Vorhandenes nutzen und ausbauen

Jugendfragebogen: Was Erstwähler wissen wollen, beantwortet heute Joost Reinke

Auch die Kandidaten waren mal jung: Joost Reinke (Einzelbewerber) hat uns freundlicherweise dieses Kinderfoto zur Verfügung gestellt.
+
Auch die Kandidaten waren mal jung: Joost Reinke (Einzelbewerber) hat uns freundlicherweise dieses Kinderfoto zur Verfügung gestellt.

In Langen fragen Jungwähler und die Kandidaten antworten. Den Jugendfragebogen hat Joost Reinke (Einzelbewerber) folgendermaßen ausgefüllt:

In Langen gibt es ein gutes kulturelles Angebot für (Klein-)Kinder, aber für Jugendliche und junge Erwachsene wird (zu) wenig geboten. Haben Sie Ideen, wie das verbessert werden könnte?

Da die Altersspanne der „Jugendlichen und jungen Erwachsenen“ von 14 bis 27 Jahren reicht und die Interessen dieser Personengruppe stark divergieren, ist ein gemeinsames Angebot so gut wie unmöglich.

Wichtig für diese Altersgruppe sind ein funktionierendes Internet (Hotspots) sowie eine Internetseite, die die „Angebote für junge Leute in Langen“ präsentiert. Eine wichtige Anlaufstelle für jüngere Jugendliche ist die Stadtbücherei, wo man sich Medien und Spiele ausleihen, aber auch sich aufhalten und Zeit mit Freunden verbringen kann (momentane Öffnungszeiten auf jeden Fall beibehalten). Dort könnten auch Lesungen und Buchbesprechungen für Jugendliche veranstaltet werden, wo Jugendliche etwa anderen ihren Lieblingsautor/ihr Lieblingsbuch vorstellen.

Die Langener Schulen und Vereine bieten bereits einiges an – vorhandene Angebote sollten genutzt werden. Für sportlich Interessierte Skaterpark und Mitternachtssport, als kulturelles Angebot Freikartenverlosung der Kunst- und Kulturgemeinde zum Besuch klassischer Konzerte. Städtische und kirchliche Angebote sollten kombiniert werden – auch hier: Vorhandenes nutzen, z. B. das Café 46. In Kooperation mit dem Jugendparlament Treffen mit alten Menschen planen (Jugendliche könnten eine befristete „Patenschaft“ für eine ältere Person übernehmen und diese 14-tägig besuchen, um ihnen etwas vorzulesen).

Die Juki-Farm beleben, Teenies könnten sich dort austoben, aber auch helfend einbringen.

Das Fahrrad ist gerade für Jugendliche ein wichtiges Fortbewegungsmittel – aber es gibt viele unsichere Stellen in der Stadt. Welche Pläne haben Sie, um Radfahren in Langen sicherer und komfortabler zu machen?

Vertreter des Jugendparlamentes bringen ihre Ideen am „Runden Tisch Fahrradverkehr“ mit ein. Dort können auch „unsichere Stellen“ bzw. Gefahrenpunkte diskutiert und gemeinsam mit dem ADFC Verbesserungsvorschläge erarbeitet werden. Der „Fahrradweg“ auf der Friedrichstraße sollte zu einem richtigen Fahrradweg ausgebaut werden. Der ADFC könnte Fahrradtouren speziell für ein junges Publikum anbieten. Jugendliche könnten beim Fahrräder reparieren mithelfen und dabei von erfahrenen Helfern lernen.

Zur Fahrradsicherheit können Codieraktionen in Kooperation mit ADFC und Polizei beitragen. Langen soll insgesamt fahrradfreundlicher werden.

In Langen gibt es das Jugendforum, dessen Mitglieder aber maximal 18 Jahre alt sein dürfen. Junge Menschen möchten politisch mitreden, aber sich nicht unbedingt gleich ideologisch festlegen und sich einer Partei (oder deren Jugendorganisation) anschließen. Wie könnten Sie sich vorstellen, junge Erwachsene stärker in die Entwicklung der Stadt einzubeziehen?

