Karriere 

Flugverkehr wächst rasant: Flugsicherung braucht dringend Nachwuchs

Einblicke in die Welt der Luftfahrt: Lehrgangsleiter und Towerlotse Martin Diehl (rechts) erklärt Besuchern des Recruiting Days der DFS im Tower-Simulator seine Arbeitsweise. Foto: Dieler

Um der stetig steigenden Flugzahlen Herr zu werden, braucht auch die Deutsche Flugsicherung in Langen qualifizierten Nachwuchs. Auf dem Recruiting Day haben sich rund 2 000 Anwärter über die Berufschancen bei der DFS informiert. 

Langen – Nicht nur am Himmel über dem Rhein-Main-Gebiet gibt das dichte Netz von Kondensstreifen einen Eindruck vom stetig wachsenden Flugverkehr. Allein am Flughafen Frankfurt werden pro Tag rund 1 300 Starts und Landungen abgefertigt; dazu kommen täglich mehr als 4 500 Maschinen, die Deutschland überfliegen. Damit es auch in Zukunft in diesem scheinbaren Chaos keine Zwischenfälle gibt, sucht die Deutsche Flugsicherung (DFS) ständig Nachwuchs in verschiedenen Bereichen. „Deshalb muss auch die DFS wachsen“, meint Dr. Michael Hann, Personalgeschäftsführer und Arbeitsdirektor der DFS. „Und wir brauchen die Besten der Besten, denn Flugsicherung ist nicht irgendein Job: Es geht darum, Jahr für Jahr mehr als drei Millionen Flüge sicher ans Ziel zu bringen.“

Recruiting Day bei der Deutschen Flugsicherung (DFS)

Den Interessierten bieten beim Recruiting Day zwölf auf dem DFS-Campus verteilte Stationen die Möglichkeit, sich an Informationsständen und bei Vorträgen ein besseres Bild von ihrem angestrebten Beruf zu machen. Nach Anmeldung können die Besucher der Deutschen Flugsicherung (DFS) mit VR-Brille in 360-Grad-Simulationen eintauchen, am Sprechfunk üben oder sich einer von vielen Führungen über das Betriebsgelände anschließen. Besonders beliebt sind die Simulationsräume, in denen die angehenden Fluglotsen den zukünftigen Alltag erproben und mit Gefahrensituationen konfrontiert werden. „Von Vogelschlägen bis brennenden Triebwerken können wir jeden Notfall nachstellen“, erklärt Lehrgangsleiter und Towerlotse Martin Diehl.

Neu ist ein dualer Studiengang auch für Fluglotsen. Dank einer Kooperation mit der Hochschule Worms können diese für 18 Monate „Air Traffic Management“ studieren, bevor sie die klassische Lotsenausbildung absolvieren. So soll der Beruf attraktiver werden.

Seit Oktober gibt es die Ausbildung zum Towerlotsen

Santiago Márquez befindet sich seit Oktober in der Ausbildung zum Towerlotsen und lobt die Praxisbezogenheit: „Am Anfang ist es noch viel Theorie. Dann gehen wir aber direkt in den Simulator und setzen das um, was wir am vorigen Tag gelernt haben.“ Angst vor der Verantwortung habe er nicht: „Die ersten Monate im Tower werden am Anfang komisch sein. Aber wir sind dann gut genug für den Ernstfall ausgebildet.“

Dass Azubis wie Márquez an den Ständen vor Ort beraten, gefällt auch den Besuchern. „Es ist schön, dass die Leute hier sehr direkt sind und konkrete Auskünfte geben, wenn man sie etwa nach ihrem Gehalt fragt“, findet Madeleine Feldges. Die 17-jährige Abiturientin interessiert sich für Informatik und strebt einen Job als Fluglotsin oder im IT-Bereich an. Dass Informatik als Männerdomäne gilt, habe sie bei der Entscheidung nicht beeinträchtigt: „Das ist mir ziemlich egal. Jeder soll das machen, was ihm Spaß macht.“

Zur Flugsicherung gehören aber nicht nur die rund 400 Lotsen in den Flughafentowern und 1 800 Lotsen in den Kontrollzentren. Thomas Machate, Ausbildungsleiter für die technischen und kaufmännischen Berufe an der DFS, ist auf dem „Recruiting Day“ auf der Suche nach jungen Ingenieuren, Informatikern und Managern. „Wir konzentrieren uns weniger auf den Abiturschnitt als auf die Noten in den Schwerpunktfächern. Entsprechende Aktivitäten im privaten Bereich sind ebenfalls gern gesehen“, präzisiert Machate die Anforderungen.

DFS: Arbeitsalltag reinschnuppern

Eine Bewerberin könnte Lara Lohrengel werden. Die BWL-Studentin informiert sich über Praktika im kaufmännischen Bereich, begeistert sich aber auch für die Arbeitsweise ihrer vielleicht zukünftigen Kollegen: „Vorhin habe ich mir den Simulator angesehen. Einen Eindruck von dem Arbeitsalltag der Fluglotsen zu bekommen war sehr interessant.“

In den vergangenen Jahren habe sich jedoch viel gewandelt, sagt Martin Diehl. Nach 17 Jahren im Frankfurter Tower hat er einige Veränderungen miterlebt, etwa durch Bauvorhaben wie der neuen Landebahn Nord oder aktuell des Terminals 3. „Auch die steigenden Flugbewegungen und der Drohnenverkehr stellen die Lotsen vor neue Herausforderungen. Aber wir haben auch immer modernere Systeme.“ Das Nachtflugverbot mache sich ebenfalls bemerkbar: „In den letzten zwei Abendstunden herrscht ein hoher Druck, weil alle noch schnell starten und landen wollen“. Trotzdem wirbt er gerne für seine Arbeit: „Es bleibt ein toller Job. Ich habe meine Berufswahl nie bereut.“

VON PAUL DIELER

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