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Vermehrte Stromausfälle in zwei Städten: „Der Fehler hat nichts mit uns zu tun“

In Langen und Egelsbach häufen sich Stromausfälle. Bürger sorgen sich um das Stromnetz. Die Stadtwerke sprechen von Zufällen.

  • In Langen und Egelsbach kommt es in diesem Jahr häufiger zu Stromausfällen.
  • Bürger fragen sich, ob das Netz marode ist.
  • Die Stadtwerke beteuern: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen den Stromausfällen.

Langen – Manchmal dauern sie nur Sekundenbruchteile, unter Umständen aber Minuten oder gar Stunden: Stromausfälle sind ein Ärgernis und können auch Schäden anrichten. Viele Langener haben den Eindruck, dass der Strom gerade ungewöhnlich häufig ausfällt. Zuletzt kam Ende Juli in Teilen von Langen und Egelsbach der Strom zum Blackout, nachdem es in einer Trafostation gebrannt hatte. Ein technischer Defekt in der Niederspannungsverteilung hatte dann dazu geführt, dass Teile der Stadt stundenlang ohne Strom waren.

Sorgen um die Versorgung müsse sich aber niemand machen, betont Manfred Pusdrowski, Geschäftsführer der Stadtwerke. „Die aktuelle Häufung ist dem Zufall geschuldet. Der Strom in Langen und Egelsbach ist sicher“, formuliert Pusdrowski in Anspielung auf das berühmte Zitat des früheren Arbeitsministers Norbert Blüm. Der jüngste Ausfall wurde nach Angaben der Stadtwerke durch einen Kurzschluss im Bereich einer Stromtrasse bei Messel-Süd ausgelöst. Diese gehört zum vorgelagerten Hochspannungsnetz, mit dem der Strom überhaupt erst nach Langen „gebracht“ wird. „Der Fehler hatte also nichts mit uns zu tun“, betont der Stadtwerke-Chef.

In Langen ist in diesem Jahr bereits viermal der Strom ausgefallen. Bürger sind besorgt um die Qualität des Stromnetzes. (Symbolbild)

Stromausfall in Langen und Egelsbach (Kreis Offenbach) auch nach Behebung noch spürbar

Durch das Umschalten auf einen anderen Trafo war der eigentliche Ausfall binnen zwei Minuten behoben. Allerdings waren die Folgewirkungen in Langen, Egelsbach und anderen Kommunen stellenweise noch erheblich länger spürbar. „Schalthandlungen und materialbedingte Störungen im Stromnetz, in Verteileranlagen und Hausinstallationen können zu elektrotechnischen Effekten, sogenannten Spannungsspitzen, führen. Das ist ähnlich wie bei Blitzeinschlägen im Gewitter“, erklärt Andreas Wiener, Leiter der örtlichen Stromversorgung.

Dadurch können lokale Anlagen der Stadtwerke oder von Kunden ausfallen. Und bis zur Behebung der Störung dauert der Stromausfall dann noch eine Zeit lang an. „Auf allen Ebenen des deutschen Stromnetzes nehmen Schalthandlungen zu“, sagt Wiener. Stromausfälle seien nie ganz auszuschließen.

Stromausfälle in Langen und Egelsbach (Kreis Offenbach) deuten nicht auf marodes Netz hin

„Das deutet aber nicht auf ein eventuell marodes Netz vor Ort hin“, betont Pusdrowski. Die Stadtwerke investierten permanent in das Netz und die Anlagen. Das Versorgungsunternehmen habe allein seit 2015 in Langen und Egelsbach über acht Millionen Euro in die Stromversorgungsanlagen gesteckt, so Pusdrowski. Nimmt man die Sparten Gas, Wasser und Wärme hinzu, summieren sich die Ausgaben der Stadtwerke ins Versorgungsnetz in den vergangenen fünf Jahren auf 25 Millionen Euro. „Wir sind ein zertifiziertes Unternehmen, auch in Bezug auf die Netzsicherheit“, hebt der Geschäftsführer hervor.

„In den vergangenen acht Jahren haben wir 22 Trafostationen erneuert, saniert, erweitert oder neu gebaut. Das ist extrem viel für ein eher kleines Versorgungsunternehmen wie die Stadtwerke Langen“, betont Wiener. Es werde viel in die Technik investiert, damit der von einem Stromausfall betroffene Bereich möglichst klein bleibt.

Stromnetz in Langen und Egelsbach (Kreis Offenbach) soll weiter ausgebaut werden

Dennoch müsse man natürlich das Netz weiter ausbauen, denn die Stromleitungen liefen derzeit automatisch unter Volllast. Hierzu suchen Stadt und Stadtwerke aktuell ein zentral gelegenes Grundstück mit einer Größe von 500 Quadratmetern für die Stadtwerke, wie der Magistrat in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung mitteilte.

Der Leiter der örtlichen Stromversorgung lenkt den Blick noch auf einen anderen Aspekt: „Die Verbraucherseite hat sich in den vergangenen 20 Jahren komplett gewandelt. Wir haben heute bundesweit eine ganz andere Nutzerstruktur.“ Die Digitalisierung habe hochfiligrane Systeme mit sich gebracht, die deutlich anfälliger für die Folgen einer Stromunterbrechung seien, so Wiener. Durch Schutzeinrichtungen können Schäden an Geräten jedoch vermieden werden. „Schon eine Steckerleiste mit Überspannungsschutz aus dem Baumarkt oder Fachhandel kann einen Defekt verhindern“, so der Experte.

Stromausfälle in Langen und Egelsbach lästig für Menschen im Homeoffice

Dass es in Langen und Egelsbach in diesem Jahr bereits vier Stromausfälle gab, während in Nachbarkommunen kaum Störungen zu verzeichnen waren, sei natürlich lästig für Stadtwerke-Kunden – gerade derzeit, da viele Menschen im Homeoffice arbeiten. Er könne auch verstehen, dass die Bürger sich sorgen, wenn – wie jüngst – gleich mehrfach in einem kürzeren Zeitraum der Strom ausfällt, sagt Pusdrowski. „Das ist aber eben kein Indiz dafür, dass es in unserem Netz überdurchschnittlich viele Schwachstellen gibt.“ Ein Blick auf die Ursachen zeige, dass es keine systematischen Zusammenhänge zwischen den Ereignissen gebe. „Und wenn es zu Störungen kommt, werden sie von den Fachleuten der Stadtwerke professionell und zügig abgearbeitet“, sagt Pusdrowski. (Julia Radgen)

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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