"Wasch mich, aber mach' mich nicht nass"

FDP-Dreikönigstreffen: Kritische Worte zur Stadtplanung und an die Adresse der Auskiesungsgegner

In Dreikönigsstimmung: Landtagsabgeordneter René Rock (Zweiter von links) und der kommissarische Kreisvorsitzende Ernestos Varvaroussis (Dritter von links) mit ihren Langener Gastgebern (weiter von links): Christian Jaensch, Ingeborg Heimberg, Lothar Volkert, Rolf Diefenthäler, Mathias Rhiel sowie Ulrich Krippner. Foto: POSTL
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In Dreikönigsstimmung: Landtagsabgeordneter René Rock (Zweiter von links) und der kommissarische Kreisvorsitzende Ernestos Varvaroussis (Dritter von links) mit ihren Langener Gastgebern (weiter von links): Christian Jaensch, Ingeborg Heimberg, Lothar Volkert, Rolf Diefenthäler, Mathias Rhiel sowie Ulrich Krippner.

Das Dreikönigstreffen der Langener Freien Demokraten hat Tradition, daran ändert auch ein neuer Ort des Geschehens nichts.

Langen –  Weil im üblicherweise gebuchten Hotel im Neurott aktuell renoviert wird, bittet die FDP diesmal am Dreikönigstag in einen Tagungsraum der Stadthalle. „Wir sehen diesen Ort mal als Test an und werden danach entscheiden, wo wir uns künftig wieder treffen“, merkt Stadtverbandsvorsitzender Rolf Diefenthäler bei der Begrüßung an. Zu den Gästen der Liberalen zählen neben Vertretern der weiteren Langener Parteien vier der sechs Bürgermeisterkandidaten: Angela Kasikci (SPD), Stefan Löbig (Grüne) Claudia Trippel (FWG-NEV) sowie Professor Dr. Jan Werner (unabhängig).

Christian Jaensch, Vorsitzender der FDP-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung, leitet seine Ansprache mit einem Abstecher zur Bundespolitik ein. Er prophezeit das vorzeitige Ende der Großen Koalition und sieht als Folge neue Chancen und Potenziale für die FDP. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die GroKo das Jahr 2020 überdauert“, erklärt Jaensch. „Gewiss dürften einzelne SPD-Funktionsträger an ihren Jobs und persönlichen finanziellen Einnahmen hängen, doch würde von einer SPD nicht mehr viel übrig bleiben, wenn sie nicht endlich die GroKo beendet!“

Nach diesem Ausflug samt Spitze in Richtung anwesende Genossen widmet Jaensch sich dem Lokalen und somit der Bürgermeisterwahl. „Ein Wechsel an der Spitze der Stadt und der Stadtentwicklung täte Langen tatsächlich gut“, konstatiert er – um postwendend einzuschränken: „Eine offizielle Wahlempfehlung der FDP wird es nicht geben.“ Die Aufgabe, die Stadt mit einem 100-Millionen-Euro-Haushalt aus einer weiterhin dramatisch schlechten Lage herauszuführen, bleibe so oder so ein Kraftakt.

FDP-Dreikönigstreffen in Langen: Kritik an Stadtplanung

In diese Kerbe schlägt auch Rolf Diefenthäler. Er zieht das FDP-Programm zur Kommunalwahl 2016 aus der Tasche und zitiert: „Langen befindet sich in tiefster Haushaltskrise.“ Gespannt sei er, ob man diesen Satz für 2021 streichen könne – „oder eben nicht“. Aber auch sonst lese sich vieles „durchaus wiederverwendbar“. Der FDP-Chef nennt entsprechende Stichworte: Wirtschaftskraft stärken – Warteliste bei der Kinderbetreuung abarbeiten – Verkehrsplanung mit vierspurigem Ausbau der B 486 – Wohnungsbau. „Wir waren so ziemlich die Einzigen, die den Bebauungsplänen an der Liebigstraße und im Langener Norden nicht zugestimmt haben“, erinnert er und legt nach: „Wir sind nicht gegen Wachstum und Stadtentwicklung, aber bitte ausgewogen und mit Augenmaß – nicht, wie beschlossen, mit Maßlosigkeit.“ So stellt die FDP sich entlang der Bahnlinie (Liebigstraße) nach wie vor Gewerbeflächen vor, die „sinnvoller Riegel zur Bahnlinie“ sein könnten.

„Inzwischen fehlen uns hochwertige Flächen für ansiedlungswillige Unternehmen, die unsere Gewerbesteuer wieder in ein für Langen vernünftiges Verhältnis bringen könnten“, kritisiert Diefenthäler. Erstaunt seien die Liberalen im Übrigen, „wie leichtfüßig die Grünen den Bebauungsplan im Langener Norden mitgetragen haben, denn dort musste viel Grün weichen.“ Grundsätzlich hätten die Befürworter dieser baulichen Entwicklung wenig Weitsicht an den Tag gelegt: „Wer A sagt, muss auch B sagen. Wer neuen Bürgern den Zuzug über neue Wohngebiete eröffnet, muss auch für das soziale Umfeld sorgen.“

„Auch die Liberalen trauern um jeden Baum, der fällt – sei es für die Gewinnung des begehrten Rohstoffs Kies oder für den Ausbau der B 486“, leitet Diefenthäler zum nächsten Thema über. Jedoch: „Um die zum Bauen nötigen Rohstoffe, die vor unserer Haustüre liegen und nicht von weit her herangekarrt werden müssen, beneiden uns andere Kommunen.“ Ebenso habe das Freizeitareal Waldsee nachhaltigen Wert. Insofern könne man nicht – „was aus meiner Sicht viel zu häufig geschieht“ – nach dem Prinzip „Wasch’ mich, aber mach’ mich nicht nass“ agieren, konstatiert Diefenthäler.

FDP-Dreikönigstreffen in Langen: Zunehmend problematische Sicherheitslage in Deutschland

Seinen abschließenden Blick über den Tellerrand richtet Diefenthäler auf die zunehmend problematischere Sicherheitslage in Deutschland. „Ich bin entsetzt über das Maß an Respektlosigkeit und Verrohung unserer Gesellschaft“, stellt er fest. Sein Dank gilt Polizisten, Feuerwehrleuten oder Notärzten, die zur Sicherheit aller das eigene Wohl aufs Spiel setzten, jedoch immer öfter Ziele von Angriffen seien. „Wegschauen darf hier keine Schule machen“, so der vom Beifall aller flankierte Appell des FDP-Vorsitzenden.

Wie üblich als Gast aus der überregionalen Politik direkt von großen Dreikönigstreffen der Bundes-FDP in Stuttgart nach Langen gesaust ist der FDP-Fraktionschef im hessischen Landtag, René Rock. Er sieht einen bitterbös-gefährlichen Wandel in der öffentlichen Diskussion – „Shitstorm und Ähnliches“. Seine Ansage, ganz klar gemünzt gegen jegliche Form von Extremismus aus der rechten wie linken Ecke: „Es gilt Errungenschaften zu verteidigen gegen jene, die wieder zurück in die Vierziger-Jahre wollen und gegen andere, die meinen es gäbe Besseres als unsere parlamentarische Demokratie.“  

lfp

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