Langen

Behörden verlangsamen Beginn: Kita altes Forsthaus soll zum 1. November starten

Umwidmung: Ab November sollen im alten Forsthaus an der Mörfelder zunächst 18 Kinder betreut werden.
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Umwidmung: Ab November sollen im alten Forsthaus an der Mörfelder Landstraße in Langen zunächst 18 Kinder betreut werden.

Wer über die Mörfelder Landstraße in die Stadt fährt, kann deutlich erkennen, dass im alten Forsthaus und auf dem Außengelände bereits fleißig gewerkelt wird. Das Gebäude soll bekanntlich zur Kita umfunktioniert werden – und das ganz schnell. Zunächst wird eine eingruppige Einrichtung mit 18 Ganztagsplätzen für Drei- bis Sechsjährige geschaffen, die im November den Betrieb aufnehmen soll.

Langen – Bis zum 1. November ist es nicht mehr lange. Deshalb wurde den Stadtverordneten ein Dringlichkeitsantrag zum Umbau des alten Forsthauses und dem geplanten Neubau zur Schaffung einer Kita zum Beschluss vorgelegt. Er beinhaltet wichtige Ergänzungen zum ursprünglichen Stadtverordnetenversammlungbeschluss aus dem vergangenen Oktober. Darin ist zu lesen: „Sollte sich ein geeigneter freier Träger zur Übernahme der Tageseinrichtung für Kinder finden, wird die Einrichtung an einen freien Träger vergeben.“ Teurer als geplant darf es aber nicht werden: Grundlage für die Vertragsverhandlungen seien die im Haushaltsplan veranschlagten Mittel für den Betrieb der Einrichtung. Selbiges gilt für den Stellenplan.

Bis zum 3. September konnten sich freie Träger im sogenannten Interessensbekundungsverfahren bewerben. Ein entsprechender Passus räumt der freien Trägerschaft der künftigen Kita sogar Vorrang ein – sofern eine qualifizierte Bewerbung vorliegt. Und der Stellenplan wird aufgestockt. Formuliertes Ziel ist, dass die neue Kita zum 1. November den Betrieb aufnehmen kann, sofern alle Voraussetzungen geschaffen sind.

Bei den Stadtverordneten stößt das Projekt auf große Zustimmung, auch dass ein freier Träger bevorzugt den Zuschlag kommt. Redebedarf gibt es zu dem Papier nicht. Christian Gött (CDU) hebt für seine Fraktion nur hervor: „Wir befürworten dieses Projekt absolut, auch dass Kitas primär in freie Trägerschaft gegeben werden.“

Änderungsantrag der SPD zur Besoldung der Mitarbeiter

Die SPD hat allerdings einen Änderungsantrag eingebracht, der sich um das Personal dreht. Denn für die Kita altes Forsthaus steht im Stellenplan 2020: Es soll eine Leitungsstelle mit der Eingruppierung nach Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TvöD) S15 geschaffen werden und eine stellvertretende Leitungsstelle (TvöD S13), dazu zwei Berufspraktikanten im Anerkennungsjahr und fünf zusätzliche Stellen für Erzieherinnen und Erzieher.

Die SPD will den Text bei den Passagen zur Leitung und stellvertretenden Leitung in die Formulierung „mit der Eingruppierung auf Basis des geltenden Tarifvertrages nach TVöD“ ändern. Denn, so begründet Angelika Gottschling: „Die Eingruppierung im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes richtet sich nach der Anzahl der zu betreuenden Kinder in einer Einrichtung“. Und die Forsthaus-Kita sei eine vergleichsweise kleine Einrichtung. Mit den Ganztagesplätzen und der Waldgruppe in einem zweiten Schritt würden nur 38 Kinder betreut. Deshalb könne nicht in die Entgeltgruppe S15 für die Leitung und S13 (stellvertretende Leitung) eingestuft werden, da sich sonst Ungleichbehandlungen im Vergleich zu Leitungspositionen in bestehenden Kitas ergeben würden. „Erst bei mindestens 70 Kindern wäre die Besoldungsstufe erreicht“, sagt Gottschling. Unter 70 Kindern sei eine stellvertretende Leitung gar nicht im Tarifvertrag vorgesehen. Die SPD wolle festhalten, dass der TvöD angewandt werde. „Wir wollen keinen Skandal wie bei der AWO“, sagt Gottschling.

Bürgermeister Jan Werner erklärt, selbstverständlich werden die Mitarbeiter der künftigen Kita gemäß Tarif bezahlt. „Es wird nicht sofort so eine hohe Besoldung bei nur 18 Kindern geben“, so Werner. Gegen den geänderten Antragstext spreche aber vonseiten des Magistrats nichts. Der Dringlichkeitsantrag zur Kita altes Forsthaus wird von den Stadtverordneten einstimmig angenommen. Der Änderungsantrag der SPD wird ebenfalls angenommen, bei zwei Enthaltungen (von CDU und dem fraktionslosen Joost Reinke).

Verzögerungen bei der Waldgruppe

Bürgermeister Werner betont, die Entscheidung für einen Träger sei eine konzeptionelle. Die Wirtschaftlichkeitsprüfung der Bewerber aus dem Interessenbekundungsverfahren stehe noch aus. Es sei aber alles im Zeitplan. „Nach aktuellem Stand können wir am 1. November starten“, so der Bürgermeister. Probleme gibt es allerdings bei der Waldgruppe, die auf dem angrenzenden Waldstück betreut werden soll. Auf dem Forsthausgelände soll sie einen Bauwagen („Schutzwagen“) bekommen. „Der zweite Abschnitt mit dem Schutzwagen wird weiter von der Unteren Naturschutzbehörde und neuerdings auch vom Fachdienst Jugend und Familie des Kreises Offenbach verlangsamt“, sagt Werner. Der Fachdienst habe dem Magistrat kürzlich mitgeteilt, dass neben dem mobilen Schutzraum 40 Quadratmeter verbaute Fläche zusätzlich für die Erlangung einer Betriebserlaubnis notwendig sind. „Daher habe ich mit dem zuständigen Kreisdezernenten Carsten Müller ein Gespräch vereinbart“, sagt Werner. Unabhängig davon werde die Waldgruppe erst später eröffnen können. (Julia Radgen)

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