen. Lediglich mit Holz beheizte Kamine und Kachelöfen, die in erster Linie nicht der Raumheizung dienen, sollen von der Vorschrift unberührt bleiben.

Wer die Blockheizkraftwerke (BHKW) und das Fernwärmenetz baut und betreibt, kann die Satzung nicht festlegen, aber natürlich sieht die Stadt ihre Tochter Stadtwerke als natürlichen Partner an – zumal diese ihren Geschäftszweig Wärme-Direkt-Service immer weiter ausbauen. Auch haben die Stadtwerke beim Verkauf ihrer Grundstücke in diesem Gebiet (altes Betriebsgelände und Rodehau-Areal) mit den Käufern bereits entsprechende Verträge abgeschlossen. Der Bau eines BHKW auf dem Stadtwerke-Gelände für rund 1,5 Millionen Euro und die Verlegung der Leitungen haben bereits begonnen. Dieses könnte dann auch den Rest des Baugebiets noch mit versorgen.

Vorgesehen ist, dass die Zuständigkeit für die Fernwärmeversorgung als „öffentliche Einrichtung“ bei der Stadt verbleibt und „wir somit auf die Modalitäten wesentlichen Einfluss nehmen können“, erklärt Bürgermeister Frieder Gebhardt. Wie jetzt in Langen vorgesehen, werden Fernwärmesatzungen in vielen Kommunen in Deutschland aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen genutzt, zum Beispiel in Frankfurt für den Riedberg und in Wiesbaden für das dortige Europaviertel. Rechtsgrundlage dafür ist die Hessische Gemeindeordnung.

Laut Gebhardt ist eine derartige Satzung sowohl im Interesse der Stadt als auch ein Anliegen der Stadtwerke. Sie sei aber auch vorteilhaft für die Investoren und die künftigen Bewohner des Baugebiets. Die Fernwärmeversorgung aus modernen Blockheizkraftwerken sei ein wichtiger lokaler Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. „Heizwärme und Warmwasser werden mit geringerem Energieeinsatz und niedrigeren Emissionen erzeugt. Die Kriterien des Gesetzes zur Förderung erneuerbarer Energien im Wärmebereich und der Energieeinsparverordnung werden erfüllt“, bilanzierte der Verwaltungschef.

Nach den Worten von Stadtwerke-Direktor Manfred Pusdrowski trägt der Anschluss vieler Liegenschaften zur wirtschaftlichen Auslastung der neu verlegten Fernwärmeleitungen bei und garantiert den Kunden „komfortable Versorgungssicherheit zu langfristig angemessenen Preisen eines kommunalen Stadtwerks mit öffentlicher Kontrolle“. Mögliche Vorbehalte wollten die Stadtwerke durch eine umfangreiche Informations- und Aufklärungsarbeit und eine transparente Preispolitik entkräften. Zudem werden die Bauherren vertraglich verpflichtet, ihre Käufer und Mieter darüber aufzuklären. Denn im ersten Moment erscheine der Fernwärmepreis möglicherweise teurer, als wenn die Heizungs- und Warmwasseranlage im Haus betrieben werde. Da diese aber nicht in den Neubau eingebaut werden muss, sinke natürlich der Kauf- oder Mietpreis der Immobilie, was in der Gesamtbetrachtung zu berücksichtigen sei, erklärt Pusdrowski.

Politische Beratung

Die Satzung steht am Donnerstag, 30. Januar, auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses und liegt am Donnerstag, 19. März, der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung vor. Beide Sitzungen finden um 20 Uhr im Rathaus statt.

VON MARKUS SCHAIBLE

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