Wechselstimmung

Bürgermeister Jan Werner ins Amt eingeführt

Der Führungswechsel wird vollzogen: Stadtverordnetenvorsteher Stephan Reinhold (rechts) gratuliert Bürgermeister Professor Jan Werner, im Hintergrund schaut der noch amtierende Frieder Gebhardt zu. Fotos: Strohfeldt
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Der Führungswechsel wird vollzogen: Stadtverordnetenvorsteher Stephan Reinhold (rechts) gratuliert Bürgermeister Professor Jan Werner, im Hintergrund schaut der noch amtierende Frieder Gebhardt zu.

Vor der Amtseinführung müssen erst einmal die Hände desinfiziert werden. Denn die Verpflichtung des neuen Bürgermeisters durch den Stadtverordnetenvorsteher erfolgt auch in Coronazeiten per Handschlag.

Langen – Und so verreiben Professor Jan Werner und Stephan Reinhold vor aller Augen auf der Bühne der Stadthalle Desinfektionsmittel in ihren Händen, ehe der offizielle Akt seinen Lauf nehmen kann.

Einführung des neuen Bürgermeisters, Verabschiedung des alten Bürgermeisters – diese beiden Punkte stehen ganz am Ende der ersten Stadtverordnetenversammlung seit Beginn der Pandemie. Jeder Politiker sitzt an einem eigenen Tisch, es sind nur wenige Stühle für Besucher aufgestellt (natürlich auch mit Abstand) und wer in den Saal will, muss sich erst einmal mit seinen Kontaktdaten in eine Liste eintragen.

Ein „ganz herausragendes Ereignis“, ein „besonderer Moment“ ist es, sagt Reinhold, nachdem Werner seinen Amtseid abgelegt und mit „So wahr mir Gott helfe“ abgeschlossen hat. Er ist der 19. Langener Bürgermeister seit 1810 und der siebte seit dem Zweiten Weltkrieg – und der erste seit 100 Jahren (die dunkle Nazi-Zeit ausgenommen), der nicht das Parteibuch der SPD hat. Werner ist Mitglied der CDU, war aber als unabhängiger Kandidat angetreten und hatte in der Stichwahl den Grünen Stefan Löbig deutlich geschlagen. „Mit solch einem eindeutigen Ergebnis geht eine gewisse Erwartungshaltung der Wähler einher“, betont Reinhold. „Die Bürgerschaft wird sehr genau beobachten, welche wichtigen Akzente du setzen wirst.“ Für seine Arbeit sagt der Stadtverordnetenvorsteher seinem Parteifreund die Unterstützung des entscheidenden Gremiums zu. „Denn wir wissen, dass am Ende die erfolgreiche Arbeit des Bürgermeisters unser aller Erfolg ist.“ In Langen werde stets sachbezogene Politik gemacht, hebt Reinhold hervor. „Die Zustimmung geht oft quer durchs Haus.“

Dass die Amtsübernahme mitten in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg stattfindet, klingt auch in allen anderen Reden und Grußworten an. „Corona hat die Rolle des Bürgermeisters neu definiert“, sagt Magistratsmitglied Frank Gottschling (SPD) bei der Verabschiedung von Frieder Gebhardt in den Ruhestand. „Das war kein sanfter Übergang, sondern du musstest noch mal Vollgas geben.“ Bis zum kommenden Dienstag, Gebhardts letztem Arbeitstag, sei der Terminkalender voll, weiß Gottschling.

Immer schön Abstand halten: die Stadtverordneten – hier stehend während der Vereidigung – bei der Amtseinführung des neuen Bürgermeisters.

Dass Gebhardt die Stadt in den vergangenen zwölf Jahren maßgeblich geprägt hat, wird in allen Grußworten hervorgehoben. So hat Langen einen weithin sichtbaren Wachstumskurs eingeschlagen, im Zuge dessen viele lange brachliegende Grundstücke bebaut wurden oder noch werden – mit der von Gebhardt angestoßenen Trennung von Gewerbe westlich und Wohnen östlich der Bahnlinie. „Er hat die Chancen genutzt, die Langens Top-Lage bieten“, lobt Erster Stadtrat Stefan Löbig. „Langen hat sich unter Ihrer Ägide zum Positiven entwickelt“, betont Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU).

Gleichzeitig machen die Redner deutlich, dass sie große Hoffnungen in seinen Nachfolger setzen. „Es ist günstig, dass Jan Werner Fachmann für Kommunalfinanzen ist“, findet Dr. Jürgen Dieter, Geschäftsführender Direktor des Hessischen Städtetags. Und Jäger sagt: „Ich bin überzeugt, dass Sie die komplexen Herausforderungen meistern werden.“ VON MARKUS SCHAIBLE

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