Anna-Sofien-Höfe im Nordend

In Langen entstehen 154 neue Wohnungen 

In einem Rutsch: Die neun Wohnhäuser zwischen Anna- und Sofienstraße werden nicht wie ursprünglich geplant in zwei Etappen, sondern in einem Zug abgerissen. Foto: Strohfeldt
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In einem Rutsch: Die neun Wohnhäuser zwischen Anna- und Sofienstraße werden nicht wie ursprünglich geplant in zwei Etappen, sondern in einem Zug abgerissen. 

Der Abriss von Gebäuden zwischen der Anna- und Sofienstraße in Langen bei Frankfurt hat begonnen. Hier im Nordend sollen 154 neue Wohnungen entstehen.

Langen – Elisabeth-Selbert-Allee, Belzborn („Olympia-Viertel“), der nördliche Teil des Baugebiets Liebigstraße – die Stadt wächst derzeit über ihre bisherigen Bebauungsgrenzen hinaus. 

Nun sind die Vorarbeiten für ein Großprojekt gestartet, das Wohnraum im bestehenden Stadtgebiet schaffen wird: Die Baugenossenschaft Langen hat mit dem Abriss von neun Gebäuden im Quartier zwischen der Anna- und Sofienstraße, eingerahmt von Westend- und Nördlicher Ringstraße, begonnen. Entstehen sollen dort im Nordend 154 neue Wohn- und zwei Gewerbeeinheiten. Das Besondere: Die Baugenossenschaft will explizit sogenannten „bezahlbaren Wohnraum“ schaffen; der Quadratmeterpreis soll unter neun Euro liegen.

Anna-Sofien-Höfe, so lautet der Name des ehrgeizigen Projektes, in das die Baugenossenschaft rund 34 Millionen Euro steckt. Viel Geld, doch aus Sicht von Wolf-Bodo Friers, dem Vorstandsvorsitzenden der „Wohnraumkönner“ (wie sich die Genossenschaft selbst bezeichnet), gut angelegt. Eine Modernisierung der Häuser habe sich nicht mehr gelohnt. Und: Es wird zusätzlicher Wohn- und Parkraum geschaffen.

108 Wohnungen sind es in den alten, aus den 1950er und 60er Jahren stammenden Häusern. Neu entstehen werden acht Gebäude rein für Wohnzwecke (145 Einheiten mit einem bis vier Zimmer) sowie ein Punkthaus mit besonderen Eigenschaften. Dieses erhält im Erdgeschoss eine Gewerbeeinheit sowie Räume für ein soziales Café. Ein angrenzender Veranstaltungsraum kann von den Bewohnern der Anna-Sofien-Höfe gemietet oder dem Café zugeschaltet werden. In den Obergeschossen befinden sich insgesamt neun behindertengerechte Wohnungen mit einem, zwei und drei Zimmern, die vorwiegend an Senioren oder mobil eingeschränkte Personen vermietet werden sollen. Zudem sind im Haus mehrere Gästezimmer für den kurzzeitigen Aufenthalt von Besuchern oder Pflegepersonal geplant.

Von der ursprünglich geplanten Tiefgarage hat sich die Baugenossenschaft mittlerweile verabschiedet. „Aus Kostengründen“, wie Friers erklärt. Doch die allgemeine Baukostensteigerung sowie die Tatsache, dass der Abriss wegen großer Asbestfunde erheblich teurer wird als gedacht, habe an einigen Stellen Umplanungen erfordert, um den Kostenrahmen und damit das Neun-Euro-Ziel einhalten zu können. Die Garage hätte mit einigen Millionen zu Buche geschlagen. Nun entsteht ein zweistöckiges Parkdeck mit 52 Stellplätzen.

Gespart wird auch, indem der Abriss nicht wie ursprünglich vorgesehen in zwei Etappen, sondern in einem Zug vorgenommen wird. Das hat zur Folge, dass die Bewohner des geplanten zweiten Abschnitts doch früher ausziehen mussten als gedacht. Aber auch das sei kein großes Problem gewesen, „da die meisten wegen des zu erwartenden Baulärms sowieso früher raus wollten“, berichtet Friers. Lediglich mit einem Mieter habe es sehr lange Verhandlungen gegeben, die aber kürzlich auch abgeschlossen wurden; er zieht nun Anfang Juli aus.

Die Baugenossenschaft hatte den Bewohnern mehrere Optionen geboten: Umzug während der Bauphase in eine Übergangswohnung aus ihrem Bestand und Rückkehr in die Neubauten zum vergünstigten Mietpreis; dauerhafter Umzug in eine andere Bestandswohnung gegen eine Abfindung; kompletter Wegzug gegen eine höhere Abfindung. So sollte sichergestellt werden, dass niemand nach der Kündigung auf der Straße sitzt.

Nachdem die Baugenehmigung vor wenigen Tagen eingegangen sei, werde nun mit der Baufirma noch wegen der Preise verhandelt. Baubeginn soll dann im September oder Oktober sein. Das gesamte Projekt ist auf etwa zweieinhalb Jahre angelegt, Fertigstellung wäre demnach voraussichtlich Ende April 2023.

Die vier- und fünfgeschossigen, offenen „Zeilenbauten“ orientieren sich laut Baugenossenschaft von der Höhe her an der vorhandenen Bebauung in der Umgebung. Für eine städtebauliche Akzentuierung soll das Punkthaus mit Café an der Nordostecke sorgen. „Die Gebäudeanordnung lässt Blickbeziehungen über die Straßen durch die Erschließungsachsen zu und es bilden sich geschützte Innenhöfe, welche ein umfangreiches Angebot für das soziale Miteinander der Bewohner bieten, indem sie zu Begegnung und Bewegung animieren“, heißt es in der Beschreibung der Genossenschaft. Zwischen den Gebäuden sei kein Fahrzeugverkehr geplant, um die Aufenthaltsqualität und den Anteil der Grünflächen möglichst zu erhöhen.

Die Wohngebäude erhalten flach geneigte Pultdächer, die die Anordnung von Fotovoltaik-Elementen in optimaler, flach geneigter Ost-West-Ausrichtung ermöglichen. Das Flachdach des einzigen Staffelgeschosses beim Punkthaus ist mit extensiver Begrünung geplant.

Bonava plant nun ein weiteres Wohnquartier in Langen: Bis 2023 werden zwischen Hans-Kreiling-Allee und Nordendstraße zehn Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 153 Wohnungen sowie eine Gewerbeeinheit entstehen.

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