„Ich sehe Langen gut aufgestellt“

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Die Entwicklung Langens hat Klaus-Dieter Schneider als Erster Stadtrat maßgeblich mitgeprägt. 24 Jahre lang war der 59-jährige Städtebau-Architekt zweiter Mann im Rathaus. Am 1. Juli tritt Stefan Löbig (Grüne) in seine Fußstapfen.

Langen - Er ist der dienstälteste hauptamtliche Politiker im Kreis Offenbach, aber seine Zeit ist gekommen. Ende dieses Monats scheidet Klaus-Dieter Schneider als Erster Stadtrat aus, heute Abend wird er offiziell verabschiedet.

Die politische Farbenlehre hat sich geändert, vor gut drei Wochen wählte das Stadtparlament den Grünen Stefan Löbig zu seinem Nachfolger. Schneider, in Baden-Württemberg geboren, aber seit seiner Kindheit in Langen zu Hause, gehörte über Jahrzehnte der CDU an. Nach einem Streit mit Fraktionschef Berthold Matyschok verließ er 2002 die Partei und schloss sich Ende 2007 der Unabhängigen Wählervereinigung an. Redaktionsleiter Frank Mahn hat mit dem scheidenden Baudezernenten gesprochen.

Herr Schneider, nach 24 Jahren als Erster Stadtrat, die Sie gerne noch um weitere sechs verlängert hätten, geht ihre Zeit im Langener Rathaus zu Ende. Wie sehr schmerzt es Sie, dass Ihnen keine weitere Amtsperiode vergönnt ist?

Von Schmerzen möchte ich nicht reden, ich kenne das Ergebnis der Wahl 2011 und die Zusammenarbeit der Fraktionen. Da konnte ich mich schon mal daran gewöhnen. Es gibt aber noch viele aus meiner Sicht spannende Projekte, an denen ich gerne noch mitgewirkt hätte.

Nennen Sie doch mal ein paar Beispiele.

Alle aufzuzählen würde zu weit führen. Ich nenne mal das Quartierszentrum an der Liebigstraße und die sich anschließenden Wohngebiete, das Apartmenthaus Am Weißen Stein, den Magneten in der oberen Bahnstraße, die Änderung des Bebauungsplans 18 nördlich der Elisabeth-Selbert-Allee, hier soll ja Wohnraum statt Gewerbe entstehen, und die Änderung des Bebauungsplans Monza-Park.

Sie haben in zweieinhalb Jahrzehnten als Baudezernent vieles in Langen mitangeschoben und auf den Weg gebracht. Gibt es Dinge, die Sie mit Stolz erfüllen?

Politiker nennen hier immer nur große Bauprojekte. Davon gibt es so viele, das würde lang werden. Aber die Außenbereichssatzung fürs Loh ist schon etwas Besonderes. Da konnten wir vielen Familien und einem Betrieb die Gebäude vor dem Abbruch retten und die Menschen vor dem wirtschaftlichen Ruin und der Obdachlosigkeit bewahren.

Im Moment passiert ja bautechnisch betrachtet sehr viel in Langen. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Stadt auch im Vergleich zu den Nachbarkommunen Dreieich und Neu-Isenburg ein?

Da sehe ich die Stadt Langen für die Zukunft gut aufgestellt. Durch die Trennung von Gewerbe- und Wohnflächen westlich und östlich der Bahnlinie können konfliktfreie Gebiete entwickelt werden. Durch das Fachmarktzentrum, das Quartierszentrum und den Magneten in der Bahnstraße kann Kaufkraft gebunden werden. Die Verkehrsanbindung durch die Regionalbahn, zwei S-Bahn-Haltestellen und zwei Autobahnen ist hervorragend. Flughafennähe ohne Fluglärm ist ein herausragendes Argument, zudem ist die sozial-kulturelle und sportliche Infrastruktur von erheblichem Einfluss auf die Standortwahl.

Gibt es etwas, über das Sie rückblickend sagen: Das hätte nie so laufen dürfen, das hätten wir anders machen müssen?

Es gibt einige Entscheidungen, die ich für unsinnig gehalten habe. Aber nach der Beschlussfassung habe ich sie nicht zu kommentieren, sondern als zuständiger Dezernent umzusetzen gehabt. Es hat mich immer nur geärgert, wenn dann Magistrat und Verwaltung dafür verantwortlich gemacht wurden.

Sie müssen ja nicht nachtreten, aber ein bisschen konkreter hätten wir’s natürlich schon gerne.

Also gut. Es gibt ein paar Sachen, die mich massiv geärgert haben. Der Einbahnstraßenversuch in der Bahnstraße beispielsweise war aus meiner Sicht von vornherein zum Scheitern verurteilt. In den Umbau des Parkplatzes am Alten Rathaus haben wir jede Menge Geld investiert, um was daraus zu machen? einen Parkplatz. Da hätte es städtebaulich deutlich bessere Möglichkeiten gegeben.

Herr Schneider, nächstes Jahr werden Sie 60 Jahre alt. Wie sehen Ihre beruflichen Pläne aus oder gönnen Sie sich erstmal eine Auszeit?

Ich werde mir eine Auszeit nehmen und mit meiner Partnerin Deutschland erkunden. Das habe ich ihr versprochen und das möchte ich auch halten.

Und sich dann dem Pensionärs-Dasein hingeben oder beruflich noch einmal zu neuen Ufern aufbrechen?

Lassen Sie mich doch erst mal etwas Abstand gewinnen, danach wird es sicher noch neue Herausforderungen geben.

Was werden Sie am meisten vermissen, wenn Sie nicht mehr jeden Morgen den gewohnten Gang ins Rathaus antreten?

Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen.

Zum Abschluss: Was geben Sie Ihrem Nachfolger Stefan Löbig (Grüne) mit auf den Weg? Den einen oder anderen Tipp von einem alten Hasen kann der Verwaltungs-Neuling doch sicher gut gebrauchen.

Höre immer auf den Rat der Kollegen und treffe die richtigen Entscheidungen und nicht die populärsten.

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