Bürgerversammlung bringt Transparenz in die Mülltrennung

Verbaler Tanz um die Biotonne

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Gesetz ist Gesetz: Über Sinn oder Unsinn der Biotonnen-Einführung wurde am Dienstagabend gar nicht erst diskutiert. Die Fragen aus dem Publikum bezogen sich eher auf Details. Heute Abend soll eine zweite Bürgerversammlung folgen.  

Langen - Über die Einführung der Biotonneinformieren die Kommunalen Betriebe (KBL) und die Stadt schon seit Monaten. Aber erstmals blickten KBL-Chef Manfred Pusdrowski und Bürgermeister Frieder Gebhardt dabei am Dienstagabend in die Augen von Langener Bürgern. Von Cora Werwitzke

Falls sie Gegenwind erwartet hatten, löste sich diese Befürchtung in Wohlgefallen auf: Die rund 80 Versammlungsteilnehmer hatten allenfalls Detailfragen.

„Ich gehe davon aus, dass heute eher diejenigen gekommen sind, die der Biotonne kritisch gegenüberstehen“, lässt Manfred Pusdrowski in seinen Begrüßungsworten anklingen. Im Verlauf der folgenden 45 Minuten, legt sich der KBL-Vorsitzende um so mehr dafür ins Zeug, Transparenz rund um die Biotonne zu schaffen und letzte Unklarheiten auszuräumen. Die Reaktionen im Publikum halten sich in Grenzen – einzig der Hinweis, dass die neue Tonne im Sommer besser im Schatten stehen sollte, beschwört im Rathaus-Sitzungssaal Gemurmel herauf. Der Tenor ist klar: „Ich wäre ja froh, wenn ich überhaupt Platz hätte“, raunt eine Frau ihrer Sitznachbarin zu.

Welche Behältergröße wird warum geliefert? Was gehört eigentlich in den Bioabfall? Und was hat’s mit der Nachbarschaftstonne auf sich? Vieles hören die Anwesenden nicht zum ersten Mal. Bei zwei Punkten nimmt die Konzentration im Saal aber merklich zu: Da wäre zum einen der ebenso interessante, wie für den Einzelnen an sich eher irrelevante Exkurs, wie der Biomüll im Kreis Offenbach weiter verwertet wird. Zum anderen erregt das Stichwort Müllgebühren berechtigte Aufmerksamkeit. „Wenn Sie im Zuge der Biotonnen-Einführung einen Antrag auf eine kleinere Restmülltonne stellen, können Sie unter dem Strich sogar Geld sparen“, wird Pusdrowski in seinem Vortrag nicht müde, zu wiederholen. Generell steigt der Leistungsanteil der Gebühr auf Restmüll freilich um 30 Prozent. Für alle, die schon jetzt einen 14-tägigen Abfuhrrhythmus haben und nicht aktiv werden, wird’s künftig also teurer.

Ansprechpartner aus dem Rathaus genannt

Eine zweite Bürgerversammlung zur Biotonne folgt heute – wiederum ab 19.30 Uhr im Rathaus.

Bei den abschließend an die Wand projizierten Namen von Ansprechpartnern im Rathaus und bei den Kommunalen Betrieben zückt der eine oder andere Besucher Kuli und Notizzettel. Auch die Tische mit diversem Infomaterial – darunter Anträgen auf Eigenkompostierung, das Biomüll-Abc und Merkblätter – sind am Ende weitgehend geplündert.

Raum schaffen die Veranstalter an diesem Abend explizit für Fragen. „Vor meiner Tür steht eine 120-Liter-Biotonne, obwohl wir noch fristgerecht einen Antrag auf Volumenreduzierung gestellt haben“, wendet sich ein Langener an die Riege von „Biomüll-Experten“ aus Stadtverwaltung und KBL, die inzwischen an der Frontseite des Saals Platz genommen hat. Die Antwort beruhigt ihn: Der Austausch erfolge automatisch, die „Korrektur-Phase“ laufe bald an. „Von Nachfragen bitten wir in diesen Fällen abzusehen, weil sonst das Telefon bei uns gar nicht mehr stillsteht“, ergänzt Pusdrowski.

„Kann ich auch zwei Biotonnen haben? Darf Küchenrolle in den Bioabfall und inwieweit ist Grünschnitt okay?“ – lauten weitere Fragen, denen schnell beizukommen ist. Keine präzise Ansage können die Veranstalter lediglich einem Besucher machen, der auf die spezielle Lage in einem Wohnkomplex an der Elisabethenstraße hinweist: „Wir sind 150 Personen, für mehrere 240-Liter-Biotonnen haben wir gar keinen Platz.“ Das sei kein Einzelfall, signalisiert die Expertenrunde. „Bei Großwohnanlagen gestaltet sich die Einführung der Biotonne in der Tat schwierig“, räumt Pusdrowski ein. Seinen Worten nach helfen am ehesten individuelle Absprachen mit den Hausverwaltungen.

Bevor sich die Versammlung auflöst, gibt’s noch einen augenzwinkernden Hinweis mit auf den Weg: Bitte im Eifer noch nicht mit der neuen Mülltrennung beginnen – „die erste Abfuhr ist schließlich erst am 2. März.“

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