Paranoide Schizophrenie

31-Jähriger terrorisiert Umfeld: Nachbarn mit Eispickeln angegriffen 

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Wegen insgesamt elf Angriffen weist das Landgericht Darmstadt einen 31-Jährigen Mann aus Langen in eine psychiatrische Klinik ein (Symbolbild).

Ein Mann aus Langen ist in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden, weil er Menschen in seinem Umfeld mehrmals mit unterschiedlichen Waffen angegriffen hat. 

Langen – Nach zweitägiger Verhandlung vor dem Landgericht Darmstadt wurde nun ein Sicherungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr beendet. Das Urteil war vorhersehbar und wurde von Staatsanwaltschaft wie Verteidigung gleichermaßen abgesegnet: Die Vorsitzende Richterin Ingrid Schroff ordnet die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an. Dort ist der 31-Jährige aus Langen bereits Mitte Mai eingewiesen worden.

 Vor Gericht in Langen sagt Angeklagter:  „Ich wollte, dass das aufhört!“

Der Beschuldigte selbst erklärte, schon mit 20 Jahren an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt zu sein. Ein Gutachter aus Wiesbaden bestätigte dies vor der Ersten Strafkammer; 2017 gab es schon mal ein Urteil, das in Zusammenhang mit dieser Störung stand.

Im Januar 2018 geht es dem 31-jährigen Mann aus Langen eigentlich gut. So lange, bis er wieder „diese Energien“ spürt, die von anderen Menschen oder Gegenständen ausgehen. Er nennt sie „energetische Provokationen“, die ihn vom Leben abtrennen wollen. „Ich wollte, dass das aufhört!“, so seine plausible Erklärung für insgesamt elf Gewalttaten. 

Langen: Angriff auf Nachbarn mit Messer und Eispickel 

Sämtliche Vorfälle spielen sich im nahen Wohnumfeld des Angeklagten in Langen ab. Die Serie beginnt mit einer Schubserei mit einer Nachbarin, die eine geprellte Hand vom Angriff davonträgt. 

Drei Wochen später, Mitte Februar 2018, gibt es Stress mit den Nachbarn, die unter dem 31-Jährigen wohnen. Er fühlt sich durch deren „Getrampel“ gestört – der Streit endet damit, dass der Angeklagte zu Eispickel und Messer greift und einem von zwei jungen Männern Schnittwunden zufügt. Eine geht in den Bauch – die Wunde entzündet sich in der Folge, die Wirbelsäule wird angegriffen, eine Operation folgt. Als das Opfer schon am Boden liegt, tritt der Mann aus Langen noch mal kräftig gegen dessen Kiefer.

Die Version des 31-Jährigen: „Einer hat mich geschlagen, ich bin mehrere Meter nach hinten geflogen. Ich hatte Todesangst – da hab ich die beiden Eispickel gezogen, die hab ich zur Verteidigung immer dabei!“ Ein Pickel sei kaputtgegangen, deshalb habe er aus seiner Wohnung noch das Messer geholt ...

Angriff in Langen: Angeklagter rastete bei Lärm völlig aus und warf mit Steinen

Monate ohne Zwischenfälle verstreichen, doch Ende November fühlt der Angeklagte sich abermals durch Lärm gestört – diesmal von oben. Als dort der Familienvater die Tür öffnet, erhält er eine Kopfnuss und Schläge ins Gesicht verpasst und wird in den Schwitzkasten genommen. Beim anschließenden Gerangel drohen beide über das Treppengeländer zu stürzen. Der Vater des Opfers schlägt schließlich mit einer Leiste auf den Angreifer ein, um das Handgemenge zu beenden.

Noch krasser wird es Mitte April dieses Jahres: Der Angeklagte aus Langen erträgt die Geräuschkulisse der Autos nicht mehr, die neben dem Wohnhaus an der Ampelkreuzung Südliche Ring-/Darmstädter Straße anfahren oder bremsen, und greift zu Werkzeugen beziehungsweise Steinen. „Die Energien sind zu beeinflussen, deshalb hab" ich die Steine genommen und geworfen“, erklärt der Mann. Reuig betont er, er habe doch generell nie jemanden verletzen wollen.

Bei Angriff in Langen: Angeklagter hat auch Frau mit Kindern mit Steinen attackiert

Zum Glück ist bei den als „Fälle vier bis elf“ in die Akten eingegangenen Attacken denn auch niemand ernsthaft zu Schaden gekommen – weil entweder die Steine zu klein waren oder bloß Fahrzeugblech getroffen wurde. Einer SUV-Fahrerin mit Kindern an Bord sitzt der Schreck vom Angriff aber bis heute in den Knochen. Auf ihr Auto wirft der Mann aus Langen zunächst Steine, dann rüttelt er an den Türen. Die Scheibe eines Kleintransporters wiederum hält die Hiebe mit einem Schraubendreher zwar aus, ein Reifen verabschiedet sich aber nach gezielten Stichen. 

In einem weiteren Fall von Steinwürfen stellt die Autofahrerin den Angreifer zur Rede – und erfährt: „Die Menschenrechte werden verletzt – wir brauchen eine neue Verfassung!“ Ein Audi A 6 mit demoliertem Kühler und Reparaturkosten von rund 4300 Euro ist der größte Einzelschaden, drei weitere Fahrzeuge tragen maximal Dellen davon.

Das Urteil ist rechtskräftig.

VON SILKE GELHAUSEN

SEK-Einsatz in Langen. Im Zusammenhang mit dem Vorfall in Limburg, bei dem mehrere Menschen mit einem Lkw verletzt wurden, hat das SEK eine Wohnung in Langen durchsucht.

In Langen ist eine Tankstelle überfallen worden - nun sucht die Polizei nach dem Täter. Der bediente sich direkt noch selbst, bevor er ging.

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