Schritt zurück zur Normalität

In Langen und Egelsbach bereiten sich Händler auf Öffnung ihrer Geschäfte vor

Viele Einzelhändler sehnen den Wiedereröffnungen entgegen.
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Viele Einzelhändler sehnen den Wiedereröffnungen entgegen.

Für viele Händler bedeuteten die Schließungen wegen Corona eine große Umstellung. Aber auch die Öffnungen werden nicht nur einfach.

Langen/Egelsbach – Ab Montag dürfen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern wieder öffnen – natürlich nur unter Sicherheitsauflagen, um die Pandemie weiter einzudämmen. Trotzdem atmen viele Einzelhändler in Langen und Egelsbach nach schwierigen Wochen jetzt auf.

Schuh Werkmann von Ralph Grünewald, der das Stammhaus Werkmann Schuhe & Sport in Egelsbach und Quick Schuh in der Langener Bahnstraße betreibt, konnte in den vergangenen Wochen nur liefern. „Das wurde aber super angenommen und der Bringservice hat angenehm funktioniert“, sagt Ute Grünewald. „Das rettet uns natürlich nicht, aber wir sind so nicht in Vergessenheit geraten – und es hat Spaß gemacht“, sagt sie. Mit der Öffnung der Läden muss der Bringservice aber eingestellt werden. „Das schaffen wir einfach personell nicht.“

Das Inhaberpaar hat für Desinfektionsmittel, Spuckschutz an der Kasse und Abstandsmarkierungen auf dem Boden gesorgt. „Außerdem tragen wir alle Mundschutz“, sagt Grünewald. Nach den Vorgaben dürften sie bei je rund 300 Quadratmetern Fläche 15 Kunden parallel in die Läden lassen. „Das finden wir aber zu viel, wir werden es auf zehn Personen beschränken.“ Konkrete Anweisungen von der Stadt habe es nicht gegeben. „So schnell wie die Schließung kam, geht jetzt auch die Öffnung. Wir fühlen uns ziemlich alleingelassen“, sagt Grünewald. An Schutzmaterial zu kommen, sei schwer. „Es ist toll, dass wir wieder öffnen können, aber wir sind wie viele Händler etwas überfordert“, sagt sie.

Ältere Kunden werden noch auf sich warten lassen

Öffnen dürfen auch wieder Buchhandlungen – unabhängig von der Verkaufsfläche. „Das ist eine große Erleichterung für uns – trotz der Beschränkungen“, sagt Beate Neiß, Inhaberin von litera. „Wir sind ab Montag wieder zu den normalen Öffnungszeiten da, allerdings dürfen nur drei Kunden gleichzeitig in den Laden.“ Überdies habe sie einen Spuckschutz für den Kassenbereich bestellt. Mundschutz tragen sie und ihre Mitarbeiterin nur, wenn sie beraten, sonst dient die Theke als Abstandshalter. Auf die Auslage vor dem Laden verzichtet sie. „Da kann ich nicht kontrollieren, ob jemand etwas anfasst“, so Neiß.

Sie habe die Pressekonferenz der Landesregierung verfolgt und sich im Internet über die Vorgaben informieret. „Aber es ist alles sehr schwammig“, sagt Neiß. „Wir befolgen die Empfehlungen, das ist ja in Sinne von uns und unseren Kunden.“

Der Lieferservice und die Abholstation bei „Bentrup Tee & mehr“ ein paar Meter weiter auf der Bahnstraße sei sehr gut angenommen worden. „Das ist ein ganz anderes Arbeiten, der Kundenkontakt fehlt einfach“, sagt Neiß, die nachmittags mit ihrem Team kontaktlos Bücher ausliefert. „Und ich muss ehrlich sagen, Liefern ist ein Knochenjob“, so Neiß. Die Lieferungen wolle sie weiter anbieten, aber nur noch an ein oder zwei festen Tagen. Denn vor allem ältere Menschen werden sich wohl nicht gleich wieder ins Geschäft trauen, glaubt Neiß.

Viele Händler freuen sich über Wiedereröffnung

Auch die Pure Boutique von Ute Kanstinger darf wieder öffnen. „Ich freue mich natürlich“, sagt die Inhaberin des kleinen Geschäfts auf der Frankfurter Straße. Sie hatte bewusst aufgehört, Nachrichten zu Corona zu verfolgen. „Ich habe es erst mitgekriegt, als meine Mädels meinten: ,Du darfst wieder aufmachen‘“, sagt Kanstinger. Sie habe Mundschutz und Desinfektionsmittel besorgt. „Aber in meinen kleinen Laden kommt meist eh nur eine Person – notfalls muss die nächste draußen warten.“

Beim Kaufhaus Braun war bis Redaktionsschluss noch nicht klar, ob es am Montag wieder öffnen darf. Das Erdgeschoss des Traditionsgeschäfts auf der Bahnstraße liegt genau an der kritischen 800-Quadratmeter-Grenze. Man müsse das nun mit der Stadt klären, sagt Geschäftsführer Christoph Braun. „Wir bereiten uns auf jeden Fall vor und würden uns freuen, wenn wir ab Montag wieder Kunden begrüßen können.“

VON JULIA RADGEN

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