Bildband aus Langen

Fotograf aus Langen veröffentlicht Bildband über Bienen

Gemeinsam stark: Die wilden Honigbienen haben eine raffinierte Taktik, um sich gegen die erheblich größeren Hornissen zu wehren. Wie sie das tun, erfahren die Leser im neuen Bildband von Ingo Arndt. Fotos: Arndt
+
Gemeinsam stark: Die wilden Honigbienen haben eine raffinierte Taktik, um sich gegen die erheblich größeren Hornissen zu wehren. Wie sie das tun, erfahren die Leser im neuen Bildband von Ingo Arndt.

Pumas in Patagonien hat Ingo Arndt für sein im März 2019 erschienenes Buch fotografiert. Für seinen neuesten Bildband musste der Langener nicht so weit reisen: Ein großer Teil der Bilder entstand in seinem Garten in Oberlinden – dort hat er in einer Baumhöhle ein wildes Honigbienenvolk angesiedelt.

Langen – Patagonien, Alaska, die Serengeti oder die Mongolei – normalerweise reist Ingo Arndt in ferne Länder und kehrt mit Fotografien von Küstenbären, Pumas, Manatis oder Pandas zurück, die dann internationale Preise (beispielsweise Wildlife Photographer of the Year) erhalten und in Naturmagazinen, Büchern und Ausstellungen zu bewundern sind. Die Aufnahmen für seinen neuen Bildband entstanden dagegen überwiegend in Deutschland – mehr als die Hälfte sogar in Langen, in Arndts Garten am Häuschen in Oberlinden. Und anders als sonst kann jedermann die Protagonisten nicht nur im Zoo oder auf Bildern bewundern, sondern sie tagtäglich hautnah erleben.

„Honigbienen – Geheimnisvolle Waldbewohner“ heißt das jetzt erschienene Buch des Langener Tierfotografen, für das er sich mit dem renommierten Verhaltensforscher und Bienenexperten Professor Jürgen Tautz zusammengetan hat. Gemeinsam geben sie einen Einblick in bisher weitgehend unbekannte wissenschaftliche Erkenntnisse und Verhaltensweisen. Das ist nicht nur für Imker hoch interessant, sondern für jeden, der sich für Natur und Umwelt interessiert. Und natürlich für spektakuläre Fotos. Denn die gibt es wie immer bei Arndt reichlich.

Im Fokus: Von der Beobachtungshütte aus konnte Ingo Arndt als weltweit erster Tierfotograf die Besiedlung einer Höhle durch Wildbienen dokumentieren.

Und wie immer ist der Fotograf tief in die Materie eingetaucht. Zur Vorbereitung ist er erst einmal Mitglied im Langener Bienenzuchtverein geworden, hat sich ein Bienenvolk in den Garten gestellt. Das Hauptaugenmerk sollte allerdings auf den wild lebenden Bienen liegen. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass es draußen so viele wild lebende Honigbienenvölker gibt“, sagt Arndt. „Das sind oft Völker, die einem Imker entwischt sind. Sie nehmen dann sehr schnell ihre ,wilden‘ Verhaltensweisen wieder an.“

Um die zu dokumentieren, ließ sich Arndt etwas ganz Spezielles einfallen: Über Beziehungen besorgte er sich aus dem Steigerwald ein Stück eines Baumstamms mit einer ehemaligen Schwarzspechthöhle. Diese kam in den Garten, wo Arndt sie für seine Zwecke umbaute: Hinten schnitt er ein kleines Loch hinein, dahinter baute er eine Hütte für das Foto-Equipment auf. Dann setzte er eine Königin ein, das Volk folgte.

Im Fokus: Von der Beobachtungshütte aus konnte Ingo Arndt als weltweit erster Tierfotograf die Besiedlung einer Höhle durch Wildbienen dokumentieren.

„Das ist erstaunlicherweise noch nie zuvor gemacht worden“, sagt der Fotograf. Und genau deshalb konnte er auch viele Verhaltensweisen dokumentieren, die vor ihm noch nie jemand gesehen oder gar fotografiert hat.

„Professor Tautz war sehr oft überrascht, wenn er die Bilder sah“, berichtet Arndt. „Wir haben so vieles herausgefunden, was man noch nicht wusste.“ Es gebe zwar umfangreiche Forschungen mit Bienen, „aber die beziehen sich auf den Ertrag, nicht auf die Lebensweise“.

Die meisten Fotos für das Buch entstanden dann auch in der Schwarzspechthöhle – „es war superspannend, was sich da abgespielt hat“. Für manche Detailaufnahmen griff Arndt aber auch auf Tiere zurück, die in seinem Bienenstock leben.

Eine Erkenntnis, die Tautz und Arndt gewonnen haben, ist, dass ausgewilderte Bienen viel besser mit Parasiten zurechtkommen als ihre kultivierten Artgenossen. „Sie sind deutlich weniger gestresst als die Tiere in den Imkervölkern, denen ja ständig der Honig weggenommen wird und die deshalb permanent produzieren müssen“, weiß Arndt. „Die Imker sollen sich überlegen, ob sie nicht ein paar Dinge anders machen.“ Wobei der Fotograf gleich klarstellt: „Ich will die Imker nicht bekehren, sondern nur zum Nachdenken anregen.“

„Honigbienen – Geheimnisvolle Waldbewohner“ heißt das jetzt erschienene Buch des Langener Tierfotografen Ingo Arndt.

Material dazu haben Tautz und Arndt jedenfalls genug zusammengetragen. Auch eine große Geschichte im Magazin National Geographic hat das Projekt schon abgeworfen. Gemeinsam mit der Allianz Umweltstiftung entstand eine Ausstellung, die auf sechs Bildschirmen am Münchner Flughafen zu sehen ist (wo aktuell leider nur wenig Besuch zu verzeichnen ist). Im Herbst soll eine weitere Ausstellung fertig sein, die dann durch verschiedene Museen wandert.

Der Bildband

„Honigbienen – geheimnisvolle Waldbewohner“ von Ingo Arndt (Fotos) und Prof. Dr. Jürgen Tautz (Texte) ist erschienen im Verlag Knesebeck (ISBN 978-3-95728-362-7, gebunden, 192 Seiten, Preis 38 Euro). Die komplette Gestaltung hat wieder Arndts Frau Silke übernommen.

Von Markus Schaible

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare