Beste Kelterer gesucht

Apfelwein und Aussicht

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Willkommene Abwechslung zwischen den Probedurchgängen: Das Stadtwerke-Kasino bietet einen tollen Ausblick auf die abendliche Mainmetropole.

Langen - Ritterehre ist Ritterpflicht. Zumindest einmal im Jahr. Denn immer kurz vor dem Ebbelwoifest kommen die Ebbelwoiritter zusammen, um per Geschmackstest festzulegen, wer den aktuell schmackhaftesten Apfelwein gekeltert hat. Von Markus Schaible 

Zu Beginn heißt es für die neuen Ritter (also die „Oigeplackten“, die vergangenes Jahr bei der Ebbelwoidaaf zu echten Langenern getauft wurden), sich zu erheben und den anderen zu zeigen. Aufstehen dürfen Dr. Cornelia Pelz, Elvira Schwarz, Jörg Buxbaum und ich, denn vergangenes Jahr wurden bekanntlich der Karikaturist und der Lokalredakteur unserer Zeitung in den erlauchten Kreis aufgenommen. Erstmals also kommen wir in den Genuss dieser illustren Veranstaltung, deren Zweck einzig und allein ist, den Ebbelwoikönig und die -prinzen zu küren. Und das kann nur werden, wessen Stöffche beim Geschmackstest überzeugt.

Nun bin ich angesichts meiner badischen Abstammung kein ausgewiesener Fachmann für den Apfelwein, doch schon beim Betreten des Stadtwerke-Kasinos winkt mich einer, der sich auskennt, zu sich: Joachim Knapp stammt zwar ebenso wie ich aus Baden-Württemberg, ist aber als Vorsitzender der Stöffchemacher ausgewiesener Fachmann. Und damit es politisch korrekt zugeht (Knapp ist auch SPD-Vorsitzender), sitzt zu meiner anderen Seite Ulrich Vedder von der CDU ...

Vor mir steht schon kurz darauf ein Geripptes, zwei Finger breit befüllt mit Ebbler. Die Verantwortlichen vom Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) kommen ohne große Umschweife zur Sache: Probieren ist angesagt. 24 Kelterer haben ihren Wein eingereicht – mehr, als Brunnenwirt Heinz-Georg Sehring angesichts der vergangenes Jahr geringen Apfelernte erwartet hatte. Doch selbst aus Bayern und der Rhön wurden Ebbel herangekarrt, um sie in Langen zu keltern, weiß er.

Ich greife zum Glas, rieche – und stelle es sofort wieder hin. Auch neben mir erstaunte Bemerkungen. „Das muss am Glas liegen“, denke ich, nehme ein unbenutztes und schnuppere daran. Es liegt nicht am Glas – Ebbelwoi Nummer eins (es ist natürlich eine Blindverkostung) riecht nach Pferdemist oder so ähnlich. Zum Glück schmeckt er nicht so – gut aber auch nicht.

Von Knapp habe ich mir inzwischen sein Bewertungssystem abgeschaut. Drei Kategorien: Farbe, Geruch, Geschmack, dazu Schulnoten. Dann die Farbe einfach, den Geruch doppelt und den Geschmack dreifach gerechnet – und am Ende liegen die niedrigsten Ergebnisse vorn. Probe Nummer eins liegt bei mir letztlich ganz hinten, nur ein zweiter Ebbler schmeckt für meinen Gaumen ähnlich schlecht.

44. Ebbelwoifest in Langen: Fotos

Und so probiert sich die eine Hälfte der mehr als 50 anwesenden Ritter in Runde eins durch die Proben eins bis zwölf, die andere darf den Rest kosten. Sehr schnell bemerke auch ich, dass es große Unterschiede gibt. Manch einer schmeckt nach wenig, andere haben Charakter – manch einer so viel, dass ich den Rest nach einem kleinen Schluck gleich in das bereitstehende Gefäß kippe. Ich bin nicht der Einzige ...

Nach der Hälfte der Proben folgt der Werbeblock, nicht für Ebbler, sondern für Lesestoff: Heribert Gött nutzt die Halbzeitpause, um das VVV-Jubiläumsbuch vorzustellen. Und schon geht’s weiter. Wir erheben das nächste Glas, schnuppern, trinken. „Man kann ihn trinken“, befindet Knapp, „aber ich bin froh, dass ich ihn drinnen habe.“

Kritischer Blick: Neben dem Geschmack bewertet Joachim Knapp auch Farbe und Geruch des Apfelweins.

Jeweils die vier Apfelweine pro Gruppe mit den meisten Stimmen kommen in die Endrunde – und die Probiererei beginnt von vorne. Immer wieder versuche ich, mit Sprudelwasser und Brezel meinen Geschmack zu neutralisieren, was nach manch einem Stöffche gar nicht so leicht fällt. Doch letztlich komme ich zu einem offenbar ganz guten Ergebnis: Drei der vier Apfelweine, die jeweils eine meiner vier Stimmen erhalten, sind auch unter den ersten Vieren. Scheint so, als habe ich meine Sache nicht so schlecht gemacht...

Bilder: Ebbelwoifest in Langen

Das Ergebnis ist selbstverständlich Geheimsache und wird erst am morgigen Freitag um 19 Uhr am Brunnen gelüftet. Verraten darf ich aber, dass in einem Fall gleich dreimal nachgezählt wurde, denn das Ergebnis ist so eng wie wohl noch nie: Jeweils nur eine Stimme trennen die Plätze eins, zwei und drei und auch der Vierte liegt nur knapp dahinter.

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