1500 Tonnen schweben

Brücke planmäßig anderthalb Meter in die Höhe gedrückt

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Selbst der Mond gibt volle Leuchtkraft, um den Arbeitern unter der Brücke das Abnehmen der Oberleitung zu erleichtern.

Langen - Es ist eine Sache von Zenti- und Millimetern, von höchster Präzision und Geduld. In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist die sanierungsbedürftige Brücke über die Bahnlinie in die Höhe geschwebt. Von Holger Borchard 

Um Punkt 23 Uhr am Samstagabend gibt Projektleiter Dr. Franz Michael Jenisch den Startschuss für das gewaltige Vorhaben. Zahlreiche Schaulustige verfolgen das nächtliche Szenario, das dank etlicher Flutlichtstrahler zuschauerfreundlich arrangiert ist – sogar der Mond spendiert in voller Ausdehnung Leuchtkraft. Dumm bloß: Wie alle sehen, sieht man erst mal nix, denn gut Ding braucht in diesem Fall extra viel Weile.

Das lässt sich anhand zweier Zahlen höchst einleuchtend erklären: Angehoben werden 94 Meter Betonbauwerk, die Südliche Ring- und Mörfelder Landstraße, sprich die Ost-West-Achse des motorisierten Verkehrs in der Stadt, miteinander verbinden. Während des stundenlangen Hebevorgangs soll die Höhendifferenz zwischen dem einem und anderen Ende der Brücke nie mehr als einen Zentimeter betragen.

Ein Ding der Unmöglichkeit? Nicht für Projektleiter Jenisch und sein Team. Die haben schon fast doppelt so lange Brücken in die Schwebe gebracht und dort gehalten. „Sieht bis jetzt super aus“, resümiert Jenisch nach den ersten sechs Stunden gegen fünf Uhr am Sonntagmorgen. Weitere vier Stunden später – während Langen im sonntäglichen Sonnenschein erwacht – ist fast schon die Hälfte der angepeilten anderthalb Meter geschafft. „Alles ist bisher reibungslos verlaufen“, kommentiert Jenisch kurz und bündig zwischen zwei Kontrollgängen.

Bilder: Brücke in Langen angehoben

Auf die spezialisierten Facharbeiter ist Verlass, ebenso auf die zuvor über Tage und Wochen in Position gebrachten Gerätschaften. 24 Pressen, die wie Wagenheber funktionieren, sind auf die vier Pfeiler, auf denen die Brücke ruht, sowie auf die beiden sogenannten Widerlager zu beiden Seiten der Brücke montiert worden. Die Pressen funktionieren einwandfrei, Haltegerüste sichern das 1 500-Tonnen-Bauwerk zusätzlich ab, die Zwischenräume über den Pfeilern und Widerlagern werden mit Stahlplatten ausgefüllt, um dem Ganzen Halt zu geben. Das planmäßige Abmontieren der Bahn-Oberleitung funktioniert zwischenzeitlich ebenso reibungslos (die Züge zwischen Frankfurt und Darmstadt fahren während der kompletten Aktion im Normalbetrieb) und am frühen Abend sind die 1,50 Meter schließlich fast erreicht. In den letzten Stunden der Aktion kommt ein Baugerüst an die Unterseite der Brücke, weit genug entfernt von den – nun wieder angebrachten – Oberleitungen der Bahn, um gefahrloses Arbeiten zu ermöglichen.

„Alles ist nach Plan gelaufen – zwei, drei kleinere Probleme waren schnell gelöst“, resümiert der Projektleiter. Ihre Höhenlage behält die Brücke bis in den November hinein und damit bis kurz vor Ende der Sanierung im Dezember.

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