Prozessauftakt

Schwerer Fund: Polizei erwischt Drogendealer-Bande vor Toom-Getränkemarkt

Marihuana
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Kiloweise Drogen hatten die Angeklagten bei ihrer Festnahme in Langen dabei.

Bei der Übergabe einer Lieferung von knapp 120 Kilogramm Drogen am 26.10.2019 griff die Polizei in Langen zu. Jetzt stehen die Angeklagten vor Gericht - mit Hindernissen.

Langen ‒ Zuerst fehlt eine Schöffin, dann legen Anträge der Verteidiger die Verhandlung auf Eis - ein Prozessauftakt mit Hindernissen. Nach nur einer Stunde Sitzung muss die Zweite Strafkammer des Landgerichts Darmstadt drei mutmaßliche Straftäter wieder zurück in Untersuchungshaft schicken.

Die Anklagen lauten: bandenmäßiger Handel mit Betäubungsmitteln, Bedrohung und Ausbeutung einer Prostituierten.

Vor Toom-Getränkemarkt: Polizei erwischt Dealer-Bande mit 120 Kilo Drogen

Bei der Übergabe einer Lieferung von 79 Kilogramm Haschisch und 42 Kilogramm Marihuana am 26.10.2019 griff die Polizei zu. Sie erfolgte auf dem Parkplatz des Langener Toom-Getränkemarkts. Neben vier weiteren Beteiligten der Dealerbande wurde ein Angeklagter aus Eltville (28) festgenommen, die zwei anderen aus Hanau und Wiesbaden (22 und 44 Jahre) stammenden Männer spürte man am gleichen Tag in der Landeshauptstadt auf.

Die weiteren Beteiligten, darunter eine Frau, wurden bereits vor zwei Wochen von der gleichen Strafkammer verurteilt. Sie erhielten hohe Haftstrafen: zwischen zweieinhalb und fünf Jahren und neun Monaten. Sie waren allesamt Beihelfer.

Drogendealer-Bande aus Langen vor Gericht: Männer seit über einem Jahr in Untersuchungshaft

So kann man sich ausrechnen, was die drei Angeklagten nun erwartet – denn diesmal geht es bei mindestens zwei von ihnen um handfeste Mittäterschaft, nicht nur um Fahrerdienste. Zweistellige Gefängnisstrafen sind nicht ausgeschlossen.

Auf dem Parkplatz des Toom-Getränkemarktes in Langen (siehe Karte) wurde die Dealerbande im Oktober 2019 mit knapp 120 Kilo Drogen von der Polizei erwischt. Erst kürzlich wurde in Dietzenbach ein 16-Jähriger wegen Drogenbesitzes zu 12 Monaten auf Bewährung verurteilt. Auch in Offenbach musste sich ein Drogendealer dem Gericht stellen.

Doch zunächst muss geklärt werden, ob der Prozess vor dem Landgericht überhaupt weitergeht. Seit über einem Jahr sitzen die Männer in Untersuchungshaft, die Zeit drängt also. Doch gibt der Vorsitzende Richter Marc Euler den Anträgen der Verteidiger statt, dann würde sich der Prozess um bis zu vier weitere Monate verzögern.

Schwerer Drogenfund: Dealer-Bande aus Langen soll der Prozess gemacht werden

Das Problem: fehlende Akteneinsicht der Angeklagten in monströse 53 Gigabyte Datenmenge – das sind Ermittlungsergebnisse aus der umfangreichen Telekommunikationsüberwachung von Zollfahndung und Landeskriminalamt. „Ich habe die Dateien auf einer externen Festplatte, doch die darf ich nicht in die JVA mitbringen. Ich müsste die Dateien auf den Rechner spielen und gemeinsam mit meinem Mandanten anhören, was zeitlich unmöglich ist“, erklärt Verteidiger Hans-Jürgen Borowsky empört. Sein Kollege stimmt dem zu.

Manche fehlenden Akten seien erst vor drei Wochen von der Staatsanwaltschaft zugestellt worden, seiner Meinung nach viel zu spät. Aus diesem Grund lehnt Borowsky auch gleich die Staatsanwältin selbst wegen Befangenheit ab, die sich aber keiner Schuld bewusst ist: „Ich habe niemals die Rechte der Verteidigung beschneiden wollen, sondern dem Gericht sämtliche Unterlagen zur Verfügung gestellt.“ Sie habe, wie bei jedem Verfahren, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Jetzt bleibt abzuwarten, ob die nächste Sitzung wie geplant am 23. November stattfinden kann. Termine sind bis Ende Februar geplant.

Dealerbande aus Langen auf Parkplatz von Toom-Getränkemarkt erwischt: Kann der Prozess weitergehen?

Die Dealerbande soll zwischen September 2018 und Oktober 2019 immer wieder größere Mengen an Cannabis von Spanien ins Rhein-Main-Gebiet eingeführt haben. Die vielen Kisten ließen sie auf Paletten mithilfe einer Spedition transportieren. Anfang 2019 wurde ein polnischer Fahrer misstrauisch und verständigte die Polizei, die daraufhin 67 Kilogramm Marihuana beschlagnahmte. Die Täter wurden nicht erwischt, bedrohten anschließend aber den Polen und seine Familie massiv wegen der verloren gegangenen Ladung.

Der Jüngste der drei Männer soll außerdem im gleichen Zeitraum als Zuhälter eine Prostituierte ausgebeutet haben. Er verlangte immer höhere Einnahmen, reichten ihm diese nicht, schlug er zu. Im Herbst 2018 soll er die Frau mit dem Kopf gegen eine Autoscheibe gedrückt, gewürgt und mit einem Elektroschocker malträtiert haben. (Silke Gelhausen)

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