Ein Herz für Motoren

Ex-Rennfahrer Peter Bonk schraubt noch mit 80 Jahren täglich an seinen Oldtimern

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In seinem Element: Peter Bonk im Hof seiner Werkstatt auf seinem Nimbus-Motorrad aus dem Jahr 1938: „Das springt natürlich noch an!“

Er hat ein Herz für Motoren: Ex-Rennfahrer Peter Bonk aus Langen schraubt auch mit 80 Jahren noch täglich an seinen Oldtimern.

  • Peter Bonk aus Langen war früher erfolgreicher Rennfahrer
  • In den 70er-Jahren fuhr er in der Formel 3 und trat gegen Größen wie Niki Lauda an
  • Auch mit 80 Jahren brennt in ihm noch die Leidenschaft für Autos und Motorräder

Langen –  Die Garagenwände sind vollgepflastert mit Schildern von Rallyes, dazwischen hängen Fotos und andere Erinnerungsstücke aus Formel-3-Zeiten. In seiner Werkstatt hütet der Ex-Rennfahrer Peter Bonk aber vor allem seine Oldtimer-Schätze. Heute feiert er seinen 80. Geburtstag.

Ein Blick durch seine Garage in Langen macht klar: Bonk hat eine Vorliebe für die britische Marke Triumph und die Farbe Beige. Der geschlossene Renown aus dem Jahr 1949 sticht heraus. „Sonst habe ich eigentlich nur Cabrios“, schmunzelt Bonk. Sein Liebling ist der Triumph Roadster 2000, Baujahr 1948 – ein Cabrio mit verstecktem „Schwiegermuttersitz“ im Kofferraum. Der Wagen hat wie viele der Gefährte in Bonks Sammlung eine spannende Geschichte: „Durch den war mal ein Baum komplett durchgewachsen“, erzählt er.

Langen: Ex-Rennfahrer Peter Bonk liebt Oldtimer

Ein Kunde gibt dem Gründer der Firma „Autozubehör Bonk“ den im Garten untergebrachten Oldtimer in Zahlung. Bonk macht den Wagen wieder flott – heute erinnert nichts mehr an diese Vergangenheit. Mit dem Auto hat er sogar 1987 in der Sendung „Einer wird gewinnen“ von Hans-Joachim „Kuli“ Kulenkampff einen Auftritt. Den edlen Rolls-Royce Corniche, Baujahr 1972, ersteigert Bonk durch Zufall auf Ebay, als er auf der Suche nach einem Pelikan-Füller ist. Doch das Schreibgerät interessiert ihn dann weniger als der Wagen. Da er das einzige Gebot abgegeben hat, bekommt er ihn.

Bonk führt die Gefährte nicht nur regelmäßig – oft gemeinsam mit Frau Annemarie – zu Oldtimer-Treffen aus, sondern schraubt auch an ihnen herum. „Das ist einfach mein Hobby“, sagt der gelernte Kfz-Ingenieur. Momentan hängt ein weiterer beiger Triumph Roadster auf der Hebebühne, an dem Bonk arbeitet. „Mein Ziel ist es, ihn über den TÜV zu bringen“, sagt der Jubilar schmunzelnd. Das Problem sind die Bremsen. Ersatzteile seien für das Auto aber nicht zu kriegen. Da hilft nur: selbst anfertigen.

Peter Bonk aus Langen: 1969 fährt er sein erstes Auto-Rennen 

Früher haben es Bonk, der am 12. Februar 1940 im oberschlesischen Hindenburg (heute Zabrze, Polen) zur Welt kommt, schnellere Autos angetan. Noch in Oberschlesien lernt er den Beruf des Kfz-Ingenieurs. 1958 siedelt die Familie nach Deutschland über, findet in Langen eine neue Heimat.

In Frankfurt arbeitet Bonk zunächst als Autoschlosser. Er kauft sich seinen ersten Wagen – einen VW Käfer – , träumt jedoch von einem Mercedes Cabrio. 1966 macht er sich selbstständig mit seinem Autozubehör-Geschäft. Ein Kunde gibt ihm im Gegenzug für offene Rechnungen einen Apal-Rennwagen in Zahlung. Damit fängt alles an: 1969 fährt Bonk sein erstes Rennen, das allerdings nicht von Erfolg gekrönt ist. Der Apal entpuppt sich als lahme Gurke. Tüftler Bonk baut einen stärkeren Motor ein, der den Wagen aber zerreißt. Doch er ist angefixt.

Peter Bonk: Rennfahrer aus Langen tritt in der Formel 3 Nova an

Von 1970 bis 1980 mischt Bonk in der Formel 3 Nova mit, sitzt neben Größen wie Niki Lauda im Cockpit. 1974 bringt er den ersten Pokal mit nach Hause – von der Deutsche Meisterschaft. Hockenheimring, Nürburgring, Monte Carlo – Bonk fährt auf allen wichtigen Rennstrecken. Ungefährlich ist das nicht. „In den 70ern sind die Autos ja noch in Flammen aufgegangen“, sagt er. Den schwersten Unfall seiner Karriere hat Bonk am Nürburgring: Mit 280 Sachen fliegt er aus der Kurve. „Aber mir ist so gut wie nix passiert.“ 

In Monte Carlo habe er sich mal am Bein verletzt und im Krankenhaus vor Ort mit Schrecken erfahren, dass die Ärzte ihm ein Bein amputieren wollen. „Da haben mich meine Kumpels aus dem Krankenhaus geklaut“, erzählt er schmunzelnd. In Heidelberg stellte sich heraus: alles halb so schlimm.

Ex-Rennfahrer Peter Bonk: Ein paar Stunden Schrauben jeden Tag

Trotzdem schlägt sein Herz auch für motorisierte Zweiräder. Davon zeugen zwei Prunkstücke seiner Sammlung: Das Motorrad Military Indian aus dem Jahr 1942 mit Halterung fürs Luftgewehr – „Da musste ich eine Attrappe reinstecken“ – und die Nimbus, Baujahr 1938, mit Beiwagen. „Nimbus, genau wie bei Harry Potter“, witzelt Bonk.

Noch heute arbeitet er jeden Tag an seinen geliebten Autos. „Das ist für mich wie für andere zur Arbeit gehen“, sagt er. Ein paar Stunden schrauben, dann Mittagessen, dann weiter werkeln. „Meine Frau hat nichts dagegen, ihr gefallen die Autos ja auch“, sagt er lachend. Er ist dankbar, dass das gesundheitlich noch geht – war er doch kurz vor Weihnachten im Krankenhaus: „Ich bin froh, dass ich mit 80 Jahren noch so was machen kann.“ Das wird auch groß nachgefeiert: am Samstag mit gut 60 Familienmitgliedern, Freunden und Wegbegleitern.

Von Radgen Julia 

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