Schwarz als Farbe der Freude

Bürgermeister legt für 2019 erstmals wieder Haushalt mit Überschuss vor

Langen - Es ist das erhoffte Licht am Ende des Tunnels: Nach elf Jahren Durststrecke wird die Stadt Langen aller Voraussicht nach anno 2019 wieder einen Haushalt in schwarzen Zahlen zustandebringen. Von Holger Borchard 

Besonderheit verleiht dem am Donnerstag im Stadtparlament vorgestellten Etatentwurf eine Premiere: Er knackt die Schallmauer von 100 Millionen Euro.

Elf lange und harte Jahre mussten ins Land ziehen, um diese Ansage treffen zu können: „Langen macht finanziell Boden gut – eisernes Sparen und unsere Strategie, auf Wachstum zu setzen, zahlen sich aus“, kommentiert Frieder Gebhardt das Zahlenwerk, das er und Fachbereichsleiterin Helga Uhl der Stadtverordnetenversammlung gestern Abend präsentiert haben. Die Etatkalkulation für 2019 ist nicht nur ausgeglichen und vom Volumen her werthaltiger denn je, sie nährt sogar die Hoffnung auf einen geringen Überschuss – Stand heute auf 360.000 Euro prognostiziert. Erträgen in Höhe von 100,34 Millionen stehen demnach Ausgaben von 99,98 Millionen Euro gegenüber. Die blanken Zahlen ergänzt Gebhardt um den Hinweis: „Die Stadt erfüllt ihre Verpflichtungen im Rahmen des Entschuldungsprogramms Hessenkasse und kommt ohne ein Haushaltssicherungskonzept aus.“

Die positive Entwicklung möglich gemacht habe der gelungene Spagat zwischen finanzieller Konsolidierung durch Wachstum und mitunter schmerzhaftem Sparen bei den städtischen Budgets. „Es hat auch den Mut der Stadtverordneten gebraucht, Entscheidungen zu treffen, für die es nicht immer Applaus gab“, spielt der Rathauschef und Kämmerer vor allem auf die Erhöhung der Grundsteuer an. „Aber dafür gibt es Gegenleistungen und Angebote, werden Kultur, Vereine und soziale Einrichtungen am Leben erhalten, bleibt Langen attraktiv, lebens- und liebenswert und ist als Wohn- und Wirtschaftsstandort gefragt.“

Trotz allem sieht Gebhardt zum aktuellen Zeitpunkt allenfalls ein „zartes Pflänzchen“ heranwachsen, das wenig Anlass zur Euphorie geschweige denn zum Nachlassen im Konsolidierungsbestreben gebe. „Die Herausforderungen werden nicht kleiner. Schließlich sprechen wir nicht über mehrere Millionen Euro Überschuss und werden auch in den nächsten Jahren nicht aus dem Vollen schöpfen können.“ Mit der Einwohnerzahl müsse die Infrastruktur wachsen, von der Kinderbetreuung bis hin zu etlichen weiteren Handlungsfeldern.

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Abgesehen davon gelte es, einen ganz elementaren Sachverhalt nicht aus der Gleichung zu streichen, erinnert Gebhardt und zitiert einen dem Schriftsteller Mark Twain zugeschriebenen Ausspruch: „Mit Prognosen ist es eine schwierige Sache – vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Will sagen: „Der Haushaltsplan 2019 ist eine hoch fragile Konstruktion.“ 48 Prozent der Erträge stammen aus der Schlüsselzuweisung des Landes Hessen, den Anteilen an der Einkommens- und Umsatzsteuer und dem Familienleistungsausgleich. „Hier sind wir also extrem abhängig von den Steuerschätzungen.“ Das Pendel bei der Endabrechnung könne sowohl nach oben als auch nach unten ausschlagen. Immerhin: Dank der Hessenkasse hat die Stadt ihr Kassenkredit-Konto ausgeglichen und ist auf einen Schlag 27,5 Millionen Euro Schulden los. Den entsprechenden Bescheid des Landes hat Gebhardt vor Kurzem in Empfang genommen.

Rubriklistenbild: © dpa

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