Dem Judenhass entgegenwirken

Dreieichschule: Filmvorführung und Diskussion zur Aufklärung und Sensibilisierung

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Das Thema „Antisemitismus“ ist in Deutschland wieder bedrohlich präsent. Um Jugendliche gezielt aufzuklären und zu sensibilisieren, hatte die Dreieichschule jetzt die Dokumentarfilmerin Karin Kaper eingeladen. Sie hat den Film „Wir sind die Juden aus Breslau“ gedreht. (Symbolbild)

Das Thema „Antisemitismus“ ist in Deutschland wieder bedrohlich präsent. Um Jugendliche gezielt aufzuklären und zu sensibilisieren, hatte die Dreieichschule jetzt die Dokumentarfilmerin Karin Kaper eingeladen. Sie hat den Film „Wir sind die Juden aus Breslau“ gedreht.

Langen –  Der gesamte zehnte Jahrgang des Gymnasiums hat sich im großen Musikraum eingefunden. Bevor die Filmaufführung beginnt, richten Regisseurin Karin Kaper und Lea Wissel von der Koordinierungs- und Fachstelle des Bundesprogramms „Demokratie leben“ in Langen das Wort an die über 160 Schüler. Mit der Veranstaltung möchten sie auf den zunehmenden Antisemitismus in der Bevölkerung aufmerksam machen und die Teilnehmer dazu animieren, nicht wegzuschauen. Es seien „alle gefordert im Alltag“, sagt Wissel. Der Kreis Offenbach hat daher das Modellprojekt „PRO Prävention – gegen Extremismus“ ins Leben gerufen, das sich die Sensibilisierung für dieses Thema und den Kampf gegen religiös begründete Radikalisierung zur Aufgabe gemacht hat.

Karin Kaper appelliert, „Antisemitismus entgegenzutreten“. Zu diesem Zweck hat sie ihren Film auch schon im Langener Jugendzentrum vorgeführt. Bisher haben etwa 360 Schüler in der Stadt den Film angesehen. „Das Interesse ist sehr groß“, sagt Wissel.

Nicht nur in Deutschland zeigt Kaper ihren Film. „Wir waren auch schon in Israel, Polen und den USA“, sagt die Filmemacherin.

Insgesamt 14 Überlebende des NS-Regimes im Alter zwischen 85 und 95 Jahren hat Kaper für ihre Dokumentation interviewt und auf ihrer Reise in die Vergangenheit begleitet. Die große Anzahl der beteiligten Zeitzeugen begründet die Autorin damit, dass „jeder einzelne eine Geschichte zu erzählen hat“. Nur dadurch sei es ihr möglich gewesen, „eine Spannbreite der Schicksale“ zu dokumentieren. Diese Schicksale, so sehr sie sich am Anfang der 1930er Jahre glichen, als die Betroffenen zum ersten Mal mit dem propagierten Antisemitismus in Berührung kamen, verlaufen in unterschiedlichen Bahnen. Einigen gelang, mit oder ohne ihre Familien, die Flucht aus Breslau und damit vor den Nationalsozialisten aus Deutschland. Andere wiederum wurden in Arbeitslager deportiert, wo sie Zwangsarbeit verrichten mussten. Nicht alle Protagonisten, die aus Breslau nach Frankreich oder in die USA geflüchtet sind, kehrten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in ihre Heimat zurück. Daher hat Kaper sie in ihrem neuen Zuhause besucht.

Nach der Filmvorführung stellt sich die Regisseurin den Fragen der Schüler. Als sie nach ihrer Intention gefragt wird, warum sie sich für eine Dokumentation über Juden aus Breslau und nicht über ein Konzentrationslager entschieden hat, sagt sie, dass es für sie wichtig war „mit Menschen zu sprechen, die noch leben“. Sie habe das Gefühl, dass es viele, vor allem junge Leute gebe, für die die „Nazizeit sehr weit weg“ sei. Diese wolle sie mit ihrem Film an das schreckliche Schicksal der jüdischen Bevölkerung erinnern. „Es gibt Menschen, die die Nazizeit verleugnen. Das ist etwas Furchtbares“, betont sie. Daher appelliert sie am Ende der Veranstaltung noch einmal eindringlich an die Schüler: „Da muss man entgegenwirken.“

VON JOSHUA BÄR

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