Schwierige Zeit gemeistert

Bürgermeister Gebhardt zieht nach zehn Jahren Bilanz

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Seit zehn Jahren ist SPD-Politiker Frieder Gebhardt Bürgermeister der Stadt Langen. Der Einbruch bei der Gewerbesteuer, der im Jahr 2009 begann und danach teilweise dramatische Züge annahm, machte die Arbeit nicht leicht. Doch Gebhardt sieht die Stadt auf einem guten Weg.

Langen - Mitten in den Sommerferien hat Bürgermeister Frieder Gebhardt ein rundes Dienstjubiläum gefeiert. Seit zehn Jahren steht der SPD-Politiker nun an der Spitze der Langener Verwaltung. Aus diesem Anlass stellte sich der Rathaus-Chef den Fragen von Redakteur Markus Schaible – ein Rück- und Ausblick.

Herr Gebhardt, Sie sind jetzt seit zehn Jahren Langener Bürgermeister. Haben Sie das ein kleines bisschen gefeiert?

Außer Ihnen hat das ja erstaunlicherweise kaum einer bemerkt. Zur Feier des Tages habe ich meine Frau zu einem schönen Essen eingeladen, denn schließlich hat sie mir in den vielen Jahren immer zur Seite gestanden und einen Großteil ihrer Freizeit meinen Verpflichtungen geopfert.

Rückblickend: War die Aufgabe als Verwaltungschef schwieriger, leichter oder genau so, wie Sie es erwartet hatten?

Aus den vielen Jahren als Stadtverordneter und Magistratsmitglied hatte ich schon so eine Ahnung, was auf mich zukommt. Trotzdem hat mich überrascht, wie gut strukturiert und organisiert unsere Stadtverwaltung ist. Die Kompetenz meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Loyalität hat mir die Arbeit eher leicht gemacht.

Sie haben eine für die Stadt sehr schwierige Zeit „erwischt“ – haben Sie es jemals bereut, den Bürgermeisterposten überhaupt angestrebt zu haben?

Nein – ich habe das keine Minute bereut. Mir war schon klar, welch hohe Verantwortung ich trage und dass ich – egal, um welche Entscheidung es geht – es nie allen Menschen in unserer Stadt recht machen kann. Im Übrigen bin ich so selbstbewusst zu glauben, dass wir die Herausforderungen unserer Zeit bislang ganz gut gemeistert haben.

Auf welche der vielen Aufgaben und Verpflichtungen des Amtes würden Sie gerne verzichten?

Ich habe in meiner Amtszeit schon einige bedeutende Wegbegleiter verabschieden müssen. Darauf hätte ich gerne verzichtet. Ebenso wie auf einige ergebnislose Diskussionsrunden. Als Bürgermeister stehe ich auch für Mangelverwaltung und die Überbringung der weniger schönen Botschaften. Dazu gehören Steuer- und Gebührenerhöhungen, die ich der Bürgerschaft gern erspart hätte, die aber aufgrund unserer schwierigen Haushaltslage unumgänglich waren.

Und welche sind besonders angenehm?

Repräsentative Aufgaben, wie beispielsweise die bevorstehende Einweihung des neuen Bauhofs, bleiben in aller Regel in guter Erinnerung. Dabei habe ich in den vergangenen zehn Jahren sehr viele hochinteressante Menschen kennenlernen dürfen. Viel Freude machen in diesem Zusammenhang auch die Besuche unserer Kindergärten und die Begegnung mit erfrischend ehrlichen Schülerinnen und Schülern. Die Begegnung mit Menschen ist im weitesten Sinne das, was ein Bürgermeisterleben besonders angenehm macht.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit den Fraktionen?

In meiner Funktion werde ich ja immer wieder auch mit der politischen Kultur in anderen Kommunen konfrontiert. Im Vergleich dazu ist der Umgang der politischen Akteure in Langen doch sehr gesittet. Natürlich gibt es Reibereien der Sache wegen; das gehört zum Wesen einer Demokratie. Dass dabei der gegenseitige Respekt nicht verloren geht, das ist für mich das Markenzeichen Langener Kommunalpolitik.

