Reparatur nicht mehr möglich

Dach der Stadtkirche in Langen wird vollständig und mit einigem Aufwand erneuert

Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass im Sommer 2019 ein heftiges Unwetter im Kreis wütete, das auch in Langen Bäume umknickte und Dächer anhob. Das Dach der Stadtkirche wurde damals ebenso in Mitleidenschaft gezogen, doch beim genaueren Hinsehen fiel den Verantwortlichen im Kirchenvorstand und im Bauausschuss der Evangelischen Kirchengemeinde ein Stein vom Herzen: Die Schäden waren so minimal, dass sie ohne Weiteres ausgebessert werden konnten.

Dennoch kamen Pfarrer Christian Mulia und Matthias Wildemann, Vorsitzender des Bauausschusses, nun zu dem Schluss, dass Vorschäden aus früheren Stürmen und der Zahn der Zeit eine Komplettsanierung des Kirchendachs unumgänglich machen. Schon ein Gutachten des Sachverständigen und Dachdeckermeisters Ludwig Held aus Reinheim hatte im November 2018 Handlungsbedarf bescheinigt: Detailliert wird dort mit vielen Fotos auf fehlende und gebrochene Dachplatten, auf marode Anschlussstellen in den Kehlen und an das aufgehende Mauerwerk des Turms und der Schildgiebel hingewiesen.

Verrostete Haken für Dachdeckerleitern sowie die Schneefanggitter seien zu erneuern, die Sandsteinabdeckungen auf den Giebeln mitsamt der Mauerwerksfugen zu überprüfen. Fazit des Gutachters: „Die gesamte Dacheindeckung hat die mögliche Nutzungsdauer und ihre technische Liegezeit erreicht. Erforderliche Reparaturen sind nicht mehr wirtschaftlich darstellbar.“

Wie Frank Oppermann, Mitautor am Jubiläumsband der Stadtkirche 2008, weiß, stammt die Dachdeckung aus dem Jahr 1959, als die Kirche zum vorletzten Mal saniert und umgestaltet wurde. „Nach mehr als 60 Jahren“, entschieden die Verantwortlichen, „können wir nicht mehr reparieren, sondern müssen eine neue Gesamtdachdeckung aufbringen.“

Daraufhin gründete sich ein Arbeitskreis, dem Pfarrer Mulia, Mitglieder des Bauausschusses sowie ein Vorstandsmitglied des Vereins der Freunde der Stadtkirche angehören. Zusammen mit dem Referat Bauwesen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wird er die Organisation der Baumaßnahme bewerkstelligen. Mehrere Architekturbüros wurden eingeladen, die Erfahrungen mit Baumaßnahmen dieser Art haben. Den Auftrag erhielt schließlich Andreas Hein aus Darmstadt in Zusammenarbeit mit Christiane Thomas aus Dreieich.

Doch bevor mit Ausschreibung und Vergabe begonnen werden konnte, mussten grundlegende Detailarbeiten ausgeführt werden. Der Abfluss der Fallrohre in den Kanal wurde bereits repariert, die Blitzableiteranlage überprüft, Gespräche mit Ordnungsamt, Wochenmarktverantwortlichen und Nachbarn begonnen und die Baustelle geplant. Wahrscheinlich wird das Pflaster vor der Kirche für Anlieferung und Umladen von Gerät und Material benutzt, da die Zufahrt zum früheren Kirchschulhof direkt neben dem Kirchturm für größere Fahrzeuge zu eng ist.

Das Hauptschiff mit den Seitenschiffen und die Querschiffe werden eingerüstet. Zwischen den Bäumen des Kirchhofs und an der Kirchgasse werden die Gerüsttreppen aufgebaut. Viel schwieriger als die Dachsanierung selbst sei „die Organisation der Baustelle und ihre Einrichtung“, hat Architekt Hein bereits festgestellt.

Die Gerüstbauarbeiten sollen noch in dieser Woche beginnen, insgesamt dürfte die Dachsanierung um die sechs Monate in Anspruch nehmen, so Oppermann. Welche Auswirkungen sich für Weihnachtsmarkt und -gottesdienste ergeben, will die Gemeinde zu gegebener Zeit kommunizieren.  msc

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