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Langen: Besonderes Geschenk für die PBA

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Von: Manuel Schubert

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Die „Pirex“ hatte in den 1950er-Jahren großen Anteil am Aufschwung des Langener Pittler-Werks. Franz Tschur (rechts) übergab seine Revolverdrehbank nun an PBA-Geschäftsführer Thomas Keil.
Die „Pirex“ hatte in den 1950er-Jahren großen Anteil am Aufschwung des Langener Pittler-Werks. Franz Tschur (rechts) übergab seine Revolverdrehbank nun an PBA-Geschäftsführer Thomas Keil. © Strohfeldt

Der Langener Rentner Franz Tschur hat der Pittler ProRegion Berufsausbildung GmbH seine Revolverdrehbank geschenkt. Die historische Maschine hatte großen Anteil am Aufschwung Pittlers in den 1950er Jahren.

Langen – Der grüne Koloss steht nun an exponierter Stelle. Wer der Pittler ProRegion Berufsausbildung GmbH (PBA) in der Siemensstraße einen Besuch abstattet, wird seit Kurzem direkt im Foyer von einer massiven Revolverdrehbank begrüßt. Die fast vier Meter breite Maschine mit all ihren Hebeln, Knöpfen, Leuchten und Klappen ist ein echter Hingucker – und ein Stück deutsche Maschinenbaugeschichte.

Das spezielle Ausstellungsstück ist ein Geschenk von Franz Tschur. Der 82-jährige Langener besaß früher ein Tauchsportgeschäft in der Wilhelmstraße, die Drehbank nutzte er, um beispielsweise Hülsen für Hochdruckschläuche herzustellen. Doch den Laden gibt es längst nicht mehr, und so stand die historische Maschine zur Herstellung von runden und sich drehenden Metallteilen aller Art mehr als zehn Jahre ungenutzt in der Werkstatt herum. „Wir hätten sie auch zerlegen und die Stahlteile an einen Schrotthändler verkaufen können“, sagt Sohn Thomas (60), „aber dafür ist sie eigentlich zu schade. Deswegen dachten wir, es wäre eine schöne Idee, sie wieder hierher zu bringen.“

Bei der PBA stießen die Tschurs auf offene Ohren. „Die Revolverdrehbank passt zu unserer Geschichte, auch wenn wir mit Pittler heute nur noch den Namen gemein haben“, sagt Geschäftsführer Thomas Keil. In seinem Büro im zweiten Stock steht sogar ein Miniaturmodell genau dieser Drehbank des Typs „Pirex“, was den großen Stellenwert der Maschine für das Unternehmen unterstreicht.

Das ist ein gutes Anschauungsbeispiel für unsere Auszubildenden, wie es früher gemacht wurde.

Thomas Keil (PBA-Geschäftsführer)

Die Revolverdrehbank hatte in den 1950er-Jahren großen Anteil am erfolgreichen Neustart der Pittler Maschinenfabrik in Langen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Maschinen trugen auch den Namen der Stadt in alle Welt: Bis 1952 hatte Pittler schon 80 Revolverdrehbänke in die USA exportiert, 1954 wurde im Langener Werk die Herstellung der 1000. „Pirex“ groß gefeiert.

Solch ein Erfolgsmodell konnte auch Franz Tschur ergattern. „Ich habe die Drehbank Mitte der 70er gebraucht gekauft“, erzählt er. Mit der Firma Pittler verbindet den Rentner aber noch etwas anderes: Von 1967 bis 1987 war Tschur dort als Konstrukteur angestellt, ehe er sich mit seinem Tauchladen selbstständig machte. „Wenn die Drehbank in Betrieb war, hat man das Heulen im ganzen Haus gehört“, erinnert sich Sohn Thomas. „Mein Vater hat aber vergleichsweise wenig damit gearbeitet – sie ist ja eigentlich dafür gedacht, tausende von Teilen pro Tag herzustellen.“

Pittler und die PBA

Die Pittler ProRegion Berufsausbildung GmbH (PBA) ging 1986 aus der Pittler Maschinenfabrik hervor. Letztere war nach dem Zweiten Weltkrieg in Langen aufgebaut worden, nach zwischenzeitlichem Aufschwung folgte in den 90ern jedoch der Konkurs. Um eine Insolvenz des Ausbildungsbetriebs zu verhindern, wurde die PBA 1997 von der Stadt Langen übernommen und weitergeführt. Die Maschinenfabrik wechselte mehrfach den Eigentümer und zog schließlich nach Dietzenbach um. Die PBA blieb in Langen und gilt heute als eines der größten und modernsten Aus- und Weiterbildungszentren im ganzen Rhein-Main-Gebiet. Über 500 junge Menschen aus mehr als 120 Unternehmen erlernen dort Berufe aus Bereichen wie Metall, Elektro, Kältetechnik, Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik. Dazu verfügt die PBA über 17 Übernachtungszimmer. Ein Erweiterungsbau auf dem Nachbargrundstück soll in Zukunft Platz für rund 100 weitere Azubis bieten. (msc)

Nun steht die „Pirex“ wieder dort, wo sie im Jahr 1966 – so verrät es ein Aufkleber – gebaut wurde. Stadtverordnetenvorsteher Stephan Reinhold, ein Freund der Familie Tschur, hatte den Kontakt zur PBA hergestellt, Mitarbeiter der Kommunalen Betriebe kümmerten sich um den Transport: Mit einem Hubstapler holten sie die wuchtige Revolverdrehbank mühsam aus der Werkstatt und verfrachteten sie per Lkw in die Siemensstraße. Über den Zeitraum von sechs Wochen haben die PBA-Angestellten und -Azubis die Maschine restauriert und neu lackiert. Nun sieht sie fast aus wie neu.

Im Foyer, zwischen Pflanzen und Sofas, ist die grüne Revolverdrehbank ein netter Blickfang. „Ein schönes Plätzchen“, findet Spender Franz Tschur. Und PBA-Chef Keil ist dankbar für das besondere Geschenk: „Das ist ein gutes Anschauungsbeispiel für unsere Auszubildenden, wie es früher gemacht wurde.“ (Manuel Schubert)

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