Was schätzen Sie: Wie viel von dem, was Sie sich im Laufe der Jahre vorgenommen haben, haben Sie auch erreicht?

Das Hauptthema, mit dem ich mich um das Bürgermeisteramt beworben habe, ist ja leider mehr oder weniger versandet. Die obere Bahnstraße hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Geplante Verbesserungen scheitern leider nicht nur am fehlenden Geld, sondern auch nicht selten am Starrsinn vereinzelter Eigentümer. Die Verstärkung unserer Wirtschaftsförderung und die daraus erwachsene Citymarketinginitiative trägt inzwischen kostbare Früchte. Mit meinen Leitlinien zur Stadtentwicklung habe ich strukturelle Veränderungen anstoßen können, die unserer Stadt einen unglaublichen Entwicklungsschub gegeben haben.

Ein paar Beispiele?

Die strikte Trennung von Gewerbe und Wohnen östlich und westlich der Bahnlinie hat zur Einrichtung des Fachmarktzentrums an der Liebigstraße geführt und mit dem Baumarkt die Sortimentsvielfalt des Einzelhandels vor Ort deutlich verbessert. Das Quartierszentrum Liebigstraße und das Stadtpalais in der Bahnstraße sollen zusätzliche Kaufkraft in unserer Stadt binden. In Sachen Wohnungsbau wird Langen inzwischen gern als für den Ballungsraum beispielhaft genannt. Unsere Stadt findet wegen einer Vielzahl an Standortvorteilen großes Interesse, sowohl als Gewerbe- wie auch als Wohnstandort. Unser Konzept, durch Wachstum aus der Krise zu kommen, scheint aufzugehen.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Und was hätten Sie gerne umgesetzt, konnten es aber nicht?

Der Verkauf der Langener Anteile an der Hessischen Flugplatzgesellschaft hätte ohne nachteilige Auswirkungen für unsere Stadt unserem kommunalen Haushalt gutgetan. Der Ausbau der B 486 zur BAB 5 hin steckt in einem sich endlos hinziehenden Planfeststellungsverfahren. Neuere Projekte wie die RTW und die Raddirektverbindung Frankfurt-Darmstadt werden uns hoffentlich nicht ganz so lang beschäftigen.

Und da ist wie gesagt die obere Bahnstraße, in der noch einiges passieren muss, bis sie sich als ein attraktiver Einkaufbereich mit entsprechender Aufenthaltsqualität präsentiert. In der unteren Bahnstraße haben wir gezeigt, wie das unter Mitwirkung der Anlieger funktionieren kann. Bauliche Veränderungen und das Engagement einzelner Geschäftsleute lassen erwarten, dass sich die Situation auch ohne den Umbau der Straße selbst schon bald verbessern wird. Im Übrigen hatte ich im Laufe der Jahre viele Menschen in meiner Sprechstunde, die sich über ein persönliches Gespräch Hilfe von mir erhofft haben. Leider war das nicht immer möglich, weil Sachzwänge und Mangelverwaltung im Weg standen. Das betrifft nach wie vor besonders die Themen Kinderbetreuung und Wohnungssuche.

Ihre Amtszeit endet in zwei Jahren, dann sind sie 71. Allerdings haben Sie bekanntermaßen mit dem Gedanken gespielt, noch einmal anzutreten. Also: Streben Sie eine dritte Amtszeit an?

Mein Bestreben ist erst einmal, in den verbleibenden zwei Jahren auch die Projekte zum Laufen zu bringen, die aufgrund von Sachzwängen bislang noch nicht über das Planungsstadium hinausgekommen sind. Eine Herausforderung über diese Zeit hinaus wird das bedarfsgerechte Kinderbetreuungs- und Grundschulangebot sein. In dieser Frage muss die Zusammenarbeit von Stadt und Kreis verbessert werden. Wenn wir hierzu brauchbaren Lösungen finden, dann wird der Bürgermeister der nächsten Amtsperiode ein gut bestelltes Feld vorfinden. Ob ich das sein möchte, werde ich noch mit meiner Partei erörtern und erst dann der Öffentlichkeit verkünden.

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