Online-Teamarbeit im Turbomodus

Studenten aus Langen entwickeln digitale Plattform, die Landwirte und Erntehelfer zusammenbringen soll

Das Team des Hackathon-Projekts „Ernteretter“, in dem Jonathan Kinzel und Hannah Schiller aus Langen mitmachten, traf sich nur virtuell zur Zusammenarbeit.
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Das Team des Hackathon-Projekts „Ernteretter“, in dem Jonathan Kinzel und Hannah Schiller aus Langen mitmachten, traf sich nur virtuell zur Zusammenarbeit.

„#WirVs. Virus“, also „Wir gegen das Virus“, lautete das Motto des sogenannten Hackathons, den die Bundesregierung am letzten März-Wochenende veranstaltet hat. Auch zwei Studenten aus Langen waren dabei.

Langen - Die Idee der Veranstaltung (die Wortschöpfung setzt sich aus den Begriffen Hack(en) und Marathon zusammen): Bundesweit können Freiwillige sich über bereitgestellte Online-Portale zusammenschließen und innerhalb von 48 Stunden Lösungsansätze für ein durch die Coronakrise ausgelöstes Problem herausarbeiten. Eines davon ist das erfolgreiche Projekt „Ernteretter“, an dem auch die beiden Langener Hannah Schiller und Jonathan Kinzel beteiligt waren.

„Es gab viele tolle Projekte während des Hackathons, doch unser Team war eins der wenigen, welches die Idee bis zum Ende durchgebracht und somit vollständig realisiert hat“, erzählt Hannah Schiller. Sie und Jonathan Kinzel, die sich unter anderem aus ihrer gemeinsamen Arbeit bei der Evangelischen Kirchengemeinde Langen kennen, arbeiteten mit etwa 15 weiteren Personen an ihrem Projekt „Ernteretter“. Die Teilnehmer sind einander zumeist unbekannt: Sie sitzen in ganz Deutschland verteilt und kommunizieren über das Internet. Die Langenerin erklärt, worum es in dem Projekt geht, an dem die beiden Studenten ein Wochenende intensiv gearbeitet haben: „Aufgrund der Schließung der Grenzen im Zuge der Coronakrise stehen Landwirte derzeit vor dem Problem, dass sie nicht genug Helfer für ihre Ernte haben. Wir haben hierfür eine eigene Internetplattform geschaffen, auf der sowohl Landwirte selbst als auch Interessierte sich für eine mögliche Zusammenarbeit anmelden können“, so Schiller.

Eine solche Plattform existiert zwar bereits, doch man hat gemeinsam festgestellt, dass sie nicht besonders benutzerfreundlich ist. „Wir wollten das ganze Prozedere für diejenigen, die sich anmelden müssen, einfacher gestalten“, sagt Kinzel.

Die Website wurde innerhalb von nur 48 Stunden aus dem Boden gestampft. Ziel des Hackathons der Bundesregierung war es nämlich, innerhalb von nur zwei Tagen Ideen zu Softwarelösungen zu finden. „Wir haben wirklich fast rund um die Uhr an der Idee gearbeitet“, erzählt Kinzel. „Am Ende unseres Hackathons konnte ein funktionierendes Portal online gehen. Darauf war unser ganzes Team sehr stolz.“

Die Gruppe, die am Projekt „Ernteretter“ mitarbeitete, setzte sich aus den verschiedensten Altersklassen und Berufszweigen zusammen. „Wir hatten Entwickler, Designer und Studenten in unserem Team – alle möglichen Leute waren hieran beteiligt“, erläutert Kinzel die Zusammensetzung. „Es war eine unfassbar ereignisreiche Erfahrung, mit so vielen Leuten zusammenzuarbeiten, die man überhaupt nicht kennt“, ergänzt Schiller. Das habe erstaunlich gut funktioniert. Die Bundesregierung stellte hierfür verschiedene Tools zur Verfügung, über die man von der Ideenfindung bis hin zur konkreten Realisierung in Videokonferenzen miteinander kommunizieren konnte. „Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie man sich im digitalen Medium auch für große Projekte organisieren kann“, resümiert Kinzel.

Am Projekt „Ernteretter“ arbeiteten auch zwei Langener mit.

Die neue Website von „Ernteretter“ bietet eine Menge verschiedener Funktionen, die es allen Interessierten sehr leicht macht, sich für eine Zusammenarbeit anzumelden. „Wir finden sie sehr übersichtlich und leicht zu bedienen“, sagt Schiller. Kinzel ergänzt: „Es gibt außerdem die Möglichkeit der direkten Kommunikation, die wir auf dem anderen Portal zum Beispiel vermisst haben.“ Dass das Projekt nun weiter von der Bundesregierung unterstützt wird, ist unwahrscheinlich – wenn auch aus einem eigentlich erfreulichen Grund. „Wir haben uns zwar für die weitere Förderung beworben, doch da unsere Plattform bis auf wenige Details komplett fertig ist, ist es unwahrscheinlich, dass wir hierfür aufgenommen werden“, so das Duo.

Dranbleiben wollen Hannah Schiller, Jonathan Kinzel und weitere Teammitglieder dennoch. Die Website basiert auf Open-Source, was bedeutet, dass sie auch für andere Lösungsansätze beliebig angepasst werden kann. Das Ende der Möglichkeiten ist also noch lange nicht erreicht.

„Wir können und wollen unsere Plattform stets optimieren“, erklärt Schiller. „Es hat außerdem so viel Spaß gemacht und uns so erfüllt, dass wir das Projekt nun nicht einfach abschließen und liegenlassen.“ Sie hoffen nun aber zunächst einmal, dass sich viele Interessierte und Landwirte über ihre neue Plattform kennenlernen und zusammenfinden.

Infos gibt es in Internet auf der Homepage des Projekts "Ernteretter"

VON JULIA LOTZ

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