BEHINDERTENHILFE Freiwilligendienst als Entscheidungshilfe für Berufswahl

Herzlichkeit, die die Augen öffnet

Die Arbeit macht ihnen viel Spaß: die Freiwilligen Lisa (links) und Sabrina (Zweite von rechts) mit zwei Bewohnern der Albrecht-Tuckermann-Wohnanlage. Beide wollen nun eine Ausbildung in der Arbeit mit Behinderten machen. Foto: Behindertenhilfe

Langen – Nach der Schule fällt es vielen jungen Menschen schwer, sich für eine Ausbildung oder ein Studium zu entscheiden. Sie haben die Antwort auf die Frage „Was ist der richtige Job für mich?“ noch nicht gefunden.

Ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Bundesfreiwilligendienst können helfen, diese Frage zu beantworten – und bieten sinnvolle Alternativen zum überstürzten Berufseinstieg. Sabrina Bayer und Lisa Adler haben durch ihren Freiwilligendienst bei der Behindertenhilfe Offenbach, der unter anderem die Albrecht-Tuckermann-Wohnanlage im Nordend betreibt, sogar zu ihrem Traumjob gefunden.

Eine konkrete Vorstellung, welcher Beruf, welche Ausbildung oder welches Studium zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passen, fehlt vielen jungen Menschen. Studienfachwechsel, Ausbildungsabbruch oder die falsche Berufswahl können die Folge einer überstürzten Entscheidung sein. Sinnvoller kann ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder ein Bundesfreiwilligendienst (BFD) sein, bei dem die Teilnehmer innerhalb von zwölf Monaten einen tiefen Einblick in ein neues Berufsfeld gewinnen. Bei der Behindertenhilfe Offenbach können Freiwillige in integrativen Kindertagesstätten, in Wohneinrichtungen oder bei der Schulbegleitung arbeiten und dort anschließend eine Ausbildung absolvieren.

Vier Freiwillige lernen im Wohnverbund Langen/Seligenstadt die Arbeit mit Menschen mit Behinderung kennen. Eine von ihnen ist Sabrina Bayer. Sie begann ihren Bundesfreiwilligendienst in der Albrecht-Tuckermann-Wohnanlage im Oktober 2019, weil sie nicht wusste, welcher Job zu ihr passen könnte. Schon damals konnte sie sich die Arbeit mit behinderten Menschen gut vorstellen. Bereits nach wenigen Wochen stand für sie fest, dass sie in diesem Bereich den passenden Beruf finden würde: „Die Arbeit mit Menschen mit Behinderung ist etwas ganz Besonderes. Ihre Herzlichkeit und Ehrlichkeit ist ansteckend, es macht einfach riesigen Spaß und man bekommt so viel Dank und Wertschätzung zurück.“

Lisa Adler absolviert ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Wohnanlage Langen. Auch sie hat gefunden, wonach sie lange suchte: „Ich habe vorher schon bei anderen Arbeitgebern im sozialen Bereich gearbeitet, aber es hat nie so richtig gepasst. Hier hatte ich direkt das Gefühl: Ich möchte bleiben und eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin machen.“

Beide berichten glücklich von ihrem Arbeitsalltag im Freiwilligendienst. „Wir lernen so viel über uns selbst und können auch von den Bewohnern viel lernen. Wir arbeiten ja mit Menschen zusammen und achten jeden Tag aufs Neue darauf, wie es ihnen geht, was sie sich wünschen oder was sie brauchen. Das macht die Arbeit sehr spannend und kein Tag ist wie der andere“, erzählen Lisa und Sabrina.

Auch die Corona-Krise kann an der Begeisterung der Freiwilligen nichts ändern. Natürlich haben sich die Arbeit, der Alltag und die Herausforderungen verändert. Denn um die Bewohner vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen, wurden Schutzmaßnahmen verschärft und ein strenges Besuchsverbot eingeführt. Die Arbeit in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung fällt aus. Ebenso müssen beliebte Gruppenaktivitäten wie gemeinsames Einkaufen oder die Theaterproben abgesagt werden.

Dieser Situation begegnen die Mitarbeitenden des Wohnverbunds mit viel Engagement und Kreativität. Lisa und Sabrina erzählen dazu: „Wir lassen uns jeden Tag etwas Neues einfallen, damit den Bewohnern nicht die Decke auf den Kopf fällt. Es gibt auch einige Aktivitäten, die erst durch die Corona-Krise entstanden sind: ein hauseigenes Tanzcafé, Film-Nachmittage, Smoothies selber machen.“

Wohnverbundsleiter Robert Maßholder ist stolz auf seine Mitarbeitenden, die mit ihrem Einsatz den betreuten Menschen Sicherheit schenken und ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind. Er betont, wie wichtig das Engagement der Freiwilligen ist: „Sie sind eine enorme Hilfe und eine große Bereicherung für unser Team und für die Menschen, die in unseren Wohneinrichtungen leben.“

Auch Lisa und Sabrina sind sehr froh, dass sie die Arbeit bei der Behindertenhilfe Offenbach kennenlernen konnten: „Dank des Freiwilligendienstes haben wir unseren Traumjob gefunden!“ Ab August wird Lisa ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin beginnen, Sabrinas Ausbildung zur Heilerziehungspflegehelferin startet im September. Schon jetzt freuen sie sich auf die weitere Zeit in der Wohnanlage an der Zinkeysenstraße.

Wem würden die beiden jungen Frauen zu einem FSJ oder einem BFD raten? „Wir können wirklich nur jedem empfehlen, einen Freiwilligendienst in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung zu machen! Es ist so eine wertvolle Erfahrung“, sind sie sich einig.  ble

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