Ungewohnter neuer Alltag

Durchgetaktet: Nach festen Plänen geht es für die in kleinere Gruppen aufgeteilten Klassen zurück in den Unterricht – wie hier an der Adolf-Reichwein-Schule, wo die Lehrer die Schüler am Tor abholen und zum Raum bringen. Foto: ms

Mundschutz, Minigruppen und Mindestabstand: Das ist seit vergangener Woche neuer Alltag für Schüler und Lehrer an weiterführenden Schulen. An den Grundschulen sind vorerst nur die Viertklässler zurück im Unterricht. Trotzdem müssen alle natürlich weiter viel zu Hause lernen. VON JULIA RADGEN

Ein Stimmungsbild.

Langen/Egelsbach – Zwei verschiedene Zugänge, Einbahnstraßen-Regelung im Gebäude und bunte Punkte als Abstandhalter auf dem Hof: Seit der vergangenen Woche ist nach den Abschlussklassen auch der Rest der Schülerschaft in die Adolf-Reichwein-Schule zurückgekehrt. Welche Regeln gelten, erklärt Leiterin Marianne Kral den Kindern und Jugendlichen in einem Youtube-Video. „An die neuen Regeln müssen wir uns alle erst gewöhnen“, sagt Kral darin und beschreibt, welche Wege die Schüler im Gebäude nehmen müssen, dass sie die Tische im Klassenzimmer nicht verrücken, keine Bücher austauschen dürfen und Masken tragen sollten. „Wir haben diese Regelungen getroffen, um euch, eure Familien und uns Lehrer bestmöglich zu schützen, bitte haltet euch daran“, appelliert Kral am Ende des Fünfeinhalbminüters.

Vielleicht tat die Youtube-Einführung ihr übriges – Kral ist jedenfalls mit den ersten Tagen des neuen „Normalzustands“ zufrieden. „Das hat erstaunlich gut geklappt“, sagt die Schulleiterin und lobt Verantwortungsbewusstsein und Rücksichtnahme der Jugendlichen. „Die Schüler halten die Vorgaben vorbildlich ein, manche Eltern hinterfragen, ob das wirklich sein muss“, berichtet Kral. Doch Sicherheit gehe eben vor. „Es ist aber eine ständige Gratwanderung zwischen Vorsicht und dem, was möglich ist.“ Statt sonst 1200 Schüler besuchen jetzt maximal 300 täglich die Gesamtschule an der Zimmerstraße. „Da ist Homeschooling natürlich noch ein großer Teil des Unterrichts“, so Kral.

Ebenso an der Albert-Einstein-Schule, die für diesen Zweck eine digitale Unterrichtsplattform eingerichtet hat, über die die Schüler von zu Hause lernen. Denn im Gebäude hat jeder Gesamtschüler nur zwei mal vier Stunden Unterricht – in Kleingruppen bis zu 15 Schülern und durch ein festes Tandem aus einer Klassen- und Fachlehrkraft.

An den restlichen Tagen gibt es Videounterricht und Aufgaben. „Die können gemailt oder in der Schule abgegeben werden. Wer daheim keine Möglichkeit hat, kann im Sekretariat drucken“, sagt Leiterin Susanne Fritz. Natürlich erfordere das aktive Bereitschaft. „Viele sind sehr verlässlich und es klappt gut, aber es gibt eine gewisse Zahl an Schülern und Familien, die abgetaucht ist“, erzählt Fritz. Da klingele dann die Schulsozialarbeiterin an der Tür und frage nach – nicht immer mit Erfolg. „Es sind die Kinder im Nachteil, deren Eltern bei den Aufgaben nicht hinterher sind“, sagt Fritz. Hinzu komme, dass die Lehrer „Corona-Aufgaben“ für zu Hause nur „positiv berücksichtigen“ dürfen, nicht gemachte Arbeit schlage sich nicht negativ in der Note nieder. Eine Vorgabe des Kultusministeriums, die die Schulleiterin kritisch sieht.

Auch an der Dreieichschule gibt es zeitversetzten Blockunterricht und feste morgendliche Treffpunkte auf dem Hof. Schulleiterin Nicole Ott ist zufrieden, wie das klappt, hat aber schon einen neuralgischen Punkt ausgemacht – vor Betreten des Schulgeländes: „An den Fahrradständern achten die Schüler oft nicht darauf, Abstand zu halten. Da müssen wir sie dran erinnern“. Von der Rückkehr an das Gymnasium mit 1250 Schülern ausgenommen sind die Abiturienten, die sich online auf ihre mündlichen Prüfungen vorbereiten. Das E-Learning werde optimiert. „Es gab kein System, das war ein Wildwuchs“, sagt Ott. Das wolle man ändern und die Dreieichschule somit für die Zukunft aufstellen.

Noch etwas Schonfrist haben die Grundschulen: Bislang sind nur die Viertklässler zurück, der Rest am 2. Juni. Bei ihnen ist die Freude besonders groß, Lehrer und Klassenkameraden wiederzusehen. Die kleinste Langener Grundschule, die Wallschule, hat zwar keine Platzprobleme, aber gelangt mit ihrem Personal an die Grenzen, sagt Leiterin Anja Knauß. Die Kinder werden an häufiges Händewaschen gewöhnt und der Hygieneplan wurde auch mit den Eltern besprochen, damit sie mithelfen, dass die Schüler die Regeln einhalten.

An der Egelsbacher Wilhelm-Leuschner-Schule, die sonst 470 Kinder besuchen, war die Wiedersehensfreude zunächst für 134 Viertklässler groß. Die Einhaltung der Regeln klappe bei ihnen gut, sagt Schulleiter Martin Höhn. „Jetzt müssen wir sehen, wie es nächste Woche wird. Erstklässler werden sich damit nicht so leichttun.“

Etwas Besonderes hat sich das Team der Ludwig-Erk-Schule in Langen überlegt. Dort hat jede der geteilten Klassen zwei Präsenztage. Der Freitag war also noch frei. „Diesen Extra-Tag nutzen wir jetzt und bestellen die Schüler ein, die beim Lernen mehr Hilfe nötig haben“, sagt Schulleiter Max Leonhardt. Genügend Lehrer seien vorhanden, da das Kollegium beinahe komplett einsatzfähig sei. „Die Idee mit dem Extra-Tag stammt von den Kollegen, wir wollen schwächeren Schüler einfach mehr Unterstützung bieten“, sagt Leonhardt. Für zu Hause erhalten die Grundschüler sowohl ausgedruckte „Lernpäckchen“ als auch Online-Aufgaben. Zudem führe die Erk-Schule bereits die zweite anonyme Befragung der Eltern durch. „Damit wollen wir erfahren, wie die Familien mit dem Lernen zurechtkommen“, so Leonhardt.

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