Ich war und bin ein großer Unterstützer des Jugendparlamentes und suche den Kontakt zu den Jugendlichen – ich würde auch als Bürgermeister unterstützend zur Verfügung stehen. Das Jugendparlament bedeutet bereits jetzt eine starke Einbeziehung von jungen Leuten in Langen. Die Jugendlichen bringen sich super ein und melden sich in den Ausschüssen zu Wort – Chapeau dafür. Es ist ihre Aufgabe, mit anderen Jugendlichen zu reden und deren Ideen in den politischen Prozess einzubringen. Persönlich würde ich die Altersgrenze anheben, um auch älteren Jugendlichen (mindestens bis 20 Jahre) die Chance zur Mitarbeit in diesem Forum zu geben. Daneben unterstütze ich Initiativen wie die der Robokings zur Belebung des Platzes der Deutschen Einheit.

Stadtentwicklung geschieht auf vielen weiteren Feldern, z. B. auch bei der Jugendfeuerwehr, dem Jugend-Rot-Kreuz, in den Vereinen und Kirchen. Diese Gruppen dürfen nicht aus dem Blick geraten.

Die Bahnstraße – und damit auch das Zentrum von Langen – ist bekanntlich nicht der schönste Fleck auf Erden. Das Einkaufen und auch das einfache Zeitverbringen sind in diesem Ambiente wenig attraktiv. Gibt es da Ideen für Veränderungen?

Schwierig, da hier vor vier Jahren politische Entscheidungen gefällt wurden, in deren Folge noch mehr Autos in die Innenstadt gelockt werden (Bau des „Magneten“). Meine Idee: Eine verkehrsberuhigte obere Bahnstraße (ab der Zimmerstraße), die nur von Fahrrädern, Bussen und Anwohnern langsam durchfahren werden dürfte (Verkehrsberuhigung kombiniert mit ÖPNV-Förderung). Es könnten sich Cafés stärker ausbreiten und so wenigstens ansatzweise ein Gefühl von einer Fußgängerzone entstehen lassen. Pläne liegen genug in den Schubladen des Rathauses (große wie kleine). Man muss das Thema endlich ernsthaft angehen und erste Schritte in die Tat umsetzen.

Anknüpfend an die vorherige Frage: Brauchen wir im Zeitalter von Online-Shopping und Co. überhaupt noch so viele lokale Einkaufsmöglichkeiten, von denen sich ohnehin nur wenige langfristig behaupten können?

Bei Internetbestellungen hat man wohl kaum ein „Einkaufserlebnis“; eher in modernen Shopping-Villages mit vielen Outlet-Geschäften, die momentan angesagt sind. Da kann man bummeln, sich Dinge angucken, etwas anprobieren und kaufen. Diese Art Shopping-Erlebnis wird die Langener Innenstadt nicht bieten können. Sie sollte mehr eine kleine Flaniermeile mit ansprechenden gastronomischen Angeboten werden, wo man bei gutem Wetter draußen sitzen und das Leben genießen kann und nebenbei noch seine Zahnpasta, sein Obst oder ein Buch kaufen kann – ein wenig Dolce Vita in Langen.

Einige Plätze in Langen sind noch schlecht per ÖPNV erreichbar. Sehen Sie Verbesserungsbedarf - und wenn ja, wo und wie?

Der Verbesserungsbedarf wurde von mir bereits angemahnt und von den Stadtwerken zugesagt. Busfahrpläne sollten nicht allein von „Fachleuten“ nach deren Gesichtspunkten ausgearbeitet werden, sondern von der Bevölkerung mitbestimmt werden. Der Kunde, also der Busnutzer, sollte Fahrpläne – soweit irgend machbar – mitbestimmen können (mehr Bürgerbeteiligung). Dennoch wäre es unrealistisch zu erwarten, dass jede Ecke in Langen von Bussen angefahren wird. Wichtig wäre der Einsatz von Elektrobussen und der Wechsel zu kleineren „Bürgerbussen“ während der nicht so stark frequentierten Zwischenzeiten sowie die Förderung der Anrufsammeltaxis in den Randstunden des Tages.

