Elektro-Komfort als Hausaufgabe

Stadtwerke setzen auf Investitionen in die Infrastruktur 

Am Rathaus stehen vier der bislang elf Langener E-Ladepunkte.
+
Am Rathaus stehen vier der bislang elf Langener E-Ladepunkte. Foto:

Elektromobilität. Ein Wort wie Donnerhall – erst recht, wenn es im gleichen Atemzug mit „Klimawandel“ ausgesprochen wird. Gerade erst hat der deutsche Autobauer mit dem Stern einen spektakulären Prototypen zur schönen neuen Elektrowelt enthüllt.

Langen/Egelsbach - Die ganze Branche vollzieht so spektakulär wie finanzgewaltig die 180-Grad-Wende und ihre schillerndste Adresse –  Tesla – fügt ihrer Gute-Zeiten-Schlechte-Zeiten-Geschichte gerade mal wieder ein euphorisches Kapitel hinzu, in dem sogar der deutsche Osten Nutznießer sein soll.

Was will man so geballter Euphorie entgegensetzen? Den Blick auf die lokalen Realitäten womöglich. Dass sich in Langen wie in Egelsbach der Umstieg auf Elektroautos und Hybride in Grenzen hält, liegt zum einen an den trotz Förderprogrammen happigen Preisen im Vergleich zu Diesel- und Benzinautos, aber vor allem am fragwürdigen Komfort, permanent Reichweite und Ladestandorte im Hinterkopf haben zu müssen.

Man kann das Ganze optimistisch kommentieren, wie es beispielsweise Langens Erster Stadtrat tut. „Die meisten täglichen Fahrten, gerade im Stadtgebiet, können heute sehr wohl mit dem Elektroauto zurückgelegt werden“, ist Stefan Löbig überzeugt.

Es ist freilich auch keine Schande, der lückenhaften Infrastruktur offen und offensiv zu begegnen – erst recht, wenn man an Hebeln sitzt, um etwas zu bewegen. In diesem Sinne gelobt Stadtwerke-Chef Manfred Pusdrowski: „Was die Ladeinfrastruktur anbelangt, soll und wird es in Langen und Egelsbach nicht beim Status quo bleiben.“ Ziel des lokalen Energieversorgers, der inzwischen mehrere Stromtankstellen in Langen und Egelsbach in Betrieb hat, sei es, das Netz der E-Tanken kontinuierlich zu verdichten. „Dafür werden die Stadtwerke in den kommenden drei Jahren richtig Geld in die Hand nehmen“, kündigt er an.

Strategisch müsse man zwar wohl davon ausgehen, dass Aufladen auf dem Parkplatz vor der Haustür, in der eigenen Garage oder am Arbeitsplatz für die meisten die beste Alternative sein werde – „ein spannendes Thema“. Diese Möglichkeiten stünden jedoch vielen nicht zur Verfügung. „Insofern werden frei zugängliche Stromtankstellen in großer Menge als wichtige Bausteine immer unverzichtbar sein.“

In Langen existieren vier Ladepunkte an der Ostseite des Bahnhofs, vier weitere am Rathaus, einer an der Asklepios Klinik und zwei bei den Stadtwerken an der Weserstraße. In Egelsbach kann am Rathaus (Ostseite) und am Bahnhof Strom getankt werden (je zwei Ladepunkte). Alle sind Teil des bundesweiten Stadtwerke-Verbunds. Und mit diesem kommt die E-Ladekarte ins Spiel, die bei den Stadtwerken zu haben ist. Kunden zahlen für den Strom (aus 100 Prozent Wasserkraft) eine Monatspauschale von 25 Euro (Nicht-Kunden 50 Euro). Einsetzbar ist das Ticket im Scheckkartenformat an sämtlichen E-Ladestationen des Stadtwerke-Verbunds, sprich: „Dank Kooperationen mit anderen Anbietern kommen im In- und Ausland rund 40 000 weitere Ladepunkte hinzu“, erläutert Pusdrowski. Alles Weitere zur E-Ladekarte findet sich auf der Homepage der Stadtwerke (Rubrik Verkehr – E-Mobilität).

Aktuell sondiert der Versorger mit der Stadt Langen und der Gemeinde Egelsbach weitere Stromtanken-Standorte – die Kommunen würden die Flächen zur Verfügung stellen, die Stadtwerke die Investitionskosten und den Netzanschluss übernehmen. „Je zentraler die Säulen stehen, desto besser“, merkt der Stadtwerke-Chef an.

Der Erste Stadtrat bringt derweil einen weiteren Aspekt zur Sprache. „Ich höre immer wieder Beschwerden, dass auf den Ladesäulen-Stellplätzen verbotswidrig Benziner oder Dieselfahrzeuge parken. Das ist natürlich absolut kontraproduktiv und wird deshalb von der städtischen Ordnungspolizei verstärkt kontrolliert, vor allem auch am Bahnhof.“

VON HOLGER BORCHARD

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare