Außergewöhnliche Belastung

Über 900 Einsätze in einem Jahr: Feuerwehr Langen extrem gefordert

Nächtliches Schauspiel: Ein Kaminbrand sorgt für Funkenflug. Fotos: Freiwillige Feuerwehr Langen
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Nächtliches Schauspiel: Ein Kaminbrand sorgt für Funkenflug. Fotos: Freiwillige Feuerwehr Langen

Die Feuerwehr Langen ist eine der am stärksten belasteten Freiwilligen Feuerwehren im Land Hessen: Die derzeit 113 Männer und Frauen waren vergangenes Jahr bei 941 Einsätzen gefordert, dazu kamen 105 Brandsicherheitsdienste sowie acht Bereitschaftswachen (Stadthalle, andere Veranstaltungen).

  • Über 900 Einsätze für die Feuerwehr Langen in einem Jahr
  • Retter sind im Hessenvergleich extrem gefordert
  • Jahresbilanz: 13 tote Menschen

Langen – Alleine die Extremwetterlage im August führte zu einem mehrtägigen Dauereinsatz. Diese Zahlen hat Stadtbrandinspektor Frank Stöcker bei der Jahreshauptversammlung vorgelegt. Die Bandbreite der Anforderungen ist hoch – Feuer sind für die Feuerwehr schon lange nicht mehr die Hauptbelastung. Zu den 100 zu bekämpfenden Bränden (Fehlalarme der Brandmeldeanlagen nicht eingerechnet) zählten Keller- und Wohnungsbrände ebenso wie Wald- und Flächenbrände größeren Ausmaßes während der langen Hitzeperiode. Brennende Gartenhütten mussten genauso gelöscht werden wie Kaminbrände.

Langen: Feuerwehr im Dauereinsatz – Unfälle, Kranke, Tote

Technische Hilfe geleistet wurde bei 38 Verkehrsunfällen und 118 Einsätzen zur Menschenrettung (Notfalltüröffnungen, verschüttete Personen). Auch mussten mehrere Gefahrgut-Einsätze abgearbeitet werden, bei denen unter anderem stark ätzende Stoffe ausliefen. Die Langener Feuerwehr rettete 2019 insgesamt 312 Personen, davon waren 133 verletzt oder erkrankt. 13 Personen konnten nur noch tot geborgen oder angetroffen werden.

Modernste Ausrüstung: Die Feuerwehr Langen ist technisch gut aufgestellt.

Feuerwehr Langen extrem gefordert: Einsätze können sehr komplex sein

Die Einsätze des vergangenen Jahres zeigen nach Stöckers Worten auch, dass nicht nur die Anzahl über den Arbeitsaufwand entscheidet, sondern vielmehr die Komplexität der Lage eine wichtige Rolle beim Umfang der notwendigen Maßnahmen spielt. Im Wesentlichen betrifft das sogenannte Flächenlagen, deren Ursachen zwar marginal erscheinen, die Auswirkungen allerdings weitreichend sind. Als Beispiel nennt der Stadtbrandinspektor den Stromausfall in mehreren Stadtbereichen im Juli.

Ursächlich war dabei die Überbelastung einer Fotovoltaik-Anlage, die in der Folge zu einem Brand in einem Transformator führte. Auch wenn dieser schnell und effektiv bekämpft werden konnte, waren die weitreichenden Folgen des Stromausfalls nur in enger Zusammenarbeit mit anderen Stellen, wie in diesem Fall mit den Stadtwerken, abzuarbeiten.

Schaumteppich: Ein Schwelbrand zwischen zwei Häusern muss in der Rheinstraße gelöscht werden.

Feuerwehr Langen: Gute Jugend- und Öffentlichkeitsarbeit

Neben einer eindrucksvollen Kinder- und Jugendarbeit investierten die Feuerwehrangehörigen zudem tausende Stunden in die Aus- und Fortbildung, den Dienstsport sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam mit Bürgermeister Frieder Gebhardt stellte Stadtbrandinspektor Stöcker heraus, dass der technische Stand der Feuerwehr Langen mit der Umsetzung der Maßnahmen des vergangenen Brandschutzbedarfs- und Entwicklungsplans an den aktuellen Anforderungen ausgerichtet und adäquat ist.

Gut geschützt: Wenn es um Gefahrgut geht, müssen die Helfer besondere Vorsicht walten lassen.

Auch wenn der Jahresbericht eindrucksvoll aufzeige, dass die Feuerwehr Langen auch weiterhin eine der am stärksten belasteten Freiwilligen Feuerwehren Hessens ist, sei sie dennoch wegen des außergewöhnlichen

Engagements und der überdurchschnittlichen Motivation der Einsatzkräfte eine moderne und gleichermaßen effektive Einrichtung, die den Bürgern der Stadt in jedweder Gefahrenlage schnell und professionell Hilfe leistet, erklärt Frank Stöcker. Er wirft aber auch die Frage auf: „Wie lange kann dieser Standard bei dieser Belastung noch gewährleistet werden?“

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Die Feuerwehr muss immer wieder zu großen Einsätzen in Langen ausrücken. Ein Kabelbrand in einer Trafo-Station hatte zu einem gut zweieinhalbstündigen Stromausfall im gesamten Stadtgebiet geführt. Bei einem tödlichen Unfall an der Auffahrt zur A661 in Langen ist eine Frau direkt an der Unfallstelle gestorben. Zwei Männer wurden schwer verletzt.

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