Gegen die Tristesse

Bürger setzen bei VVV-Pflanzaktion Blumenzwiebeln in Bahnstraßen-Beete

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Damit es im Frühjahr blüht: Kerstin Kramer (links), Walter Metzger und Anni Hoffmann packten mit an, um in der Bahnstraße Blumenzwiebeln zu pflanzen.

Es ist ein ungemütlicher Sonntag, an dem die meisten lieber lange im Bett bleiben, ausgiebig frühstücken, den ganzen Tag in Büchern schmökern oder Filme schauen.

Langen – Diejenigen, die doch raus müssen, eilen mit eingezogenen Köpfen über die Straßen, dick eingepackt in Regenjacken.

Einige andere lassen sich von dem regnerischen Wetter jedoch nicht verschrecken. Rund 15 Freiwillige rücken mit Schippchen, Rechen und Harken den mit Unkraut überwucherten Beeten an der Bahnstraße zu Leibe. Zwischen Lutherplatz und Zimmerstraße pflanzen die Teilnehmer Blumenzwiebeln in die Beete. Das Ziel: Langen soll im kommenden Frühjahr aufblühen. Die Freiwilligen können zwischen Narzissen, Schneeglöckchen, Krokussen, Märzenbecher oder Traubenhyazinthen auswählen und sie beliebig einpflanzen.

Zum Auftakt der Aktion „Langen blüht auf 2020“ hat der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) zum Blumenzwiebelsetzen aufgerufen. Die 1500 Blumenzwiebeln hat der VVV finanziert. „Wir wollen für einen schönen Farbtupfer im nächsten Frühjahr sorgen, denn die Stadt bepflanzt die Beete leider nicht mehr“, sagt Sabine Muth, Mitglied des VVV. Ihr Mann Christopher ergänzt: „Wir als Verein setzen auf Eigeninitiative und wollen einen Anreiz für Anwohner und Ladeninhaber bieten, denn wir suchen Gieß- und Pflegepaten, die sich regelmäßig um die Beete kümmern.“

Mit Erfolg: Schon am Pflanztag haben sich einige Interessierte gefunden, die sich auch in Zukunft um die Beete kümmern wollen. „Wir müssen da allerdings noch eine freiwillige Vereinbarung aufsetzen und auch die Stadt ein wenig in die Pflicht nehmen“, betont Walter Metzger, Vorsitzender des VVV.

Ein Beet weiter kämpfen Erika Gems und Susanne Bergdolt mit dem Unkraut. Obwohl der Regen der vergangenen Tage die Erde bereits aufgelockert habe, sei der Boden noch immer hart und steinig, sagt Bergdolt: „Mal sehen, ob wir bis heute Nachmittag fertig werden.“ Wenn es dann aber an die Bepflanzung geht, haben sich die beiden schon eine Strategie überlegt: Größere Blumen wie Narzissen sollen mittig gepflanzt werden, kleinere Blumen wie Krokusse außen rum. Auch nach der Pflanzaktion wollen sich die beiden als Pflegepaten um das Beet kümmern. Die Zahl der Teilnehmer finden die beiden in Ordnung. „Ich würde zwar eigentlich auch liebend gerne noch im Bett liegen und mir die Decke über den Kopf ziehen“, sagt Gems und blickt stirnrunzelnd in den grauen Himmel. „Aber die Stadt zu verschönern und für einen Hingucker im Frühling zu sorgen, ist mir dann doch wichtiger.“

Ähnlich sieht das auch Sabine Muth, die am Stand des VVV die Neuankömmlinge einweist. „Auf Facebook gab es eine riesige Diskussion, als bekannt wurde, dass die Stadt die Beete nicht mehr bepflanzt. Es wäre schön gewesen, wenn nur die Hälfte derjenigen, die sich beschwert haben, heute hier wäre. Aber auch so sind wir für die Helfer dankbar, die gekommen sind.“

Doch nicht nur die Langener profitieren von den bepflanzten Beeten: Auch Bienen und andere Insekten werden sich freuen, ist sich Hans Szegfü sicher. Für den Naturschutzbund Langen/Egelsbach informiert er an einem Stand gemeinsam mit Sigrid Szegfü und Simone Kiefer zur naturfreundlichen Bepflanzung und verteilt Saattüten. „In Egelsbach haben wir bereits eine Wildblumenwiese angelegt. Es wäre schön, wenn wir auch hier in Langen so eine Fläche bekämen“, wünscht sich Szegfü.

Paten gesucht

Wer sich als Gieß- und Pflanzenpate um eines der Beete kümmern will, kann sich unter info@vvv-langen.de beim Verein melden.

VON VANESSA KOKOSCHKA

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