Auseinandersetzung vor Gericht

Bei „Notwehr“ Gesicht zertrümmert

Langen/Egelsbach - Obwohl er bei der Auseinandersetzung mit einem 29-Jährigen deutlich schlimmere Verletzungen davongetragen hatte als das vermeintliche Opfer, musste sich ein 53-jähriger Langener wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht verantworten. Von Sina Beck 

Nach dem zweiten Verhandlungstag fiel jedoch der Beschluss: Verfahren eingestellt. Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, am 2. März 2017 gegen 22 Uhr eine tätliche Auseinandersetzung angezettelt zu haben. Wie die Schlägerei in der Gartenstraße zwischen dem Langener und seinem Kontrahenten aber tatsächlich zustande gekommen war, schilderten der Beschuldigte und der mutmaßlich Geschädigte völlig unterschiedlich. Zweifelsfrei geklärt werden konnte die Angelegenheit auch am zweiten Verhandlungstag nicht.

Fest steht: Der jüngere Mann, der nach eigenen Angaben nur „in Notwehr“ gehandelt hat, überstand die Auseinandersetzung praktisch unverletzt. Der Angeklagte hingegen musste anschließend im Krankenhaus neun Stunden lang operiert werden. Sein Gesicht musste mit zahlreichen Titanplatten wieder hergestellt werden.

Weitere Zeugen bestätigen nun, was der 53-Jährige und seine Ehefrau zuvor angegeben hatten: Kurz hinter der Ausfahrt aus dem Kreisel am Lutherplatz habe das Paar mit seinem SUV am Bordstein angehalten, woraufhin auch der hinter ihnen fahrende 29-Jährige seinen Pkw stoppte. Ein Eventmanager aus Egelsbach gibt an, dass der Golf dabei so die Straße blockierte, dass er selbst nicht vorbeifahren konnte. Der Angeklagte sei dann aus seinem Auto ausgestiegen und habe sich in das Fahrzeug des 29-Jährigen gelehnt. Daraufhin sei dieser ebenfalls ausgestiegen und es habe „einen schnellen, harten Kampf“ gegeben, bei dem der 53-Jährige keine Chance gehabt habe, so der Egelsbacher weiter.

Ob der Angeklagte seinem Kontrahenten zuvor im Auto einen Faustschlag versetzt hatte, wie es das mutmaßliche Opfer behauptet hatte, konnte der Zeuge nicht bestätigen. Sicher ist lediglich, dass der 29-Jährige eigentlich keinen Grund zum Halten gehabt hätte, da der SUV des Angeklagten die Straße nicht blockierte, erzählt der Polizeibeamte, der am Tattag vor Ort war. Wie auch weitere Zeugen sagt er zudem aus, dass der Golffahrer lediglich eine Platzwunde am Handrücken, aber keine Verletzungen im Gesicht gehabt habe.

Archivbilder

Bilder: Prozess gegen Hells Angel

Vorausgegangen sein soll dem Ganzen ein Vorfall kurz zuvor vor einem Dönerladen ein paar Straßen weiter: Dort habe der jüngere Mann mitten auf der Straße angehalten, um sich aus dem Auto heraus mit einem Freund zu unterhalten – und auf diese Weise den Verkehr behindert. Schon dort soll es zu Gesten und Beleidigungen gekommen sein. Danach sei, so hatten der Angeklagte und seine Frau am ersten Verhandlungstag berichtet, der 29-Jährige hinter ihnen hergerast und habe sie bedrängt. Nur deshalb habe sie überhaupt angehalten, so die 52-jährige Ehefrau.

Nachdem Richter Kilian Ochs die Beweisaufnahme geschlossen hat, werden sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft angesichts der unklaren Sachlage schnell einig und es ergeht der Beschluss, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. 500 Euro hat der Angeklagte an die Nieder-Ramstädter Diakonie zu zahlen.

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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