Brauchen wir die Regionaltangente West (RTW)?

Kurze Antwort: Ja! Allerdings ist genau zu überdenken, ob das verspätete Einsteigen als Mitgesellschafter in die RTW-Planungsgesellschaft noch sinnvoll ist (momentan wird Langen durch den Kreis OF vertreten). Dort hat sich nämlich über die Jahre ein festes „Machtgefüge“ herausgebildet und ob Langen dann als Neuling in der Planungsgesellschaft – an der Seite von größeren und gewichtigeren Playern – mehr Gewicht bekäme, ist fraglich; eins aber wäre auf jeden Fall sicher: Die finanziellen Verpflichtungen für Langen würden steigen. Wenn unsere Argumente nicht überzeugen, wird der verspätete Schritt in die Planungsgesellschaft nicht viel nützen.

Die Langener Schulen, Kitas und Betreuungseinrichtungen platzen aus allen Nähten. Wie soll das möglichst schnell in den Griff bekommen werden?

Auf jeden Fall nicht durch flotte Sprüche wie z. B.: „Als Bürgermeister werde ich die Warteliste bis 2023 auf null bringen.“ Wichtig ist: Wir müssen ehrlich werden und hohle Phrasen und Absichtserklärungen beiseitelegen, müssen die Problematik und unsere Möglichkeiten ins Verhältnis setzen und zugeben: Hier gibt es keine schnelle Lösung! Dennoch müssen wir mit aller Kraft und Kreativität und mit planerischem Weitblick an dieser zentralen Aufgabe weiterarbeiten. Wir sollten nicht nur mit umliegenden Ausbildungsstätten kooperieren, sondern unsere Fühler auch nach Mittel- und Nordhessen ausstrecken, um mehr Erzieher(innen) zu finden.

Kitas, Schulen und Betreuungseinrichtungen sollten grundsätzlich eine Nummer größer geplant werden, als es der aktuelle Bedarf erfordert (Pufferzonen einplanen). Wir müssen den Dialog mit den betroffenen Eltern suchen und die aktuelle Situation sowie die Aufnahmekriterien erklären. Als Bürgermeister würde ich diesen Bereich zur Chefsache machen und ihn nicht dem Ersten Stadtrat überlassen.

Welche Pläne gibt es zum Ausbau des Sportangebotes und wie sollen die Sportanlagen zukünftig modern gehalten werden?

Langen hat sich einen nicht gerade günstigen Sportstättenentwicklungsplan geleistet. Mit dem müssen wir nun arbeiten. Er sollte aber nicht als Sport-Bibel missverstanden, sondern von den politisch Verantwortlichen jeweils aktualisiert und auf seine Sinnhaftigkeit hin geprüft werden. Vorrangig erscheint mir der Neubau der Sehring-Halle, um die tolle und vielfältige Kinder- und Jugendarbeit der Basketballer zu unterstützen. Auch im Sport werden wir in Zukunft Schwerpunkte setzen müssen; dabei steht für mich die Förderung der Mannschaftssportarten im Vordergrund. Sportanlagen müssen sukzessiv nach ihrer Bedeutung für die Allgemeinheit, nach Dringlichkeit und Einkommenslage saniert werden.

Warum sollen wir junge Menschen gerade Sie wählen?

Weil ich als mehrfacher Vater und engagierter Lehrer von allen Kandidaten sicherlich am nächsten an den jungen Leuten dran bin und mich mehr mit Kindern und Jugendlichen befasst habe als Kandidaten, die selber weder Kinder haben noch in diesem Bereich engagiert sind.

Leider werden viele Jugendliche bei dieser Wahl noch nicht mitwählen dürfen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare